Sechs Wochen - und was bleibt

1945 1960 1980 2000 2020

Eine erste Zwischenbilanz des Corona-Ausnahmezustandes.

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Eine erste Zwischenbilanz des Corona-Ausnahmezustandes.

Es war am 11. März, als die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angesichts der globalen Corona-Infektio­nen die „Pandemie“ (altgriechisch für „das ganze Volk“) ausgerufen hat. Nur wenige Stunden später meldete sich die deutsche Pfarrerstochter Angela Merkel: „Unsere ­Solidarität, unsere Vernunft und unser Herz sind auf eine Probe gestellt. Mein Wunsch ist, dass wir diese Probe bestehen.“

Seither sind sechs dramatische Wochen vergangen. Was davon geblieben ist: vor allem Zahlen, Bilder und Gefühle.

Die Zahlen: seit Jahresbeginn 2,5 Millionen bestätigte Covid-19-Fälle weltweit – und 170.000 Tote. Europa voran, knapp gefolgt von den USA.

Die Bilder: eine erschöpfte italienische Ärztin, die über ihrem Laptop eingeschlafen ist. Die riesigen amerikanischen Tiefkühl-Lkws als Not-Leichenhallen. Und der römische Papst, segenspendend auf dem menschenleeren, regennassen Petersplatz.

Die Gefühle: für mich die Trauer, seit das Virus „Gesichter“ bekommen hat – das von Kollegen, Freunden. Und die Ratlosigkeit, wie es denn weitergeht: Wird das ersehnte Ende der Kontaktsperre zugleich der Beginn einer neuer Infektionswelle sein, die so lange andauert, bis eine Wundermedizin gefunden ist oder das Virus per Mutation seine Gefährlichkeit verloren hat?

Stillgestandenes Weltgeschehen

Ja, und wieder einmal haben wir zuletzt erlebt, wie relativ das Gewicht jeder Nachricht ist. Ist doch alles Weltgeschehen jenseits von Corona praktisch stillgestanden – oder recht unbemerkt geblieben. Im Blick über die Grenzen hat vor allem der Vergleich gezählt: Wie viel gesundheitspolitischen Gleichklang, wie viel Widerspruch hat unser Blick entdeckt – in Euro­pa und anderswo? Welche Regierungen haben es am Ende besser gemacht als wir – und welche schlechter? Der erste aller „Bösewichte“ war bald gefunden: Donald Trump, der auch angesichts der Pandemie mit dem Schicksal seiner Bürger und Bürgerinnen ein wahltaktisches russisches Roulette spielt – arrogant, indolent, ohne jedes Mitgefühl.

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