Israel & Corona - © Foto: Getty Images/ Bloomberg / Kobi Wolf
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Israel & Corona: Geheimnis des Erfolgs

1945 1960 1980 2000 2020

Ob Krieg, Erdbeben oder Tsunami: Israel hat vorgesorgt. Das gilt auch für die aktuelle Krise. Der Arzt Yehuda Shoenfeld über die führende Rolle seines Landes bei der Corona-Impfung.

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Ob Krieg, Erdbeben oder Tsunami: Israel hat vorgesorgt. Das gilt auch für die aktuelle Krise. Der Arzt Yehuda Shoenfeld über die führende Rolle seines Landes bei der Corona-Impfung.

Für Krisenzeiten ist Israel gut aufgestellt. „Unser Land funktioniert auch im Desaster“, sagt Yehuda Shoenfeld trocken. „Wir haben Kriege erlebt, die von einem Moment auf den anderen hereingebrochen sind. Im Militär wurden auch spezielle Einheiten geschaffen, um auf Naturkatastrophen vorbereitet zu sein. Israel baut auf die Unterstützung der Armee, und die ist perfekt organisiert. Das zeigt sich auch jetzt in der Coronakrise.“ Die FURCHE hat den Immunologen vom Sheba Medical Center der Universität in Tel-Aviv zum Video-Interview gebeten. Denn Israel gilt weltweit als Vorreiter bei der Corona-Impfung.

Hunderte Impfstationen

Als erster Israeli hat sich Benjamin Netanjahu bereits am 19. Dezember vor laufenden Kameras impfen lassen. Der Ministerpräsident, der sich im März der Wiederwahl stellen muss, hat die flächendeckende Corona-Impfung zum Prestige­projekt seiner Regierung gemacht. Bis Ende März sollen alle Impfwilligen ab 16 Jahren immunisiert sein. Und tatsächlich ist die israelische Impfkampagne gut angelaufen: Binnen eines Monats wurde fast die Hälfte aller Erwachsenen geimpft, berichtet Shoenfeld. In absoluten Zahlen: Von 9,6 Millionen Einwohnern wurden bereits mehr als drei Millionen geimpft. „Bei den Über-50-Jährigen sind sogar schon mehr als 80 Prozent geschützt. Ebenso wie alle, die im Gesundheitswesen, im Militär und im Sozialbereich tätig sind.“ Impfraten also, von denen man hierzulande nur träumen kann (rund 2,1 Prozent der österreichischen Bevölkerung haben laut E-Impfpass eine erste Dosis erhalten; Stand 3.2.). Worin liegt das israelische Erfolgsgeheimnis?

Israel hat sich frühzeitig ausreichend Corona-Impfstoffe gesichert, vor allem von Pfizer/Biontech, aber auch von anderen Anbietern wie etwa der Firma ­Moderna. Der Pfizer-Impfstoff wurde zunächst in einem Zentrum der israelischen Pharmafirma Teva gelagert, das für die speziellen Herausforderungen (Kühlung bei minus 80 Grad) gut gerüstet war. Die Armee half bei der Verteilung, die sowohl über die Krankenhäuser als auch dezentral über hunderte Impfstationen in Städten und Dörfern abgewickelt wurde – oft rund um die Uhr. „Die Gesundheitsversorgung muss jeden Bürger auf der Straße erreichen“, betont Shoenfeld. In der Pandemie habe sich das System der verpflichtenden Krankenversicherung bei der raschen Versorgung der Bevölkerung bewährt. „So gesehen ist Israel ein Symbol des Erfolgs, die USA ein Symbol des Versagens.“