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Erneuerbare Klimafitness gegen die Energiekrise

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Den Verwerfungen auf den Energiemärkten muss mit dem Um- und Ausbau erneuerbarer Energie entgegnet werden, lautete der Expertentenor auf einer Diskussionswanderung beim Europäischen Forum Alpbach.

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Den Verwerfungen auf den Energiemärkten muss mit dem Um- und Ausbau erneuerbarer Energie entgegnet werden, lautete der Expertentenor auf einer Diskussionswanderung beim Europäischen Forum Alpbach.

Von außen betrachtet erinnerte die Wandergruppe an einen Fit-mach-mit-Marsch. Vom inneren Anspruch her legte ein Vorausgeher, Verbund-Chef Michael Strugl, die Latte hoch und zog einen Vergleich zu den Philosophen des alten Griechenlands, die gehend denkend ihre Argumente austauschten. Die inhaltliche Ausrichtung der Wanderung vorige Woche im Rahmen des Forums Alpbach vom Dorf hinauf zum Erbhof Rossmoos wollte beiden Ansprüchen gerecht werden: Nach- und Vorausdenken, wie Klimafitness mit der ausreichenden Erzeugung von erneuerbarer Energie erreicht werden kann, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden, und gleichzeitig für Wirtschaft und Private leistbar bleiben kann.

Kaum war Strugl wieder herunten vom Berg, holten ihn die Zeitläufte in seiner Funktion als Präsident der Interessenvertretung von Österreichs E-Wirtschaft wieder ein: Oben hatte Strugl die energiepolitische Wetterlage noch als „so etwas wie einen perfekten Sturm“ erklärt – und gemeint: „Ich prophezeie, dass sich die Gasversorgungskrise auf andere Energiebereiche auswirken wird und wir durchaus Probleme mit der Stromversorgung und aufgrund der explodierenden Energiepreise größte Schwierigkeiten für viele Private und Unternehmen haben werden.“ Wieder herunten in den Ebenen der österreichischen Energiepolitik, bestätigen die Aufregung um die Wien Energie sowie die Forderungen nach einer EU-weiten Energiekrisenbremse und einem Schutzschirm für ins Straucheln geratene Energieversorger den E-Propheten schneller, als ihm lieb sein konnte.

Historische Einmaligkeit

Doch die Energiediskussion am Alpbacher Berg lief keineswegs nur pessimistisch ab. Für die Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), Henrietta Egerth, schaffen die multiplen Krisen Klima, Krieg und Versorgungsengpässe „eine seltene historische Kombination, in der Innovation auch umgesetzt werden könnte“. Egerth sieht „alle Ingredienzen für eine positive Dynamik“ vorhanden: ein enormer Zeitdruck gepaart mit der klaren Zielsetzung „Raus aus fossiler Energie“. Dazu kommen eine Verpflichtung und eine Bereitschaft seitens der Politik, die mit einer robusten Nachfrage von Industrie und Wirtschaft sowie einem Angebotsschub an neuen Technologien einhergehen. „Wir gehen vom reinen Krisennarrativ in Richtung positiver Zukunftsszenarien“, sagte Egerth, wobei sie die Herausforderungen nicht kleinredet: Träge Systeme mit vielen Handlungsebenen und kapitalintensiven Wirtschaftsfeldern verlangen eine enorme Koordinationsaufgabe und Leadership.

Was Strugl unter Führung versteht, beschrieb er am Beispiel einer Versammlung, in der es um die Errichtung von Stromleitungen ging. Als Strugl gefragt wurde, ob er einen Strommast vor seiner Gartentür haben möchte, antwortete der Energiemanager: „Das will ich auch nicht, aber wenn es eine Entscheidung gibt, dass diese Stromleitung gebraucht wird, muss ich am Ende eines rechtsstaatlichen Verfahrens diese Entscheidung im Sinne eines übergeordneten Interesses zur Kenntnis nehmen – und der benachteiligte Grundbesitzer gehört entschädigt.“

Von außen betrachtet erinnerte die Wandergruppe an einen Fit-mach-mit-Marsch. Vom inneren Anspruch her legte ein Vorausgeher, Verbund-Chef Michael Strugl, die Latte hoch und zog einen Vergleich zu den Philosophen des alten Griechenlands, die gehend denkend ihre Argumente austauschten. Die inhaltliche Ausrichtung der Wanderung vorige Woche im Rahmen des Forums Alpbach vom Dorf hinauf zum Erbhof Rossmoos wollte beiden Ansprüchen gerecht werden: Nach- und Vorausdenken, wie Klimafitness mit der ausreichenden Erzeugung von erneuerbarer Energie erreicht werden kann, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden, und gleichzeitig für Wirtschaft und Private leistbar bleiben kann.

Kaum war Strugl wieder herunten vom Berg, holten ihn die Zeitläufte in seiner Funktion als Präsident der Interessenvertretung von Österreichs E-Wirtschaft wieder ein: Oben hatte Strugl die energiepolitische Wetterlage noch als „so etwas wie einen perfekten Sturm“ erklärt – und gemeint: „Ich prophezeie, dass sich die Gasversorgungskrise auf andere Energiebereiche auswirken wird und wir durchaus Probleme mit der Stromversorgung und aufgrund der explodierenden Energiepreise größte Schwierigkeiten für viele Private und Unternehmen haben werden.“ Wieder herunten in den Ebenen der österreichischen Energiepolitik, bestätigen die Aufregung um die Wien Energie sowie die Forderungen nach einer EU-weiten Energiekrisenbremse und einem Schutzschirm für ins Straucheln geratene Energieversorger den E-Propheten schneller, als ihm lieb sein konnte.

Historische Einmaligkeit

Doch die Energiediskussion am Alpbacher Berg lief keineswegs nur pessimistisch ab. Für die Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), Henrietta Egerth, schaffen die multiplen Krisen Klima, Krieg und Versorgungsengpässe „eine seltene historische Kombination, in der Innovation auch umgesetzt werden könnte“. Egerth sieht „alle Ingredienzen für eine positive Dynamik“ vorhanden: ein enormer Zeitdruck gepaart mit der klaren Zielsetzung „Raus aus fossiler Energie“. Dazu kommen eine Verpflichtung und eine Bereitschaft seitens der Politik, die mit einer robusten Nachfrage von Industrie und Wirtschaft sowie einem Angebotsschub an neuen Technologien einhergehen. „Wir gehen vom reinen Krisennarrativ in Richtung positiver Zukunftsszenarien“, sagte Egerth, wobei sie die Herausforderungen nicht kleinredet: Träge Systeme mit vielen Handlungsebenen und kapitalintensiven Wirtschaftsfeldern verlangen eine enorme Koordinationsaufgabe und Leadership.

Was Strugl unter Führung versteht, beschrieb er am Beispiel einer Versammlung, in der es um die Errichtung von Stromleitungen ging. Als Strugl gefragt wurde, ob er einen Strommast vor seiner Gartentür haben möchte, antwortete der Energiemanager: „Das will ich auch nicht, aber wenn es eine Entscheidung gibt, dass diese Stromleitung gebraucht wird, muss ich am Ende eines rechtsstaatlichen Verfahrens diese Entscheidung im Sinne eines übergeordneten Interesses zur Kenntnis nehmen – und der benachteiligte Grundbesitzer gehört entschädigt.“

Wir haben kein Zielformulierungsproblem, sondern ein Zielerreichungsproblem, das ein Umsetzungsproblem ist.

Michael Strugl, Verbund

Entscheidungsträger müssten den Mut zeigen, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, forderte Strugl und feixte: „Wenn ich jeden Tag Applaus haben möchte, muss ich Schlagersänger werden.“ Als einen „Treppenwitz des Ausbaus Erneuerbarer“ in Österreich beschrieb er ein Windparkprojekt, das aufgrund von Einsprüchen so lange verhindert wurde, bis der dafür genehmigte Windturbinentyp am Markt nicht mehr verfügbar war. „Wir scheitern nie an den Technologien oder Möglichkeiten, wir scheitern an der rechtzeitigen Umsetzung“, lautete Strugls Fazit: „Wir haben kein Zielformulierungsproblem, sondern ein Zielerreichungsproblem, das ein Umsetzungsproblem ist.“

In dieses Alp(bacher)horn der Kritik an langen Behördenwegen und Genehmigungsverfahren stieß auch Joachim Schönbeck, Vorstandsvorsitzender des Maschinen- und Anlagenbaukonzerns Andritz in Graz. „Da stehen wir uns selbst im Wege, aber das haben wir selbst so entschieden, das können wir selbst wieder ändern“, sagte Schönbeck. Neue EU-Regelungen sollen zu kürzeren Verfahrensdauern führen – und werden gerade beispielsweise in Schönbecks Heimat Deutschland mit der Zielvorgabe von zwei Jahren zwischen Antrag und Umsetzung des jeweiligen Projekts eingeführt. „Ansonsten bleiben wir Gefangene unseres eigenen Wohlstands“, sagte der Andritz-CEO, „und bekommen das Tempo nicht, das wir brauchen.“

Fünf neue Donaukraftwerke

Wie schnell der Umstieg auf Erneuerbare vonstatten gehen muss, um den Forderungen aus dem Pariser Klimaabkommen und dem darauf aufbauenden Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz gerecht zu werden, zeigen Verbund-Berechnungen: Um 27 Terawattstunden erneuerbare Energie bis 2030 zusätzlich zu erzeugen, muss die bestehende Kapazität fast verdoppelt werden. In Anlagen umgerechnet, bedeutet das Photovoltaik auf zwei Millionen Dächern von Einfamilienhäusern oder 1100 bis 1200 Windräder oder fünf zusätzliche Wasserkraftwerke in der Größenordnung des Donaukraftwerks Freudenau. „Das wird kein Sonntagsspaziergang“, nannte Strugl diese Aufgabe, „wir haben die Hoffnung gehabt, diese Versorgungskrise wird dazu führen, dass es mehr Akzeptanz für solche Anlagen geben wird. Noch haben wir das nicht gespürt.“

Mehr Bürgerbeteiligung sei eine Möglichkeit, die Akzeptanz zu erhöhen, ist die Wandergruppe unisono überzeugt. „Die Einbindung von Menschen und Gemeinden ist ein sehr guter Zugang, das haben wir pilotiert, das funktioniert“, sagte FFG-Geschäftsführerin Egerth. Einbindung meint dabei nicht nur, dass Anrainer und andere betroffene Gruppen in einer früher Phase informiert werden und Möglichkeiten zur Mitsprache bekommen, sondern dass die Kommunen und Menschen Angebote erhalten, wie sie vom Wind- oder Solarpark ums Eck finanziell profitieren können.

Auf die Frage nach der Bereitschaft der Industrie, auf Gewinne zu verzichten, um Innovationen zu fördern, antwortete CEO Schönbeck: „Es war noch nie so, dass bei Andritz eine gute Idee am Geld gescheitert ist. Das lässt sich nur machen, wenn wir Geld verdienen. Nur dann kann man für Innovationen auf etwas mehr Geld verzichten – ich glaube, dass wir da nicht die Einzigen sind.“

Verbund-CEO Strugl beschrieb das aus Sicht der Energieunternehmen genauso: Um in den Ausbau der Netze und Speicher zu investieren, bräuchten diese Geld. „Insofern ist es auch eine Frage, wie intelligent es ist, Gewinne wegzunehmen, weil das wird sich natürlich auswirken“, sagte Strugl – und war damit, obwohl noch am Berg, in den aktuellen Niederungen der österreichischen Energiepolitik angekommen.

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