Gewalt Femizid Frauen - © Foto: iStock/baona

Femizid: Gefährliche Gewaltspirale

1945 1960 1980 2000 2020

In Oberösterreich wurde der erste Femizid des noch jungen Jahres verübt. Wann beginnt Gewalt gegen Frauen – und wie kann man gegensteuern? Ein Handbuch bietet Aufklärung.

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In Oberösterreich wurde der erste Femizid des noch jungen Jahres verübt. Wann beginnt Gewalt gegen Frauen – und wie kann man gegensteuern? Ein Handbuch bietet Aufklärung.

Es ist eine traurige Serie, die nun früh fortgesetzt wird: Im Vorjahr gab es in Österreich 31 Frauenmorde; die Täter waren fast immer die Ehepartner oder (Ex-)Lebensgefährten der Opfer. Am 8. Jänner kam es im oberösterreichischen Weißenkirchen zu einem neuerlichen Femizid. Eine 42-jährige Waldpädagogin und fünffache Mutter wurde von ihrem Ehemann im gemeinsamen Haus mit der Pistole erschossen, am nächsten Tag verstarb die Frau im Krankenhaus. Der 46-jährige Forstwirt ist inhaftiert und hat die Tat bereits gestanden.

Insgesamt 94 Gewaltverbrechen gegen Frauen – Morde, Mordversuche oder schwere Körperverletzungen – wurden 2021 in Österreich verzeichnet. Laut Statistik der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser (AÖF) wird jede fünfte Frau ab 15 Jahren zum Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt. All das passiert nicht aus heiterem Himmel, sondern ist nur die Spitze eines Eisbergs. Ein neues Handbuch, das der Verein „Frauen* beraten Frauen*“ herausgegeben hat, beleuchtet auch jene Teile dieses Eisbergs, die der schweren körperlichen Schädigung vorausgehen und oft auf einer subtilen Ebene wirken. Der online verfügbare Ratgeber (Download hier) beschreibt das gesamte Spektrum an Übergriffen – darunter auch psychische, ökonomische, symbolische sowie strukturell und institutionell bedingte Gewalterfahrungen. Und er widmet sich zentralen Fragen: Wo beginnt Gewalt? Ab wann sollten Frauen beginnen, sich zu schützen? Und wie kann man einer Eskalation vorbeugen?

Aggressive Spannung

„Wir sind oft entsetzt, wie spät die Frauen mit diesen Fragen zu uns kommen“, berichtet Bettina Zehetner, eine der Vorstandsfrauen der Beratungsstelle. „Viele Betroffene zögern sehr lange, bevor sie das gewaltsame Verhalten ihrer Partner auch so benennen. Zuvor suchen sie nach Erklärungen und Entschuldigungen.“ Die Grenze zur Gewalt sei oft fließend. Wie aber merkt man, wann die rote Linie überschritten ist? „Wenn Frauen ein Gefühl der Angst oder Bedrohung verspüren“, sagt Zehetner. „Es kann aber auch sein, dass der Partner einen Besitzanspruch an den Tag legt, wodurch sich die Frauen eingeschränkt fühlen. Dann kann es dazu kommen, dass sie fremde Meinungen übernehmen; Dinge vermeiden, die sie gerne tun würden; oder auch Dinge tun, die sie sonst vermeiden würden.“ Ökonomische Ungleichheit ist dabei oft die Basis für Machtungleichheit. Besonders für Frauen mit Kindern und für Migrantinnen kann eine bestehende finanzielle Abhängigkeit leicht zur Falle werden.

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