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USA Wahlen

white paula - © Screenshot: twitter.com/RightWingWatch
International

Sehnsucht nach Heil(ung) nach der US-Wahl

1945 1960 1980 2000 2020

US-Religionsgemeinschaften gratulieren Joe Biden und machen klar, was sie sich von ihm wünschen.

1945 1960 1980 2000 2020

US-Religionsgemeinschaften gratulieren Joe Biden und machen klar, was sie sich von ihm wünschen.

Beinahe gespenstisch wirkten die Tage nach der US-Präsidentschaftswahl am 3. November und dem darauffolgenden Samstag, als von den führenden Medien endlich ein vorläufiger Sieger Joe Biden verkündet wurde. Es waren Stunden der Ungewissheit zwischen Twitter-Tiraden von Amtsinhaber Donald Trump und öffentlichen Aufrufen zur Geduld durch dessen Kontrahenten. Die Emotionen, die sich mit dieser Wahl 2020 verbunden haben, waren nicht zu übersehen: Medial wurde ein Kampf zwischen Licht und Schatten, Hoffnung und Verderben inszeniert. An dieser Wahl schien sich das Schicksal einer ganzen Nation zu entscheiden.

Die evangelikale Predigerin Paula White, eine der unbeirrbarsten Unterstützerinnen Trumps, wurde mit einem umstrittenen Gebetsauftritt innerhalb weniger Stunden zum Internethit: Das Video, in dem sie in scheinbarer Ekstase für den Sieg des amtierenden Präsidenten eintrat, wurde millionenfach geklickt (siehe Foto). Es wurde zur Zielscheibe von Spott und Hohn, gleichzeitig aber auch von Anhängern Trumps gefeiert. Etwa zur selben Zeit machten einige Frauen in Clark County, Nevada, von sich reden, als sie kniend vor der Wahlzentrale Platz nahmen, um mit ihrem theatralischen Gebet für die Wiederwahl Trumps einzutreten.

In den Tagen des Auszählens, den Stunden des Wartens, brachen Ströme von Emotionalität hervor, die vor der Wahl von beiden Seiten des politischen Spektrums befeuert, am Wahlabend aber nicht mit einem Ergebnis beruhigt wurden. Die Zeit der Ungewissheit wurde zu einer offenbarenden Phase, in der die Zerrissenheit des Landes noch deutlicher als sonst zutage trat. Auch als sich der Sieg von Joe Biden immer klarer abzeichnete, konnte das die Gemüter vieler religiöser Anführer beziehungsweise deren Gemeinschaften nicht beruhigen – zu deutlich und scheinbar alternativlos hatten sie sich vor der Wahl positioniert, nicht selten gepaart mit quasiprophetischen Voraussagen eines Sieges der favorisierten Seite.