Mobbing

Mobbing kennt keine Ferien

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Immer mehr Schülerinnen und Schüler werden Opfer von Attacken im Internet. Die durch die Pandemie ausgelöste Digitalisierungsdynamik potenziert das Problem. Über Ausgrenzung als Grenzerfahrung.

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Immer mehr Schülerinnen und Schüler werden Opfer von Attacken im Internet. Die durch die Pandemie ausgelöste Digitalisierungsdynamik potenziert das Problem. Über Ausgrenzung als Grenzerfahrung.

Die angehende Lehrerin Anna Trauner* (24) betreut jedes Jahr im Sommer Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren in einem Feriencamp. Smartphones dürfen die Campteilnehmer(innen) nur zu den vorher vereinbarten Zeiten nutzen. „Wir wollen verhindern, dass durch das Verbreiten von Fotos und Nachrichten über die sozialen Netzwerke negative Stimmung aufkommt“, umschreibt Trauner das Mobbingpotenzial, das Handynutzung in sich birgt.

Weil sie in der eigenen Schulzeit selbst Erfahrungen mit dem Thema gemacht hat, ist sie ganz besonders sensibilisiert. Einen Unterschied zu früher identifiziert sie dennoch: „Bei uns hat die Schikane an der Haustüre aufgehört. Es gab eine Verschnaufpause. Aber Cybermobbing hört nicht mit dem Schulschluss auf, verfolgt die jungen Opfer bis ins Kinderzimmer.“

Eine Schlussfolgerung, die auch während eines Anti-Mobbing-Tages im Rahmen des Onlinekongresses „Wir sind“ gezogen wurde. Unter dem Motto #sichtbarsein engagierte Initiatorin Maria Lehner Influencer(innen), die innerhalb des einschlägigen Formates gegen Mobbing auftreten.

Schikane 2.0

Das Phänomen Cybermobbing beschäftigt Expert(inn)en weltweit, seit es soziale Netzwerke gibt. Die stärkste Ausprägung hat es Studien und Umfragen zufolge in den vergangenen beiden Jahren erlangt. Als Ursache dafür werden die Lockdowns, die verstärkte Verlagerung des sozialen Lebens in den virtuellen Raum und die erhöhte Digitalisierung durch Distance-Learning im Schulbetrieb genannt.

Eine zu Jahresbeginn von saferinternet.at veröffentlichte Studie, die auf einer Umfrage unter Elf- bis 17-Jährigen aufbaut, knüpft daran an. 17 Prozent der Befragten haben bereits Cybermobbing erlebt, 42 Prozent haben es bei anderen mitbekommen, und jede(r) Zehnte gibt zu, auch selbst schon einmal daran mitgewirkt zu haben. Für Eltern ist es oft schwer, die Dynamiken des virtuellen Raums nachzuvollziehen. Das absichtliche und über einen längeren Zeitraum stattfindende Beleidigen, Bloßstellen oder Ausgrenzen in den digitale Medien nehmen sie oft nicht wahr.

Was sich hinter dem nervösen Tippen ihrer Kinder, der Isolation im Kinderzimmer oder plötzlichen emotionalen Ausbrüchen verbirgt, wird oft erst spät erkannt. In manchen Fällen zu spät. „Cybermobbing kann im äußersten Fall bis zum Tod durch Suizid führen“, erklärt der Psychologe Etrit Asllani beim Onlinekongress „Wir sind“.

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