Nußbaumers Welt

Wir und das „Pulverfass Golf“

1945 1960 1980 2000 2020

Über den Konflikt am Persischen Golf und seine Gefahren

1945 1960 1980 2000 2020

Über den Konflikt am Persischen Golf und seine Gefahren

Es war eine der großen Reisen meines Lebens: 23 Flüge, Tausende Kilometer mit Bussen, Mietautos und Luxuslimousinen. Dazwischen Begegnungen mit dem Schah von Persien, mit Emiren und Prinzen, Ölarbeitern, Beduinen und Perlfischern. Unglaubliche 48 Jahre sind seither vergangen. Geblieben ist vor allem vergilbtes Papier: die 19 Zeitungsseiten meiner Kurier­-Serie „Pulverfass Golf – Großmächte ringen um Macht und Erdöl“. Zur Erinnerung: Ende 1971 hatten sich die Briten, jahrhundertelang die Kolonialherren am Golf, von allen Stützpunkten „östlich von Suez“ zurückgezogen – und dabei gerade im Welt­-Erdölzentrum ein riskantes Vakuum hinterlassen.

Es zu füllen, war der Traum vieler: des damals noch regierenden Schahs von Persien. Der marxistischen Revolutionäre in Arabien samt ihren Schutzherren in Moskau und Peking. Und der großen und kleinen Ölfürsten am Golf – meist im Bündnis mit dem ölhungrigen Amerika. Klar war schon damals: Eine wesentliche Entscheidung über die wirtschaftliche Zukunft der westlichen Industriestaaten – auch Europas – würde im Ölzentrum am Golf fallen. Seither gibt es keine andere Konfliktregion, deren Schicksal ich mit ähnlichem Interesse verfolge. Viel ist seit 1971 geschehen: Machthaber kamen – und stürzten; Freund­ und Feindschaften wechselten; Allianzen entstanden; Kriege (Irak, Iran, Kuwait, Jemen …) haben Hunderttausende Menschenleben gekostet. Was blieb, war – neben dem Geldsegen des „schwarzen Goldes“ – ein Geflecht von Interessen: das Ringen um Öl. Der Überlebenskampf lokaler Diktaturen. Das Fieber innerislamischer Glaubenskonflikte …

Glosende Zündschnur

Nie aber waren wir einem Krieg von unabsehbarer Dimension so nahe wie zuletzt. US­Bomber waren schon unterwegs und Kriegsschiffe vor Ort, als „der beste Präsident seit George Washington“ (© Donald Trump) seinen Angriffsbefehl wieder zurückgenommen hat. Unklar ist, was uns diesen Gewaltausbruch letztlich erspart hat: das Risiko einer unkalkulierbaren Eskalation? Die Sorge um Trumps Wiederwahl? Die Gefahr, das iranische Volk in eine Zwangssolidarisierung mit ihrem ungeliebten Mullah­Regime zu treiben?

Aber die Zündschnur glost weiter – angeheizt zuletzt durch Angriffe auf Öltanker, den Abschuss einer Spionage­Drohne, die US­Cyberattacken, die angedrohte Uran­Anreicherung des Iran. Dazu Donald Trumps Drohung, den Feind „auszulöschen“ und Teherans Befund, der US­Präsident sei „geistig zurückgeblieben“. Was kommt da noch? Wer glaubt, wir Europäer seien nur Zuschauer, der irrt gewaltig. Auf höchst gefährliche Weise sind wir durch den gescheiterten Atomvertrag und die USSanktionen zu Geiseln amerikanischer und persischer Konfliktstrategie geworden, hilflos passiv. Denn das Welt­Erdölzentrum ist auch unsere wirtschaftliche Hauptschlagader – und zugleich ein bestürzender Schauplatz unserer diplomatischen Ohnmacht.

Es war eine der großen Reisen meines Lebens: 23 Flüge, Tausende Kilometer mit Bussen, Mietautos und Luxuslimousinen. Dazwischen Begegnungen mit dem Schah von Persien, mit Emiren und Prinzen, Ölarbeitern, Beduinen und Perlfischern. Unglaubliche 48 Jahre sind seither vergangen. Geblieben ist vor allem vergilbtes Papier: die 19 Zeitungsseiten meiner Kurier­-Serie „Pulverfass Golf – Großmächte ringen um Macht und Erdöl“. Zur Erinnerung: Ende 1971 hatten sich die Briten, jahrhundertelang die Kolonialherren am Golf, von allen Stützpunkten „östlich von Suez“ zurückgezogen – und dabei gerade im Welt­-Erdölzentrum ein riskantes Vakuum hinterlassen.

Es zu füllen, war der Traum vieler: des damals noch regierenden Schahs von Persien. Der marxistischen Revolutionäre in Arabien samt ihren Schutzherren in Moskau und Peking. Und der großen und kleinen Ölfürsten am Golf – meist im Bündnis mit dem ölhungrigen Amerika. Klar war schon damals: Eine wesentliche Entscheidung über die wirtschaftliche Zukunft der westlichen Industriestaaten – auch Europas – würde im Ölzentrum am Golf fallen. Seither gibt es keine andere Konfliktregion, deren Schicksal ich mit ähnlichem Interesse verfolge. Viel ist seit 1971 geschehen: Machthaber kamen – und stürzten; Freund­ und Feindschaften wechselten; Allianzen entstanden; Kriege (Irak, Iran, Kuwait, Jemen …) haben Hunderttausende Menschenleben gekostet. Was blieb, war – neben dem Geldsegen des „schwarzen Goldes“ – ein Geflecht von Interessen: das Ringen um Öl. Der Überlebenskampf lokaler Diktaturen. Das Fieber innerislamischer Glaubenskonflikte …

Glosende Zündschnur

Nie aber waren wir einem Krieg von unabsehbarer Dimension so nahe wie zuletzt. US­Bomber waren schon unterwegs und Kriegsschiffe vor Ort, als „der beste Präsident seit George Washington“ (© Donald Trump) seinen Angriffsbefehl wieder zurückgenommen hat. Unklar ist, was uns diesen Gewaltausbruch letztlich erspart hat: das Risiko einer unkalkulierbaren Eskalation? Die Sorge um Trumps Wiederwahl? Die Gefahr, das iranische Volk in eine Zwangssolidarisierung mit ihrem ungeliebten Mullah­Regime zu treiben?

Aber die Zündschnur glost weiter – angeheizt zuletzt durch Angriffe auf Öltanker, den Abschuss einer Spionage­Drohne, die US­Cyberattacken, die angedrohte Uran­Anreicherung des Iran. Dazu Donald Trumps Drohung, den Feind „auszulöschen“ und Teherans Befund, der US­Präsident sei „geistig zurückgeblieben“. Was kommt da noch? Wer glaubt, wir Europäer seien nur Zuschauer, der irrt gewaltig. Auf höchst gefährliche Weise sind wir durch den gescheiterten Atomvertrag und die USSanktionen zu Geiseln amerikanischer und persischer Konfliktstrategie geworden, hilflos passiv. Denn das Welt­Erdölzentrum ist auch unsere wirtschaftliche Hauptschlagader – und zugleich ein bestürzender Schauplatz unserer diplomatischen Ohnmacht.