Foto: Erbe Kultur - © Foto: APA / Helmut Fohringer
Religion

In kollektiven Erbschaften

1945 1960 1980 2000 2020

„ERBSCHAFTEN: Kultur Natur Identität“ lautet das Thema des diesjährigen Symposions Dürnstein, das vom 5. bis 7. März in der Wachaustadt stattfindet. Global gilt, dass vielerlei Erbe in Gefahr ist.

1945 1960 1980 2000 2020

„ERBSCHAFTEN: Kultur Natur Identität“ lautet das Thema des diesjährigen Symposions Dürnstein, das vom 5. bis 7. März in der Wachaustadt stattfindet. Global gilt, dass vielerlei Erbe in Gefahr ist.

Entrümpeln ist angesagt: Aufräumcoaches helfen, um das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und vollgeräumte Wohnungen leicht und übersichtlich zu machen. Wer jemals eine Wohnung nach einem Todesfall räumen musste, kennt das Gefühl von Überforderung, das sich einstellt angesichts der Fülle von Dingen einer fremden Alltagskultur. Was gehört zum unverzichtbaren Erbe? Was ist belastend? Was überflüssig? Aufräumcoaches raten, nur zu behalten, was ein gutes Gefühl macht. Anlageberater weisen auf den Geldwert der Dinge. Und dann gibt es noch ideelle Werte – Pietät oder Rücksicht auf die Familie, die das Erben leiten. Gefühle, Geld, Beziehungen, Wertvorstellungen – in diesem Viereck bewegen sich Erbe und Tradition. Kollektive Erbschaften jedoch betreffen viel mehr als nur Gegenstände – es geht um Bauten, Landschaften, aber auch um Kochrezepte, Gesellschaftsordnungen, Weltbilder und Zukunftsvorstellungen, mit anderen Worten um Kultur, Natur und Identität. Menschen können nicht anders, als Kultur zu schaffen.

Kleine Frauenstatuetten, gefunden nicht einmal 20 Kilometer vom Stift Dürnstein entfernt – in Stratzing und Willendorf – und um die 35.000 Jahre alt, gehören zu den ältesten Belegen für die künstlerische Gestaltungskraft von Menschen. Aus einem Knochen ist die 50.000 Jahre alte Flöte gemacht, die man in Divje Baba in Slowenien gefunden hat. Diese Artefakte verweisen auf einen Lebensstil, in dem die Sicherung des eigenen Lebens – Essen! – und die Sicherung der Gruppe – Nachwuchs! – sich verbinden mit dem, was wir heute Kultur und Kunst nennen. Schuhe, Töpfe, Körbe, Häuser, Gräber – all das ist Kultur, die selbstverständliche Selbstgestaltung der Menschen und Gestaltung der Umgebung. Kultur gehört zur Natur des Menschen. Oder anders gesagt, Menschen haben von Natur aus Kultur.