#Corona

Corona

PK kurz kogler - © APA / Georg Hochmuth
Medien

Corona und Medien: Shut up nach Shut down

1945 1960 1980 2000 2020

Wehe jenen, die nicht spuren: Die Corona-Pandemie trifft auch die Medien in Österreich hart. Aber nicht die großen Unternehmen sind am meisten gefährdet. Ein Gastkommentar.

1945 1960 1980 2000 2020

Wehe jenen, die nicht spuren: Die Corona-Pandemie trifft auch die Medien in Österreich hart. Aber nicht die großen Unternehmen sind am meisten gefährdet. Ein Gastkommentar.

Noch wissen wir nicht, welche und wie viele Medien infolge der Corona-Pandemie hier bei uns in Österreich im Begriff sind, sich zu verabschieden. Nein, nicht die großen Medienunternehmen wird es treffen, allenfalls die kleineren, die bisher quasi als bunte – nicht braune – Farbtupfer in der politisch recht einheitlichen Medienlandschaft fungieren.

Auch die sogenannten großen Medienhäuser hatten zu kämpfen. Printmedien wurden schmäler, dies infolge eines abrupten Inseratenschwundes. Selbst zuvor treue Inserenten begannen spürbar zu sparen, dementsprechend mussten auch die betroffenen Medien den Gürtel enger schnallen. Kurzarbeit war angesagt. Und Homeoffice. Von heute auf morgen dominierte in Sachen Informationsvermittlung ein hartes Slim-Fit-Training. Bei den Printmedien wurden Seiten eingespart, Kommentare und breite Informationen knapp gehalten. Je länger die Krise dauerte, um so prekärer wurde die Situation auch für freischaffende Journalist(inn)en. Ja, auch im medialen Bereich wurde die Coronakrise vielfach zu einer Existenzfrage für Arbeitgeber(innen) und für Arbeitnehmer(innen).

ORF wie ein Staatssender

„Wir schaffen das“, diese Worte gerieten während der Coronakrise zum Abschiedssager mancher Moderationsteams der „Zeit im Bild 1“. Der öffentlich-rechtliche ORF war, so schien es, zu einem Staatssender mutiert: Sämtliche Verlautbarungen der Regierung wurden in der „heißen“ Corona-Krisenzeit fast bis zum Überdruss der Seher live übertragen. Vornehmlich die männliche Viererformation – Kanzler, Vizekanzler, Gesundheitsminister, Innenminister – trat vor die Kameras, um die neuesten Hiobsbotschaften zu verkünden und die jeweils jüngsten Ge- bzw. Verbote mitzuteilen. So oft und manchmal derart widersprüchlich, dass sämtliche Klarheiten beseitigt waren.

Bei den Live-Übertragungen des ORF aus dem Bundeskanzleramt wurden die Statements der Regierungsmitglieder ordnungsgemäß eins zu eins übertragen. Abgedreht wurden die Schaltungen jedoch bei den ­anschließenden Nachfragen anderer zugeschalteten Journalist(inn)en. Zensur aufgrund beschränkter Sendezeit? Bisweilen wirkten diese Informations-Showdowns wie Szenen im Rahmen einer strategisch vorbereiteten Inszenierung. Nebstbei bemerkt: Der ORF ist kein Staatseigentum, sondern als öffentlich-rechtliche Sendeanstalt Eigentum der österreichischen Gesellschaft.

Als die Corona-Pandemie Österreich erreichte und die Regierung entsprechende Maßnahmen traf, gruben sich in die Herzen der Menschen Ängste ein, begannen, diese zu beherrschen: Angst vor einer Covid-19-Erkrankung, Angst vor existenziellen Gefährdungen, Zukunftsangst.

Schmerzhaft war, als sich dann herausstellte, dass regierungsintern das Schüren von Ängsten bewusst als einschüchterndes Druckmittel eingesetzt worden war. Angst kann sprachlos machen und allfällige ­Widerrede im Keim ersticken. Von welchen Regierungssystemen hat sich hier unsere derzeitige Regierung inspirieren lassen?

Auch die offiziell mit der Krise argumentierten Verletzungen von Grundrechten wurden von den Medien zunächst nur peripher behandelt. Kein Wunder. Dem Shutdown folgte ein unausgesprochenes Shut up: Mund halten und willfährig sein. Dies im Sinne eines mancherorts so empfundenen Fingerzeiges: „Wehe jenen, die nicht spuren.“ Das gilt besonders für die Medien.

Normalerweise sind Regierungen bemüht, Erfolgsmeldungen als Aufmacher-News zumindest in den nationalen Medien zu positionieren. Dies ist Teil des politischen Alltags, zugleich auch Teil einer professionellen Vermarktung durch PR-Abteilungen. Ein Beispiel: die Erklärung, dass im Zuge der Coronakrise eine Sonderförderung für Medien verlässlich eingeplant gewesen sei. Tiefes Aufatmen in mancher Redaktion.