Klimaspaltung - © Foto: Getty Images / Ricardo Rubio / Europa Press
International

Die große Spaltung

1945 1960 1980 2000 2020

Während Greta ­Thunberg eine globale Bewegung um sich schart, organisieren sich auf der anderen Seite des Spektrums die Klimawandel­leugner. Wer sind sie? Und was treibt sie an? Eine Erkundung.

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Während Greta ­Thunberg eine globale Bewegung um sich schart, organisieren sich auf der anderen Seite des Spektrums die Klimawandel­leugner. Wer sind sie? Und was treibt sie an? Eine Erkundung.

Viel ist von Lüge die Rede. Viel von den Freiheiten anderer. Und noch mehr davon, dass „diese Anderen“ einem ihren Willen aufzwängten. Viel ist die Rede von Fremdbestimmtheit, der man sich entziehen müsse; von Kommunismus, von faschistoi­dem Denken jener da oben. Und die Methoden, mit denen „die da oben“ „uns da unten“ knebeln und knechten, die sind mannigfaltig: Angst müssten wir haben, das sei klar. Und ruhig gestellt müssten wir werden – das sei auch klar.

Die Welt jener Menschen, die den Klimawandel als Erfindung geheimer Zirkel sehen und nicht als ökologische Tatsache, ist sehr oft eine, in der Fakten eine eher untergeordnete Rolle spielen. Es ist aber vor allem eine Szene, die sich zunehmend organisiert und deren Ansichten es bisweilen in die erste Reihe der Politik schaffen: Vor dem Bundestag leugneten AfD-Funktionäre wiederholt den von Menschen gemachten Klimawandel. In Österreich übernahm diese Rolle vor allem die FPÖ. Zuletzt sprach FPÖ-Chef Norbert Hofer etwa mit Blick auf Greta Thunberg von einer „Zöpferldiktatur“ – und erntete in einschlägigen Echokammern viel Lob dafür.

Ein „armes Mädel“

Wenn Edgar Gärtner auf Greta Thunberg zu sprechen kommt, nennt er sie „ein armes Mädel“, das von der Politik und von ihren Eltern missbraucht werde. Gärtner ist Buchautor, Vortragender in einschlägigen Kreisen und sitzt im Fachbeirat der Klimaskeptiker-Organisation EIKE. Bald sagt er, Debatten über den Klimawandel würden von „ganz oben“, von der „Großfinanz“ abgeblockt, ein unterbewusst suizidärer Trieb treibe die Menschen auf die Straße und Europa würde demnächst zur Kolonie Chinas werden.

EIKE ist als gemeinnütziger Verein eingetragen und muss daher keine Finanzen offenlegen. Der Verein sieht sich als Plattform für Menschen, die die Behauptung eines menschengemachten Klimawandels ablehnen. Auf der Homepage des Verbandes ist von „Schwindel gegenüber der Bevölkerung“ die Rede. Jegliche „Klimapolitik“ wird folglich abgelehnt, da sie der Bevormundung von Wirtschaft und Bevölkerung diene und das „Volk“ durch Abgaben belaste.

Edgar Gärtner spricht ruhig und gelassen, wenn er über Netzwerke in Großfinanz, Politik und Industrie ausschweift. Kein Schaum vor dem Mund, keine Häme. Er antwortet klar, legt seine Sicht der Dinge dar. Und die lautet: Eine Klimadebatte gebe es nicht – weil keine Debatten über das Thema zugelassen würden. Den Weltklimarat IPCC sieht Gärtner als Instrument der „Gleichschaltung“, in das Personen von Regierungen entsandt würden und in dem Lobbygruppen die Richtung vorgäben. Er spricht abschätzig von Kommunismus.

Edgar Gärtner leugnet nicht, dass sich das Klima verändert, er freut sich darüber: „Weil die Heizrechnung niedriger ist.“ Woran er zweifelt, ist, wer dafür verantwortlich ist. Und was ihm missfällt, ist, was seiner Ansicht nach hinter der Klimapolitik steckt: Eine Lobby-Politik, durch die die deutsche Autoindustrie und damit Arbeitsplätze vernichtet würden.

Es ist in einschlägigen Foren ein argumentativer Katzensprung von der „Klientel-Klima-Politik“ über die „Öko-Mafia“, die uns ausnehmen würde wie Weihnachtsgänse, zur Großfinanz. Und von dort ist es wiederum nicht weit zu Theorien mit antisemitischem, antidemokratischem Unterton. Und die Medien? Die seien es ja schließlich, die gezielt Fakten unterschlagen würden, die gezielt nur einen Teil der Wahrheit berichteten.