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Viele Waffenstillstände, kein Friede

In seiner Programmschrift „Der Judenstaat” (1896) propagierte Theodor Herzl zum ersten Mal den Anspruch auf eine „öffentlichrechtliche Heimstatt” für das jüdische Volk in Palästina. Seilte Idee des Zionismus führte schon bald zu einer Emigrationsbewegung jüdischer Siedler in das „gelobte Land”.

Ein wichtiger Schritt in Richtung eigener Staat wurde die Deklaration des britischen Außenministers Arthur Balfour im Jahre 1917. Darin sprach sich dieser erstmals für einen eigenen jüdischen Staat in Palästina aus. Großbritannien hatte aber auch den Arabern für ihren Kampf gegen das Osmanische Reich ein eigenes Königreich versprochen. Palästina sollte ein Teil dieses Reiches sein. Diese Doppelgleisigkeit der britischen Politik barg bereits den Keim für künftige Auseinandersetzungen in sich.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Palästina britisches Mandat. Stetige Immigration von Juden führte bald zu ersten Auseinandersetzungen mit der ansässigen arabischen Bevölke-rung. Nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland verstärkte sich die jüdische Zuwanderung. Rei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lag der jüdische Revölkerungsanteil Palästinas bei 30 Prozent.

Eine britische Kommission, die die Lage in Palästina untersuchte, hielt die Teilung des Landes für unumgänglich. Um die gespannte Lage im Nahen Osten im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges zu beruhigen, schränkte die britische Regierung den Zuzug von jüdischen Siedlern drastisch ein. Im Gegenzug begannen jüdische Organisationen, illegale Einwanderer ins Land zu schmuggeln. Sie griffen auch zu terroristischen Mitteln, deren Höhepunkt der Rombenanschlag auf das Hauptquartier der britischen Palästinatruppen im King-David-Hotel in Jerusalem war. 91 Menschen fanden dabei den Tod.

Die UNO-Vollversammlung beschloß 1947 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat. Jerusalem, religiöses Zentrum beider Bevölkerungsteile, sollte eine internationale Enklave bilden. Ein Jahr (14. Mai 1948) später wurde der Staat Israel ausgerufen. Tags darauf marschierten Truppen arabischer Länder, die den Staat nicht anerkannt hatten, ein. Israel konnte sich behaupten und sein Staatsgebiet sogar vergrößern, Jerusalem wurde jedoch geteilt.

Als Ägypten im Zuge der Suezkrise 1956 den Suezkanal und den Golf von Eilat sperrte, griff Israel an. Die ägyptischen Stellungen auf der Halbinsel Sinai wurden überrannt, der Seeweg nach Israel erzwungen. Nach einer Intervention der UNO zogen sich die Israelis im Laufe des folgenden Jahres wieder hinter die Grenze zurück. UNO-Truppen überwachten fortan eine Linie vom Gazastreifen über Sinai bis zum Roten Meer. In diesem Gebiet hielt die Waffenruhe bis zum Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges (1967) weitgehend an.

Anschläge der Palästinensischen Refreiungsorganisation PLO, die einen unabhängigen arabischen Staat in den Grenzen des ehemaligen Mandatsgebietes wollte, hatten für ständige Unruhen gesorgt. Auch zwischen Syrien und Israel hatte es schwere Auseinandersetzungen gegeben. Zum Kriegsausbruch kam es 1967: Syrien, Jordanien und Ägypten standen Israel gegenüber. Israel eroberte innerhalb von sechs Tagen den Sinai bis zum Suezkanal, den Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem.

Alle diese Kriege, einschließlich des Jom-Kippur-Krieges sechs Jahre danach, wurden durch Waffenstillstände beendet. Von dauerhaftem Frieden in dieser Region konnte nicht gesprochen werden. Deshalb war es eine Sensation, als Israels Ministerpräsident Menachem Begin und Ägyptens Anwar el Sadat 1979 einen Friedensvertrag im amerikanischen Camp David abschlössen, bis jetzt der einzige zwischen Israel und einem arabischen Staat.

Ende 1987 brach in den israelisch besetzten Gebieten des Westjord-anlandes und des Gazastreifens die Intifada aus, eine Aufstandsbewegung gegen die Besatzer. Das Ende des Kalten Krieges und die Ereignisse des Golfkrieges brachten eine Änderung der Situation im Nahen Osten. Eine Annäherung zwischen den arabischen Staaten, der PLO und Israel konnte in der Madrider Friedenskonfrenz und dem Abkommen von Oslo erzielt werden. Die Teilautonomie einiger palästinensischer Gebiete sollte das friedliche Nebeneinander zwischen Israelis und Palästinensern garantieren. Die jüngsten Ereignisse zeigen, daß dieser Prozeß noch lange andauern wird.

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