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Dauerbrenner „Los vom Mann”

In der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Zukunft” äußert sich Staatssekretärin Johanna Dohnal besorgt über die Frauenpolitik: „Die Tendenzen, die Frauen wieder soweit wie möglich auf ihre traditionelle Rolle zu beschränken, sind unübersehbar. Auch den politisch tätigen Frauen ist es … schwieriger geworden, ihre Forderungen so massiv einzubringen, wie es gerade jetzt notwendig wäre.”

Schuld daran seien die wirtschaftlichen Probleme. Dohnal verweist auf die Zwischenkriegs-

zeit. Damals waren die Emanzipationsbemühungen im Dickicht der wirtschaftlichen Sorgen erstickt. Wolle man heute ähnliches verhindern, dürften die Bemühungen der Frauen um „größere Kuchenstücke als bisher” nicht erlahmen.

Was das konkret bedeutet, liest man im Frauenbericht der Bundesregierung: „Damit wird es zu einem Zeichen für den Reifegrad einer Gesellschaft, welche Rolle einer lebenslang bevormundeten, vom Mann abhängigen Frau zukommt, als deren Lebensaufgabe nach wie vor die Geburt und Aufziehung von Kindern, als deren primärer Wirkungsbereich der Haushalt angesehen wird oder die Rolle einer mündigen … Staatsbürgerin; die Bemühung um ihre faktische Gleichstellung mit dem Mann durch die Aufhebung der traditionellen Arbeitsteilung sind damit wesentlicher Teil der Bemühungen .. “

So hat es die sozialistische Bewegung von Anfang an gesehen. Bei Friedrich Engels liest man etwa: „Die moderne Einzelfamilie ist gegründet auf die offene oder verhüllte Haussklaverei der Frau … Der Mann ist in der Familie der Bourgeois, sie repräsentiert das Proletariat.” Und August Bebel hat folgende Vision: „Die Frau der neuen Gesellschaft ist sozial und ökonomisch vollkommen unabhängig …, sie steht dem Manne als Freie, Gleiche gegenüber, sie ist Herrin ihrer Geschicke.”

Dahinter steckt die Überzeugung, daß Mann und Frau gleich und Unterschiede nur gesellschaftlich bedingt seien. Daß dies nicht zutrifft, zeigt eine umfassende wissenschaftliche Arbeit, an der ich mitgewirkt habe, und über deren Ergebnisse in den kommenden Wochen ausführlich zu berichten sein wird.

Weiters wird unterstellt, daß Mann-Frau-Beziehungen dann am besten glücken, wenn sich die Partner als gleichverteidigungsfähige Personen gegenüberstehen. Also muß man den Schwächeren aufrüste’n.

Auf dieser Basis lassen sich aber keine geglückten Beziehungen aufbauen. Doch gerade darauf käme es an. Denn vieles liegt heute im argen: Immer mehr Ehen scheitern; vielfach tragen die Frauen die objektiv unzumutbaren Folgen solchen Scheiterns. Viele Ehen bestehen nur, weil Frauen alles schlucken. Viele Männer haben als Väter abgedankt (im einschlägigen Mikrozensus ist das mit Daten belegt).

Und dennoch: Der Versuch, diese Probleme von oben her zu lösen, ist falsch. Denn schuld an der Misere ist nicht die Gesellschaft, sondern sind die Gleichgültigkeit, die Bequemlichkeit, der Egoismus und Machthunger der Beteiligten, vielfach eben der Männer, die die kräfteverzehrenden, aufopfernden Bemühungen ihrer Frauen einfach übersehen, geschweige denn anerkennen.

Das ist das eigentlich Zerstörerische an den heutigen Ansätzen: Auf eine richtige Analyse folgt ein falscher Lösungsansatz. Statt danach zu fragen, was geschehen müsse, damit Ehen gelingen, damit die Tätigkeit im Haushalt und die Vorbereitung der Kinder auf ihr Leben Freude machen, geht man den leichteren Weg und erklärt all das zu unerfüllbaren Relikten aus der Vergangenheit.

Typisch dafür ist die jüngst im „Kurier” erschienene Serie „Ist die Frau ohne Ehemann besser dran?”. Da wurde das Leben als weiblicher Single mit Primitivargumenten hochgejubelt. Die Titel der Beiträge kennzeichnen die Argumentation: „Jeder Mann steht ihrer Karriere im Weg”. Also, nicht auf einen spezialisieren: „Der passende Mann für jede Ge legenheit”. Allerdings reicht das nicht, denn „Eine gute Freundin ist besser als der beste Mann”.

Vielfach wird so getan, als sei die Abhängigkeit der Frau vom Mann die Quelle allen Übels, als müsse man nur sie beseitigen, um alles wieder ins rechte Lot zu bringen. Es gibt aber kein menschliches Leben ohne Abhängigkeit.

Statt den Frauen Unabhängigkeit im Berufsleben vorzugaukeln (auch dort nehmen ja Männer auf sie Einfluß), wäre es besser, die Männer auf ihre Abhängigkeit von ihren Partnerinnen aufmerksam zu machen.

Erfüllte Beziehungen bauen auf bejahter Abhängigkeit auf. Das Gelingen solcher Beziehungen sollte man fördern und es unterlassen, sie als unerfüllbare Utopien madig zu machen.

Das bedeutet vor allem, daß man die jungen Menschen viel stärker als bisher auf die Ehe vorbereiten, auf ihre Licht- und Schattenseiten aufmerksam machen sollte.

Es bedeutet aber auch, daß an uns allen, die wir Ehen führen, erfahrbar werden müßte, daß es sich um ein gutes Modell der Lebensgestaltung handelt. (Die Mehrzahl der Jungen strebt es ja an!). Sollten wir Männer uns nicht vor allem fragen, inwieweit unsere eigene Haltung Anlaß zum Ärgernis ist — und uns selbst ändern und andere dazu ermutigen?

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