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Franz Josef Wetz: Gesellschaft ohne Religion

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Josef Wetz, Philosoph und Atheist, ist kein "Feind“ der Religion. Gleichwohl analysiert er, wie in Europa religiöser Glaube (ver)schwindet.

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Josef Wetz, Philosoph und Atheist, ist kein "Feind“ der Religion. Gleichwohl analysiert er, wie in Europa religiöser Glaube (ver)schwindet.

Er hat (katholische) Theologie und Philosophie studiert: Philosoph ist er geblieben, Religionskritiker geworden. Für Franz Josef Wetz ist ein Europa ohne Religion ein denkbares Menschheits-Experiment.

DIE FURCHE: Die Zahl der Atheisten nimmt zu. Warum?

Franz Josef Wetz: Untersuchungen zeigen, dass in Deutschland die Nicht-Glaubenden etwa ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Diese Menschen gehören kirchlich nicht mehr dazu. Sie glauben an kein Leben nach dem Tode und an keinen Gott. Die allgemeinen Kernaussagen, die die großen monotheistischen Religionen miteinander verbinden, haben für sie keine Bedeutung und sie gehen daran interesselos vorüber.

DIE FURCHE: Aber bleiben da nicht "kulturreligiöse“ Reste?

Wetz: Bei den Protestanten war die Kirchenbindung immer schwächer als bei den Katholiken. Wer sich in meiner Generation von der Religion befreit hat, ist ganz weg, da ist auch keine Wehmut da. Katholiken bekommen manchmal leuchtende Augen, wenn sie von der Religion ihrer Kindheit erzählen, trotzdem ist der Weg für sie unzugänglich geworden. Dann gibt es eine große Schar von jüngeren Menschen, die nicht mehr religiös sozialisiert ist, die vielleicht bei den Eltern die Kernfeiertage mitbekommen haben, damit aber nichts mehr anfangen. Losgelöst von Religion bestreiten sie ihren Sinn des Lebens aus sich heraus.

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