march for life, rome 2021  - © picturedesk.com / PA / Alessia Giuliani  -  Fahnen geistlichen  Gemeinschaft  „Miliz Jesu Christi“ beim „Marsch für das Leben“, Rom, 22. Mai 2021.

Abtreibungs-Debatten: Gefährliche Begrenztheit

1945 1960 1980 2000 2020

Scheinbare religiöse Identitätsmarker dieseits wie jenseits des Atlantiks: Warum Abtreibung und Sexual­moral kein kirchliches „Schibboleth“ sein dürfen.

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Scheinbare religiöse Identitätsmarker dieseits wie jenseits des Atlantiks: Warum Abtreibung und Sexual­moral kein kirchliches „Schibboleth“ sein dürfen.

Der biblische Begriff „Schibboleth“, mit dem die Angehörigen des Stammes Gilead (Ri 12,5-6) anhand dessen falscher Aussprache Menschen aus dem efraimitischen Ausland identifizierten, hat sich zum geläufigen Sprichwort entwickelt: Durch ein bestimmtes Merkmal wird über Haltung, Zugehörigkeit und nicht selten den Wert von Personen geurteilt. Wer diesem Kennzeichen nicht entspricht, hat demnach schon verloren – eine höchst selektive, simplifizierte und zugleich stigmatisierende Form der Identitätsbestimmung also.

„Sag‘ mir, wie du zum Schwangerschaftsabbruch stehst, und ich sage dir, ob du ein guter Mensch bist!“ So in etwa könnte man die Stimmung in zahlreichen christlichen Religionsgemeinschaften in der westlichen Welt seit Mitte des 20. Jahrhunderts charakterisieren. Die Abtreibungsfrage beherrscht nicht nur zahlreiche Diskussionen in der moraltheologischen Forschung, sie ist auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung längst zu einem scheinbaren Identitätsmarker im Kampf zwischen modern-liberaler Gesellschaft und konservativ-christlichen Werten geworden. „Scheinbar“ deshalb, weil sich dieses Thema in den jeweiligen Diskursbereichen von rechtsstaatlichen, säkularphilosophischern, sowie auch religiösen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten so verselbstständigt hat, dass ein Zueinander der Gesprächspartner oftmals nur mehr schwer möglich scheint.

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