Glaubensfrage

Das Abraham-Abkommen

1945 1960 1980 2000 2020

Über die Chancen durch das Friedensabkommen zwischen Israel und den Vereinten Arabischen Emiraten sowie Bahrain.

1945 1960 1980 2000 2020

Über die Chancen durch das Friedensabkommen zwischen Israel und den Vereinten Arabischen Emiraten sowie Bahrain.

Das gerade abgeschlossene Friedensabkommen zwischen Israel auf der einen Seite und den Vereinten Arabischen Emiraten sowie Bahrain auf der anderen Seite, das als das Jahrhundertereignis bezeichnet wird, beschäftigt seit mehreren Wochen die islamische und besonders die arabische Öffentlichkeit.

Man spricht vom Abraham-Abkommen als Anspielung auf den gemeinsamen abrahamitischen Ursprung beider Religionen, des Islam und des Judentums. Die Diskussionen in den dortigen Medien verlaufen äußerst kontrovers. Israel galt seit seiner Gründung im Jahre 1948 als Feind aller islamischen Staaten, da die Okkupation Palästinas zugleich als ein Angriff auf die, nach den beiden Moscheen in Mekka und Medina, als dritte heilig geltende Moschee al-Aqsa in Jerusalem verstanden wurde.

Eine Angelegenheit, welche die ganze islamische Welt betroffen hat. Für manche war es ein religiöser Streit zwischen Muslimen und Juden, für andere ein rein politischer zwischen Palästinensern und dem Zionismus. Als Österreicher mit palästinensischen Eltern gerate ich bei diesem Thema schnell zwischen die Fronten. Meine Eltern, die 1948 als kleine Kinder die gewaltsame Vertreibung der Palästinenser in benachbarte Länder selbst erlebt haben, kennen, wie viele Menschen im Nahen Osten (übrigens auch Christen), nur das eine Narrativ von den bösen Israelis. Viele meiner Gesprächspartner hier in Europa kennen wiederum nur das andere Narrativ von den bösen Palästinensern.

Mir wird immer wieder bewusst, wie wenig beide Gruppen bereit sind, sich mit dem jeweils anderen Narrativ auseinanderzusetzen, vor allem wertneutral, also ohne in den Kategorien Gut und Böse zu denken. Es wurden in den letzten 70 Jahren genug Vorwürfe und Verurteilungen betrieben. Ich denke, jetzt ist es an der Zeit, lösungsorientiert zu handeln.

Was muss getan werden, um endlich Frieden im Nahen Osten zu schaffen? Das junge Friedensabkommen ist sicher ein erster positiver Schritt, der aber noch keine Lösung für die Palästinenser mit sich bringt. Daher müssen weitere Schritte, die den Palästinensern eine Perspektive bieten sollen, folgen.

Der Autor leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster.