Kickl - © Foto: APA / Roland Schlager

Herbert Kickl: Der Eskalations-Dramaturg

1945 1960 1980 2000 2020

Herbert Kickl hat die FPÖ geprägt wie kaum jemand sonst. Wie ist seine Rhetorik einzuordnen? Wie seine Strategie? Und was bedeutet das für künftige Regierungen? Ruth Wodak, Lothar Höbelt und Friedhelm Frischenschlager über ein Phänomen.

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Herbert Kickl hat die FPÖ geprägt wie kaum jemand sonst. Wie ist seine Rhetorik einzuordnen? Wie seine Strategie? Und was bedeutet das für künftige Regierungen? Ruth Wodak, Lothar Höbelt und Friedhelm Frischenschlager über ein Phänomen.

Herbert Kickl hat Gefallen gefunden an der Bühne. Lange hatte er hinter ihr agiert, jetzt aber hat er sie in Beschlag genommen. Am Montag wählte ihn das Parteipräsidium der FPÖ einstimmig zum Parteichef. Das letzte Wort haben zwar die Delegierten am Parteitag. Aber das ist eigentlich nicht mehr als als ein Stimmungs-Barometer für den Neuen an der Spitze. Und der gab sich auch am Montag gleich in altbekannter Manier: Gerührt sei er über den Zuspruch – um sich dann aber gleich auf sein Ziel einzukalibrieren: Die türkise ÖVP sei das „größte politische Blendwerk der Zweiten Republik“. Das klingt nach Erwartbarem. Nach dem, was Kickl schon als Clubchef tat. Nun tut er es im Alleingang – ohne Paarlauf mit einem Parteichef.

Kickl, das ist einer, der verbal aus dem Vollen schöpft: Wenn er auf Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen donnert, wenn er im Nationalrat Rundumschläge austeilt, wenn er in Interviews wutschnaubend rhetorische Doppelsaltos hinlegt. Spielerisch wirkt es, wenn er da im Parlament etwa über den „Corona-Wahnsinn“ herzieht und zum „Widerstand“ gegen „autoritäre Geistes-Durchseuchung“ aufruft.

Strategische Sackgasse

„Er gibt nicht normales Wischi-Waschi von sich – das spricht für ihn“, sagt der FPÖ-nahe Historiker Lothar Höbelt. Nur, so sagt er auch: „Das macht noch keinen guten Politiker aus.“ Und aktuell habe Kickl die FPÖ in eine strategische Sackgasse manövriert. Damit meint Höbelt vor allem die Omnipräsenz Kickls auf Corona-Demos, wo sich dieser in die Pose des Rebellen wirft und den Bruch mit der ÖVP vollzogen hat. Nur: „Die Leute, die sich da jetzt engagieren, die haben mit dem Clientel der FPÖ nichts zu tun.“ Bestenfalls einen Teil der Corona-Demonstranten werde die FPÖ auch tatsächlich mitreißen können. Um eine Regierung mit linker Beteiligung zu verhindern, brauche es aber die ÖVP. „Er ist klug“, so Höbelt über den neuen FPÖ-Chef, „aber wenn er ein bisschen klüger wäre, dann würde er das auch einsehen.“

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