Des Essens Reise ins Regal

Die "Nachhaltigen Wochen" sollen den Österreichern bewusstes Einkaufen nahe bringen.

Bei den Zahlen könnte einem beinahe das Essen im Hals stecken bleiben: Das Umweltservice Salzburg hat ausgerechnet, dass ein klassisches Sonntagsfrühstück mit Käse, Eiern, Schinken und Orangensaft 5.180 lkw-Kilometer hinter sich hat, bevor es auf den Tellern landet. Und gönnt man sich auch noch eine Neuseeland-Kiwi, kommen noch einmal 20.000 Schiffs- und mehr als 1.200 lkw-Kilometer dazu. Wobei statt eines Kilos Neuseeland-Kiwis mit beinahe demselben Energieaufwand 6.800 Kilo Obst aus einem Umkreis von hundert Kilometern bezogen werden könnten.

Bewusstsein schaffen

Noch bis 15. Oktober soll eine österreichweite Aktion auf diese Zahlen aufmerksam machen und die Konsumenten zu bewussterem Einkaufen bewegen: Bereits zum zweiten Mal laufen daher die Nachhaltigen Wochen. Lebens- und Wirtschaftsministerium wollen gemeinsam mit der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, der Wirtschaftskammer Österreich und dem Einzelhandel den Absatz nachhaltiger Produkte steigern. 17 Handelsketten (darunter Billa, Spar, Zielpunkt, Adeg, dm, Obi, Baumax, Cosmos, Red Zac...) mit rund 6.000 Filialen beteiligen sich und bewerben diese Waren mit der eigens entworfenen Marke "Das bringt's. Nachhaltig".

Äpfel aus Neuseeland

Wie nötige diese Aktion ist, zeigt beispielsweise auch die Top-20-Liste von Greenpeace, in der die unnötigsten Transportwege aufgeführt sind. Die Umweltschutzorganisation hatte heimische Supermärkte nach Produkten untersucht, die genauso gut aus heimischem Anbau kommen könnten, statt dessen jedoch von weit her importiert wurden. Den unehrenhaften ersten Platz belegen dabei Äpfel aus Neuseeland in einem Innsbrucker Supermarkt. Sie hatten 20.000 Kilometer hinter sich, um in den hiesigen Regalen zu landen. Trauben aus Südafrika haben mehr als 9.000 Kilometer zurückgelegt, bevor sie in heimischen Kaufhäusern angepriesen werden. Pro Kilo Trauben sind dann laut der Umweltschutzorganisation schon sieben Kilo co2 verursacht worden.

Die schlagen sich freilich in den Transportkosten und somit auch im Preis nicht nieder. Dank minimaler Arbeits- und Energiekosten in den produzierenden Ländern kosten chilenische Äpfel weniger als österreichische, und der Saft von brasilianischen Orangen ist günstiger als der von steirischen Äpfeln. "Gäbe es Kostenwahrheit im Transport und somit auch bei den Preisen für Lebensmittel, würden keine Produkte mehr in den Regalen landen, die per Flugzeug transportiert werden müssen", gibt Jurrien Westerhof, Klimaexperte bei Greenpeace, zu bedenken.

Weitere Highlights auf der Liste der Produkte mit dem größten "Öko-Rucksack": Frühzwiebel, Pflaumen und Birnen aus Chile, Äpfel und Sonnenblumenkerne aus Argentinien, Tomaten aus Kanada, Kartoffeln aus Ägypten und Butter aus Dänemark und Irland machen vor allem eines: die Umwelt kaputt. Angesichts der enormen Transportwege verwundert es dann auch nicht mehr, dass die Ernährung 30 Prozent der Umweltbelastung ausmacht, die ein Mensch verursacht.

Statt dessen regional

Dem gegenüber steht die besondere Vermarktung regionaler Produkte während der Nachhaltigen Wochen. Nicht nur der Umweltaspekt spricht für sie, sondern auch die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und somit die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen in der Region soll die Konsumenten davon überzeugen, soweit es geht zu regional erzeugten Waren zu greifen (und bei anderen Dingen zu Fair-Trade-Produkten).

Neben regionalen sollen aber auch Bio-Produkte verstärkt ins Bewusstsein gebracht werden. Dass sie dort noch kaum verankert sind, zeigt eine Studie der Agrarmarkt Austria (ama): So waren zwar im ersten Drittel 2005 immerhin 23,7 Prozent aller gekauften Eier in Österreich Bio-Eier. Aber nur 15,3 Prozent der Kartoffeln stammten aus biologischer Landwirtschaft, nur 12,3 Prozent der Milch, und beim Obst und Gemüse lag der Marktanteil der Bioprodukte bei nur rund fünf beziehungsweise viereinhalb Prozent.

Bio, fair, regional, effizient

Um mit dem Logo "Das bringt's. Nachhaltig" gekennzeichnet zu werden, muss mindestens einer der folgenden Punkte zutreffen:

* Biologische Produktion: Die Lebensmittel werden in kontrolliert biologischer Landwirtschaft erzeugt

* Stärkung der Regionalität: Die Hauptbestandteile des Produktes stammen überwiegend aus einer Region, die geografisch einem Bundesland entspricht oder kleiner ist. Sie werden auch dort weiterverarbeitet.

* Fairer Handel: Die Lebensmittel aus den so genannten Entwicklungsländern, etwa Kaffee, Tee, Bananen und Orangen, werden fair gehandelt, das heißt die Arbeitnehmer bekommen faire Löhne, es gibt keine ausbeuterische Kinderarbeit, die internationalen Arbeitsschutzabkommen werden eingehalten und umweltverträgliche Produktion wird gefördert.

* Umweltschonende Verarbeitung: Die Produkte werden umweltschonend produziert und verarbeitet, etwa in Form von Mehrwegsystemen oder Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen.

* Energieeffizienz: Die Produkte sind im Vergleich zu den anderen innerhalb der Produktgruppe sparsam im Verbrauch von Energie.

Weitere Informationen in Internet: www.nachhaltigewochen.at

Siehe auch Seite 16:

"Globale Kettenreaktion"

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