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Wahlkampf ohne Stimmung

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Obwohl der WBO-Skan-dal für die burgenländi-sche Volkspartei noch nicht ausgestanden ist, erwarten die Sozialisten keinen durchschlagenden Wahlerfolg. Die ÖVP setzt indes auf die Wahlen 1987 -wenn Kery abgetreten ist.

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Obwohl der WBO-Skan-dal für die burgenländi-sche Volkspartei noch nicht ausgestanden ist, erwarten die Sozialisten keinen durchschlagenden Wahlerfolg. Die ÖVP setzt indes auf die Wahlen 1987 -wenn Kery abgetreten ist.

Illmitz im burgenländischen Seewinkel, Freitag knapp nach 19 Uhr: Die Blasmusikkapelle verkürzt die Zeit bis zum Beginn der Wahlversammlung mit dem Bezirksparteiobmann Hans Halbritter und dem Stargast aus der Bundeshauptstadt, Vizebürgermeister Erhard Busek.

Nicht mehr als sechzig Menschen haben sich auf dem Hauptplatz der 2500 Seelen zählenden Weinbau- und Fremdenverkehrs-

gemeinde eingestellt. Die Politikerreden dauern nicht länger als jeweils zehn Minuten.

Kein Wort wird verloren über jene* Äff äre, die nicht nur das Burgenland seit mehr als einem Jahr beschäftigt: den Korruptionsskandal rund um den ehemaligen VP-Landtagsabgeordneten Ernst Rauchwarter und die VP-domi-nierte Wohnbaugenossenschaft WBO.

Um halb acht wird die Versammlung auch schon wieder geschlossen. Die Wahlkämpfer ziehen weiter, nach Pamhagen, wo die Hauptveranstaltung dieses Abends über die Bühne geht, mit dem Spitzenkandidaten der burgenländischen Volkspartei, Rudolf Grohotolsky.

Wahlkampfauftakt für die Landtagswahlen am 3. Oktober, aber die rechte Wahlkampfstimmung kommt nicht auf, meint der Landesparteisekretär der Bur-genland-Schwarzen, Gerhard Jel-lasitz, der das Debakel seines ehemaligen Chefs, Ex-Landespar-teiobmann Franz Sauerzopf, vorderhand noch einmal überlebt hat.

Aber auch die burgenländi-

sehen Sozialisten, die nun schon seit 18 Jahren den Landeshauptmann stellen, zeigen Angst vor einer Wahlbewegung ohne jede Bewegung. Sie starteten daher den Intensivwahlkampf mit einer Warnung an ihre Funktionäre vor allzu großen Hoffnungen auf einen respektablen Zugewinn — sprich der Erringung eines zusätzlichen Mandates.

Trotz der WBO-Nachwehen in der Volkspartei - so ist der zurückgetretene Parteiobmann Sauerzopf nach Grohotolsky Listenführer im Wahlkreis 2—warnt SP-Landesparteisekretär Karl Stix vor einer Unterschätzung des politischen Gegners. Die SP Burgenland übt sich — was das Wahlergebnis anlangt — im Tiefstapeln: Schon mit einem geringen Stimmenzuwachs, der das zwanzigste Mandat absichern hilft, werde man hoch zufrieden sein.

Tatsächlich zeigt das bisherige Wahlverhalten im östlichsten Bundesland „eine erstaunliche Konsistenz", analysiert der Grundlagenforscher der VP-Bundesparteileitung, Fritz Plas-ser. Auch der Werbeleiter der Bundessozialisten in der Wiener Löwelstraße, Hans Mahr, glaubt, daß „die burgenländischen Freunde das Wählerpotential weitestgehend ausgeschöpft" haben.

Angesichts der Vormachtstellung der beiden großen Parteien im Land verblassen alle anderen Gruppierungen. Die Freiheitliche Partei springt mit ihrem jungen Spitzenkandidaten Wolfgang Pelikan voll auf den „grünen" Zug, hat aber in der Hitze des Gefechtes auf die rechtzeitige Einbringung der Listen vergessen. Die FPO scheint nun auf den Stimmzetteln als Liste 4 hinter den Kom-

munisten auf.

Norbert Burgers NDP schaffte gar nur in einem Wahlkreis den Sprung auf die Liste der wahlwerbenden Gruppen.

Seit 1956, als die Sozialisten im Land auf einen Stimmenanteil von 46 Prozent kamen, legten sie von Wahl zu Wahl zu, erreichten 1964 erstmals die Stimmen- und Mandatsmehrheit mit 48.2 Prozent und bauten ihren Vorsprung auf zuletzt 51,9 Prozent und 20 Landtagssitze aus.

Daneben baute die Volkspartei konsequent und mit schöner Regelmäßigkeit ab: Sie hält heute noch bei einem Stimmenanteil von 45,1 Prozent und 16 Mandaten. Ein Mandatsverlust bei den kommenden Wahlen wird nur für den Fall eines regelrechten Wahldebakels erwartet, ist aber nach allen bisherigen Erfahrungen mit dem burgenländischen Wähler

und nach aktuellen Umfrageergebnissen eher unwahrscheinlich.

Dennoch werden nach einem allgemein als spannungslos erwarteten Wahlabend die Karten im Landhaus am Eisenstädter Freiheitsplatz neu gemischt.

Die neue Landesverfassung sieht eine Aufstockung der Landesregierung auf sieben Mitglieder vor. In Zukunft sitzen dem VP-Landeshauptmann-Stellver-treter und den zwei schwarzen Landesräten ein roter Landeshauptmann und drei SP-Landes-räte gegenüber.

Die schwarze Regierungsmannschaft will unter keinen Umständen einer Änderung der Ressortverteilung zustimmen. Wenn die Volkspartei hart bleibt, dann muß wohl einer der roten Landesräte zugunsten des neuen SP-Landes-rates abspecken.

Uber die Person des neuen Landesrates herrscht nach wie vor Unklarheit. Mehrere Kandidaten und ihr erbitterter, völler Intrigen geführter Kampf um den Sitz in der Landesregierung deuten schon heute auf einen Erbfolgekrieg in der Nach-Kery-Ära. Denn daß Landeshauptmann Theodor Kery nach nun 16jähri-ger Amtszeit seine letzte Regierungsperiode angeht, steht bereits fest.

Auch Rudolf Grohotolsky ist nach eigener Aussage „kein Kandidat für die Landtagswahlen 1987".

Chancen auf einen Wahlerfolg rechnet sich die VP Burgenland erst wieder nach Kery aus - aber auch nur dann, wenn der wohl prominenteste Burgenländer, Vizekanzler Fred Sinowatz, in Wien bleibt und nicht beschließt, seinen politischen Lebensabend als Landeshauptmann des Burgenlandes verbringen zu wollen.

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