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Der Welt fremd oder zu angepaßt
Im „Instrumentum Laboris“, dem Vorbereitungspapier der Bischof ssynode, findet man die Sätze: „Das Leben in den modernen Gesellschaften setzt viele Laien einer gewaltigen Spannung zwischen christlichen Werten und den Gegenwerten der Welt aus. Zwei entgegengesetzte Versuchungen ergeben sich daraus: die Flucht vor der Welt hinein in eine weltfremde Religiosität oder Anpassung an die Welt und Verzicht auf die Forderungen des christlichen Glaubens.“
Man hätte die Problematik unserer Zeit nicht treffender aufzeigen können: Die Bischofssynode hat keine leichte Aufgabe vor sich. Was am schwierigsten aber sein wird, ist nicht die Auswahl der Themen und ist nicht die inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen, sondern die klare und eindeutige Formulierung der Ergebnisse. Denn verwaschene Aussagen können nur zu leicht zu Fehlentwicklungen verführen.
Da gilt auch für die Bischöfe das harte Wort des Evangeliums: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt,ifür den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde. Wehe der Welt mit ihrer Verführung! Es muß zwar Verführung geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet.“ (Mt 18,6-8)
Und nichts ist verführerischer als unklare, verwaschene, vielfache Deutungen zulassende Artikulierungen, als bestimmte Erwartungen weckende Andeutungen, als das üble oder feige Vielleicht an Stelle des eindeutigen und hilfreichen Ja oder Nein.
Was sollte die Bischofssynode über die „Berufung und Sendung der Laien in Kirche und Welt 20 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil“ konkret bringen, was möchte man sich erwarten? • Zuerst wäre es erfreulich, wenn auch die Bischofssynode zur Verbreitung des Wissens von der Ubereinstimmung der richtungweisenden Aussagen des II. Vatikanischen Konzils mit den nahezu tagtäglich erhobenen Forderungen des Heiligen Vaters beitragen könnte, um die Evangelisierung der Welt durch das Geschwätz von einem Zurück hinter das II. Vatikanische Konzil nicht Schaden nehmen zu lassen.
• Bei voller Achtung der Verschiedenheit der einzelnen Ortskirchen sollte die Aufteilung zwischen Klerikern und Laien klar sein. Meines Erachtens ist der Wunsch der Teilhabe der Laien am kirchlichen Amt ein Irrweg. Die Wendung nach innen könnte auch bewirken, daß zahlreiche Aufgaben in der Welt nicht besorgt werden können.
• Die Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, wonach dem Prie-stertum des Dienstes nur in außergewöhnlichen Fällen und zusätzlich die Verwaltung und Regelung der zeitlichen Dinge zukommt, sollten nachdrücklich bekräftigt werden.
• In Anerkennung des Umstan-des, daß durch die Taufe jeder Christgläubige zum Mitglied des Volkes Gottes wurde und auch jeder Christgläubige am dreifachen Amt Christi, nämlich am priesterlichen, prophetischen und königlichen teilhat, sollte vielleicht in wiederholender Weise klargestellt werden, daß durch dieses allgemeine Priestertum nicht das Weihepriestertum ersetzt werden kann. Alle, sowohl die Laien, hier sagt es ja schon der Name, der vom Griechischen hergeleitet ist, als auch die Hirten gehören zum Volk Gottes, aber nur die Hirten sind berufen, die Aufgabe der Apostel fortzusetzen.
• Es muß die Aussage des Konzils über die beiden Formen der Tä-( tigkeiten in der Kirche in Erinnerung gebracht werden. Zum ersten das Handeln im inneren Bereich mit den Bischöfen und unter der geistlichen Leitung der Bischöfe und zum anderen das Handeln der Laien mit der eigenen Verantwortlichkeit — aber doch mit den Bischöfen und mit dem Lehramt.
• Die Entwicklung in der Welt ist vielfach so weit gegangen, daß sich viele, die sich als Christgläubige bezeichnen, wie Kunden in einem Selbstbedienungsladen benehmen. Sie glauben, die Wurst kaufen und das Brot stehenlassen zu können. Eine Reihe von Fragen drängt, auch von einer Bischofssynode aufgegriffen und beantwortet zu werden. Zum Beispiel: Ist Buße möglich ohne Reue und den festen Vorsatz, sich zu ändern?
• Der Dienst in der Welt, der vornehmlich jenen im Volk Gottes zukommt, die nicht zum Hirtenamt berufen sind, hat sowohl auf das ewige Heil als auch auf die Bewahrung des Guten und die Veränderung des Bösen gerichtet zu sein. Er soll der säkularisierten Gesellschaft ein christliches Antlitz bescheren beziehungsweise dort, wo es verlorengegangen ist, wiederbringen. All das kann nur geschehen, wenn sich die Laien verstärkt in den Dienst der Verkündigung und des christlichen Zeugnisses stellen, sowohl im privaten Bereich als auch vornehmlich im öffentlichen Leben.
• Die Bischofssynode müßte sich auch mit dem Phänomen, daß sich in dieser heutigen Welt immer stärker eine „Kultur des Abnormalen“ und eine „Kultur des Todes“ breit macht, beschäftigen. Worin manifestiert sich die Berufung derjenigen im Volk Gottes, denen nicht sakramental das Hirtenamt zukommt, in einer Zeit, in der das Recht auf Leben, nicht nur das der Ungeborenen, relativiert und damit des gesellschaftlichen-Schutzes beraubt wird, in einer Zeit, in der Ehe und Familie des Normalcharakters entkleidet werden?
Schließlich könnte man sehr glücklich sein, wenn diese Bischofssynode den Laien ermöglichen würde, jene solide Basis zu erhalten, um auch in unserer säkularisierten Welt christlich leben zu können. Das erfordert ohne Zweifel auch, daß die Hirten Haltungen, die für ein würdiges Leben in dieser Welt Voraussetzung sind, ständig vorleben. Dazu gehört sicherlich auch die Verbundenheit in Liebe und Gehorsam der Nachfolger der Apostel mit dem Nachfolger des Petxus.
Der Autor ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV).
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