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Das Ende der Gemeinsamkeit

FOKUS
Coronademonstranten - © Foto: APA / Florian Wieser

Gemeinwohl - in der Pandemie dringender denn je

1945 1960 1980 2000 2020

„Gemeinwohl“ gilt als abgenutzter Begriff – und droht im Alltag immer mehr zu erodieren. Dabei wäre eine Stärkung dieses Prinzips gerade in Pandemiezeiten nötiger denn je.

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„Gemeinwohl“ gilt als abgenutzter Begriff – und droht im Alltag immer mehr zu erodieren. Dabei wäre eine Stärkung dieses Prinzips gerade in Pandemiezeiten nötiger denn je.

Die gegenwärtige Pandemie kann nur bewältigt werden, wenn es ein gutes Zusammenspiel von individueller Verantwortung und der gesamtgesellschaftlichen Sorge um alle und insbesondere die Schwächsten gibt. Dieses notwendige Miteinander entspricht dem Prinzip des Gemeinwohls, das Individualität und Sozialnatur der Menschen verbindet und zum traditionellen Kern der katholischen Soziallehre zählt. Das Zweite Vatikanische Konzil definierte das Gemeinwohl als „die Gesamtheit jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens, die sowohl den Gruppen als auch deren einzelnen Gliedern ein volleres und leichteres Erreichen der eigenen Vollendung ermöglichen“ (Gaudium et spes Nr. 26). Papst Benedikt nannte es das „Wohl“ des „Wir alle“ (Caritas in veritate Nr. 7).

Die Pandemie zwingt nicht nur zu diesem Zusammenwirken innerhalb eines Staates, sondern zwingt auch zu einem weltweiten gemeinsamen Vorgehen, denn erst wenn der Virus global zurückgedrängt ist, entsteht ein dauerhafter Schutz aller. Zu Recht wird heute das Prinzip des Gemeinwohls als universale Aufgabe verstanden, die das „Wohl aller Menschen“ zum Ziel hat (Kompendium der Soziallehre der Kirche Nr. 165). Sowohl weltweit als auch in Österreich mangelt es aber an gelebtem Gemeinwohl. Am Beginn der Pandemie dominierte ein Impfnationalismus, indem der finanzstarke Norden den globalen Süden seinem Schicksal überließ. Verzweifelt forderte UN-Generalsekretär António Guterres Anfang 2021 gegen diesen selbstzerstörerischen nationalen Impfegoismus eine Haltung des universalen Gemeinwohls ein: „Kein Land wird sicher vor Covid-19 sein, wenn nicht alle Länder sicher sind.“ Direkt betonte das Gemeinwohl auch die „Päpstliche Akademie für das Leben“ in der Stellungnahme „Globale Pandemie und universale Geschwisterlichkeit“.

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