Kinder stehen auf PCs

Computer im Kinderzimmer: Was viele schon wussten, belegt nun auch eine Studie.

Computer und Internet ziehen immer stärker in den Alltag ein - auch in den der Kinder. In gut einem Drittel der österreichischen Haushalte sind laut einer Untersuchung Internetanschlüsse installiert, Schulen, auch Volksschulen, rüsten auf. Kinder ab sechs, mitunter noch jüngere, gehen mit dem Computer ganz selbstverständlich um, nutzen ihn zum Surfen und Spielen - (noch) aber nicht in der Intensität, die Eltern oft befürchten. "Mein Kind sitzt nur mehr vor dem Computer", hört man allenthalben klagen. Geht man die Studie "Kinder und Medien 2000 - PC und Internet" von Sabine Feierabend und Walter Klingler (veröffentlicht in "Media Perspektiven 7/2001) durch, bietet sich ein etwas anderes Bild. Von den 1.228 Kindern zwischen 6 und 13 Jahren, die unter anderem zu ihren Lieblingsbeschäftigungen, Freizeitaktivitäten und Medieninteressen befragt wurden, war es der Mehrzahl nämlich wichtiger, Freunde zu treffen zu gemeinsamen Unternehmungen, zu spielen, Sport zu betreiben, denn sich am PC zu betätigen. Freilich, fernzusehen wurde auch als wunderbare Freizeitbeschäftigung genannt.

Die Beschäftigung mit Computer und Internet nimmt aber zu und wird sich wohl in Zukunft auch bei den Kindern auf einem höheren Niveau einpendeln, was die gegenüber 1999 um das Doppelte gestiegene Nutzungshäufigkeit nahelegt. Gaben nämlich in diesem Jahr 8 Prozent der Kinder an, sich nahezu täglich vor den Computer zu setzen, waren es ein Jahr später bereits 16 Prozent. 60 Prozent der befragten 6- bis 13-Jährigen nutzen ihn zumindest selten in ihrer Freizeit, Buben häufiger als Mädchen, ältere häufiger als jüngere. Den Umgang mit dem PC haben 63 Prozent von ihren Eltern gelernt, 30 Prozent von Freunden - beide sind auch beliebte Gesprächspartner zum Thema - und 16 Prozent in der Schule.

Computerspiele zu spielen ist der häufigste Grund, den PC aufzudrehen, sagen rund 63 Prozent der Kinder, Lernprogramme und Computerspiele mit anderen der zweithäufigste, wobei ersteres hauptsächlich Buben angeben, Mädchen dagegen schreiben eher Texte, nutzen den Computer zum Malen oder als Nachschlagewerk. Das alles unter den aufmerksamen Blicken ihrer Eltern - zumindest dort, wo jüngere Kinder den PC nutzen, älteren wird offenbar ein eigenverantwortlicher Umgang zugetraut. Eltern sind es auch, die den Nachwuchs am häufigsten mit Computerspielen versorgen, wobei bei deren Auswahl Kinder durchaus ein Wörtchen mitreden dürften, was die genannten und in Besitz befindlichen Lieblingsspiele nahelegen: 18 Prozent nannten das Moorhuhn und fast ebenso häufig Die Siedler.

Neben den Computerspielen nehmen Lernprogramme eine wichtige Rolle bei Kindern ein. Im häuslichen Bereich eingesetzt, klicken sich 56 Prozent der Befragten mindestens einmal in der Woche in entsprechende Programme, in der Schule rund 30 Prozent. Am häufigsten sucht man "Nachhilfe" in Mathematik, Deutsch und Fremdsprachen - und das nicht unbedingt ungern, obwohl man nur halb so viel Zeit für sie aufwendet, wie fürs Spielen.

Internetnutzung

Wie den Computer, nutzen Kinder auch das Internet vor allem in den eigenen vier Wänden und das gut zur Hälfte mindestens einmal pro Woche. Und auch hier sind die Eltern gefragt - als Ratgeber und Hilfesteller, zumindest bei kleineren Kindern. Ältere emanzipieren sich, eignen sich rasch Wissen an, das dann eher an die Eltern weitergegeben wird und gehen eher mit Freunden online.

Kinder nutzen das Internet in erster Linie, um sich über bestimmte Dinge zu informieren oder um E-Mails abzuschicken. Dabei unterscheiden sie sich im übrigen nicht von Jugendlichen und Erwachsenen. Interessant sind aber auch Chats und Netzspiele. Wie man zu nützlichen Informationen, zu interessanten Seiten, zu unterhaltsamen Inhalten kommt, das erfahren die jungen Nutzer von Freunden, Eltern, aus dem Fernsehen, oft aber einfach durch Ausprobieren.

Das freilich nicht immer zur Freude der Erwachsenen, die zum Teil begründet, zum Teil unbegründet, Gefahren im World Wide Web sehen. Wobei sich viele Eltern der Aufgabe, Kinder zu einem kritischen und reflektierten Umgang mit dem Medium anzuleiten, nicht gewachsen sehen und hier vor allem die Schule in die Pflicht genommen wissen wollen.

Dort sollte nach überwiegender Mehrheit der auch befragten Eltern Computerunterricht die Kinder nicht nur im technischen Gebrauch unterweisen, lediglich ein Drittel traut sich das selber zu. Dass trotz so mancher Bedenken der Computer in der heutigen Gesellschaft eine große Rolle spielt, er für das Finden eines Berufes schier unabdingbar ist, davon ist die Elterngeneration in hohem Maße überzeugt. Dass er in der Schule nützlich ist, ohne Computer "heut gar nichts mehr geht", auch dem stimmen Eltern großteils zu. "Mütter (die in der Regel antworteten) attestieren ein großes Interesse ihrer Kinder an Computern und sprechen sich für einen frühest möglichen Umgang der Kinder mit Computern aus. Etwas resigniert meint allerdings über die Hälfte von ihnen, dass Kinder den Computer sowieso nur zum Spielen benutzen, auch sind Mütter froh darüber, sich selbst nicht mehr mit dem Medium auseinandersetzen zu müssen ...", resümieren die Studienautoren die Aussagen der Erziehungspersonen.

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