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"Weltbild für den blauen Planeten": Fundamente des Wandels

1945 1960 1980 2000 2020

Können verschiedene Wahrheiten koexistieren, solange die Gemeinschaft sie trägt? Ein Essayband über „Weltsichten“ sucht neue Blickwinkel auf die Wirklichkeit. Ausgewählte Einblicke.

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Können verschiedene Wahrheiten koexistieren, solange die Gemeinschaft sie trägt? Ein Essayband über „Weltsichten“ sucht neue Blickwinkel auf die Wirklichkeit. Ausgewählte Einblicke.

Die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, sich ein Bild von ihr zu machen, das von diversen Aspekten untermauert wurde – so beschreibt Herausgeber Andreas Sternowski die Grundidee des Sammelbandes „Weltbild für den blauen Planeten“.

Er animierte Autorinnen und Autoren, die den verschiedenartigsten Strömungen zugeordnet werden, sich gemeinsam „auf die Suche nach einem neuen Verständnis unserer Welt“ zu begeben. Zwölf Essayisten (vom Philosophen über die Erziehungswissenschafterin bis hin zum Weihbischof) regen den Leser, die Leserin zum Nach- und vor allem Weiterdenken an. Über die Welt, die aktuelle Pandemie, die Klimakrise und die Zukunft, die es in der Gemeinschaft zu meistern gilt.

Sinnhaftes Dasein

Herauszuheben ist etwa der Text des Astrophysikers Thomas Bruhn, der sich mit den (natur)wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Wirklichkeit auseinandersetzt und zu dem Schluss kommt, dass die Ursehnsucht des Menschen – sein Dasein als sinnhaft begreifen zu wollen – bei der Präsentation der Ergebnisse immer mitgedacht werden muss. Heißt: Ein Bild über die Welt kann idealerweise nicht abseits der Individuen, die in ihr leben, konstruiert werden. Andernfalls wird es Widerstände auslösen. Eine Feststellung, die aktueller nicht sein könnte. Wenn die Coronakrise eines gezeigt hat, dann das, dass Evidenz und Lebenswirklichkeiten auseinanderklaffen können und es Sinn macht, nach einer integrativen Lösung zu suchen.

„Je nachdem, woher ich meine Informationen beziehe, erhalte ich sehr unterschiedliche Bilder über die Wirklichkeit.“ So wirft Bruhn die Frage auf, die einer These gleicht: „Ist es nicht möglich, dass einfach über beide Phänomene – das Zusammenwachsen und die Spaltung – insgesamt mehr berichtet wird und einfach beide gleichzeitig voranschreiten?“ Er fordert, in Betracht zu ziehen, verschiedene Wahrheiten zeitgleich und nebeneinander existieren zu lassen und dies nicht als Widerspruch zu begreifen. Als konkretes Beispiel nennt der ein Unternehmen, das auf die persönliche Potenzialentfaltung seiner Mitarbeiter setzt und dabei Gewinn macht. Oder dass junge Menschen in der Großstadt innerhalb der Anonymität gemeinschaftliche Lebenskonzepte kreieren. Laut Bruhn gilt es, sich damit auseinanderzusetzen, dass Stabilität zur Disposition steht.

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