Weltglückstag: Gefühle, aber echt!

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Warum uns existenzielle Redlichkeit sehr glücklich machen könnte.

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Warum uns existenzielle Redlichkeit sehr glücklich machen könnte.

Er wirkt zunehmend wie ein Wink mit dem Zaunpfahl: Seit zehn Jahren wird der Internationale Tag des Glücks am 20. März gefeiert. Damit wollen die Vereinten Nationen ihre Anerkennung gegenüber Staaten ausdrücken, die Wohlstand auf eine Art messen, die über die materielle Dimension hinausgeht. Zumal sich Glück im Gegensatz zu materiellen Gütern vermehrt, wenn man es teilt. Ein spannender Befund jüngerer Studien ist die Tatsache, dass solche Gefühle oft im Netzwerk auftreten, wonach „das Glück, das wir für andere gleichsam einspeisen, direkt oder auch auf nicht mehr nachvollziehbaren Umwegen zu uns zurückkommt“, wie der Sozialmediziner Michael Kunze im Buch „Der Glückskompass“ (2021) berichtet.

Der Weltglückstag soll demnach für Programme genutzt werden, die zu einem höheren Grad an Verbundenheit führen. Angesichts der Klimakrise, die nolens volens eine gesellschaftliche Umorientierung erforderlich macht, klingt das aktueller denn je. Ein wohlklingender Begriff wie „Zeitwohlstand“ bringt diese neue Orientierung gut auf den Punkt.

Existenzielle Redlichkeit

Yuval Noah Harari zeichnet eine andere, individualistische Version vom Glück: Den biochemischen Schlüssel zum höchsten Gefühl zu finden, hält der israelische Historiker für eines der großen Projekte des technologisch optimierten Menschen. Wenn die Natur uns bislang nur flüchtige Glücksmomente schenkt, könne man vielleicht bald mit treffsicheren Medikamenten nachhelfen. Aber abgesehen davon, dass Harari die Psychopharmakologie maßlos überschätzt – wäre das prinzipiell ein plausibler Weg? In seinem Buch „Anarchie, Staat und Utopia“ (1974) hat der Philosoph Robert Nozick folgendes Gedankenexperiment vorgeschlagen: Man hat die Möglichkeit, sich an eine „Erlebnismaschine“ anzuschließen, die einen Zustand andauernden Glücks generiert. Würden Sie dies tun?

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