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Religion

Was glauben die Moslems eigentlich?

1945 1960 1980 2000 2020

In Traun (OÖ) sorgt der Abriss einer Moschee für Emotionen (Reportage auf Seite 4). Es sind Konflikte wie diese, auf die in Zukunft besser reagiert werden muss.

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In Traun (OÖ) sorgt der Abriss einer Moschee für Emotionen (Reportage auf Seite 4). Es sind Konflikte wie diese, auf die in Zukunft besser reagiert werden muss.

Zwei Jahre lief die Geschichte durch die behördlichen Instanzen. Aber dann war klar - die Moschee muss weg. Ach Gott, was heißt Moschee? In Wahrheit geht es um ein paar von außen kaum erkennbare Räume in einem ebenerdigen Lagerschuppen und nicht etwa um ein unübersehbares, repräsentatives Gebetshaus mit dem Halbmond obendrauf.

Der Bürgermeister sah sich jedenfalls veranlasst, nicht genehmigte Zu- und Umbauten im Schuppen "aus Sicherheitsgründen" abreißen zu lassen. Die islamische Gemeinschaft war empört, konterte mit Vorwürfen. Das sei Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, versteckt hinter Abrissbescheiden. Dann folgten wechselseitiges Polemisieren, Ignorieren und Protestieren. In der oberösterreichischen Stadt Traun (25.000 Einwohner, 17 Prozent Ausländeranteil) gingen die Emotionen hoch ...

Alles in allem macht der Abriss der Moschee den Eindruck einer windigen Geschichte, auch wenn heute - nach einer Sendung im "Report" - wieder versöhnliche Töne angeschlagen werden. Wie es weitergeht, bleibt allerdings offen. Offizielle Unterstützung für die Moslems bei ihrer neuerlichen Herbergssuche wird es aber nicht geben.

Es sind Themen wie diese, die das Bild des Islam in Österreich prägen und immer wieder Zündstoff für Konflikte liefern. Die Religionsausübung scheint ein besonderes Reizthema zu sein. Sie stößt auf breiten Widerstand in der Bevölkerung und damit der lokalen Politik - geradeso, als sei das christlich-abendländische Erbe in Gefahr.

300.000 Moslems Dabei leben in Österreich bereits rund 300.000 Moslems. Offensichtlich gehen einige Gruppen jetzt daran, ihre Ansprüche etwas lautstärker durchzusetzen als bisher. Es werden nicht mehr unauffällig Nischen gesucht, wo unbehelligt die religiösen Sitten und Gebräuche praktiziert werden können. Man beginnt zu kämpfen und zu demonst-rieren, um den Wünschen Nachdruck zu verleihen. Dabei wird ein Bekenntnis an den Tag gelegt, das jeden katholischen Pfarrer neidisch werden lassen müsste. Die trauen sich was! Entfalten ein kleines Taschentuch auf der Straße und beten. Und dann kämpfen sie sogar um ihren Gott, den sie da in sich fühlen. Ärgern wir uns vielleicht unterschwellig da-rüber? Weil es dieses Bedürfnis bei uns nicht mehr gibt? Fällt deshalb der Umgang mit dieser Gruppe so schwer?

Natürlich kann man es sich einfach machen und Andersdenkende einfach abspeisen - so wie die Kinder in einem Landeskindergarten in Niederösterreich. Dort, so wurde kürzlich berichtet, herrschen klare Verhältnisse. Wenn Schweinefleisch auf dem Programm steht, geht die kleine Gruppe Moslemkinder leer aus. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt oder gar nix. Basta. "Die bekommen dann eh mehr Beilagen und Suppe", wird der Bürgermeister zitiert. Ist es wirklich so mühsam, ein paar Schaf- oder Rindfleischstücke mitzukochen? Da würden Augen leuchten und ein paar Kinder fühlten sich akzeptiert und verstanden.

Das Eigene und das Fremde: Kopftücher, Gebetsstätten, Speisevorschriften, Regeln und Gebote der Lebensführung und -gestaltung ... Es muss eine öffentliche Debatte erfolgen, wieso dieses oder jenes nicht möglich ist oder gewährt werden kann. Ob manches nicht doch denkbar wäre und wie? Wieviel Verständnis muss füreinander aufgebracht werden? Was ist eine abzulehnende Diskriminierung, was ein (un-)berechtigtes Nein der einheimischen Mehrheit? Es wäre klug, diese Fragen jetzt zu stellen und exemplarisch Lösungen anzubieten, bevor die Konflikte sich verschärfen und der Gesellschaft ins Gesicht springen.

Istanbul ist weit Der Islam als Religionsgemeinschaft ist in Österreich gesetzlich anerkannt, muslimische Kinder haben das Recht auf ihren eigenen Unterricht. Trotzdem weiß der Durchschnittsösterreicher kaum etwas über diese Religion. Tausende österreichische Urlauber bestaunen Jahr für Jahr die blaue Moschee in Istanbul. Aber das Gebetshaus daheim um die Ecke? Da setzt man keinen Fuß hinein.

Wer denkt schon daran, dass die demonstrative Religiosität moslemischer Gruppen auch Schiene für die Sichtbarmachung ihres Daseins ist. Welche Chancen haben sie denn sonst? Auch viele Moslems von Traun (meist Türken) fühlen sich nicht akzeptiert, arbeiten in niederen Jobs, sind nicht integriert in die dortige Gesellschaft. Auch sie klammern sich an die Religion, ziehen sich in die enge Gemeinschaft des Glaubens zurück.

Aber was glauben die eigentlich, diese Moslems? Nicht Empörung, sondern Interesse und Neugier sollten im Vordergrund stehen. Wir sind immer so gierig nach neuen Informationen, aber wer fragt nach den Inhalten dieser Religion? Oder gar nach Gemeinsamkeiten mit unserer eigenen? Dabei könnte man viel voneinander lernen.

Bisher ging es hauptsächlich nur darum, möglichst unberührt nebeneinander einherzuleben und Toleranz zu predigen. Das ist aber zu wenig. Toleranz heißt nur Duldung und nicht, sich füreinander zu interessieren oder gar, einander zu mögen. Es wäre schon sehr hilfreich, den Begriff endlich von dieser ständigen Harmonieaufforderung zu befreien, die ohnehin nur zu einer romantisierenden Laxheit verführt. Es muss Raum geschaffen werden, für Streit und Auseinandersetzung. Ohne Konflikte offen zu benennen oder auszutragen, kann eine Gesellschaft sich nicht darüber verständigen, was geht und was nicht, wo Grenzen sind und es Differenzen gibt.

Aus dem Islam muss etwas entstehen, das die Österreicher als etwas Natürliches und nicht Feindliches ansehen. Das heißt aber auch, dass die Moslems ermutigt werden müssen, sich für die Werte und Regeln unseres Landes zu interessieren. Es muss klargemacht werden, dass sie mit ihrem Verhalten manchmal (unsichtbare) Grenzen überschreiten, die zu Irritationen führen. Und - man muss ihnen sagen: Wenn ihr anerkannt werden wollt, dann bitte denkt doch auch nach, wie ihr euch den (andersgläubigen, andersdenkenden) Mitmenschen verständlich machen könnt. Und sagt nicht gleich: Es hört uns eh keiner zu. Bei jeder Gelegenheit außerdem die Rassismus- und Ausländerfeindlichkeitskeule zu schwingen, ist billig. Und es bringt niemanden weiter. Abbau von Angst, Unwissenheit und Unsicherheit vor der jeweils anderen Religion und Mentalität ist ein mühsamer und langwieriger Prozess. Aber er kann nur durch beiderseitige Anstrengungen gelingen.

Zwei Jahre lief die Geschichte durch die behördlichen Instanzen. Aber dann war klar - die Moschee muss weg. Ach Gott, was heißt Moschee? In Wahrheit geht es um ein paar von außen kaum erkennbare Räume in einem ebenerdigen Lagerschuppen und nicht etwa um ein unübersehbares, repräsentatives Gebetshaus mit dem Halbmond obendrauf.

Der Bürgermeister sah sich jedenfalls veranlasst, nicht genehmigte Zu- und Umbauten im Schuppen "aus Sicherheitsgründen" abreißen zu lassen. Die islamische Gemeinschaft war empört, konterte mit Vorwürfen. Das sei Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, versteckt hinter Abrissbescheiden. Dann folgten wechselseitiges Polemisieren, Ignorieren und Protestieren. In der oberösterreichischen Stadt Traun (25.000 Einwohner, 17 Prozent Ausländeranteil) gingen die Emotionen hoch ...

Alles in allem macht der Abriss der Moschee den Eindruck einer windigen Geschichte, auch wenn heute - nach einer Sendung im "Report" - wieder versöhnliche Töne angeschlagen werden. Wie es weitergeht, bleibt allerdings offen. Offizielle Unterstützung für die Moslems bei ihrer neuerlichen Herbergssuche wird es aber nicht geben.

Es sind Themen wie diese, die das Bild des Islam in Österreich prägen und immer wieder Zündstoff für Konflikte liefern. Die Religionsausübung scheint ein besonderes Reizthema zu sein. Sie stößt auf breiten Widerstand in der Bevölkerung und damit der lokalen Politik - geradeso, als sei das christlich-abendländische Erbe in Gefahr.

300.000 Moslems Dabei leben in Österreich bereits rund 300.000 Moslems. Offensichtlich gehen einige Gruppen jetzt daran, ihre Ansprüche etwas lautstärker durchzusetzen als bisher. Es werden nicht mehr unauffällig Nischen gesucht, wo unbehelligt die religiösen Sitten und Gebräuche praktiziert werden können. Man beginnt zu kämpfen und zu demonst-rieren, um den Wünschen Nachdruck zu verleihen. Dabei wird ein Bekenntnis an den Tag gelegt, das jeden katholischen Pfarrer neidisch werden lassen müsste. Die trauen sich was! Entfalten ein kleines Taschentuch auf der Straße und beten. Und dann kämpfen sie sogar um ihren Gott, den sie da in sich fühlen. Ärgern wir uns vielleicht unterschwellig da-rüber? Weil es dieses Bedürfnis bei uns nicht mehr gibt? Fällt deshalb der Umgang mit dieser Gruppe so schwer?

Natürlich kann man es sich einfach machen und Andersdenkende einfach abspeisen - so wie die Kinder in einem Landeskindergarten in Niederösterreich. Dort, so wurde kürzlich berichtet, herrschen klare Verhältnisse. Wenn Schweinefleisch auf dem Programm steht, geht die kleine Gruppe Moslemkinder leer aus. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt oder gar nix. Basta. "Die bekommen dann eh mehr Beilagen und Suppe", wird der Bürgermeister zitiert. Ist es wirklich so mühsam, ein paar Schaf- oder Rindfleischstücke mitzukochen? Da würden Augen leuchten und ein paar Kinder fühlten sich akzeptiert und verstanden.

Das Eigene und das Fremde: Kopftücher, Gebetsstätten, Speisevorschriften, Regeln und Gebote der Lebensführung und -gestaltung ... Es muss eine öffentliche Debatte erfolgen, wieso dieses oder jenes nicht möglich ist oder gewährt werden kann. Ob manches nicht doch denkbar wäre und wie? Wieviel Verständnis muss füreinander aufgebracht werden? Was ist eine abzulehnende Diskriminierung, was ein (un-)berechtigtes Nein der einheimischen Mehrheit? Es wäre klug, diese Fragen jetzt zu stellen und exemplarisch Lösungen anzubieten, bevor die Konflikte sich verschärfen und der Gesellschaft ins Gesicht springen.

Istanbul ist weit Der Islam als Religionsgemeinschaft ist in Österreich gesetzlich anerkannt, muslimische Kinder haben das Recht auf ihren eigenen Unterricht. Trotzdem weiß der Durchschnittsösterreicher kaum etwas über diese Religion. Tausende österreichische Urlauber bestaunen Jahr für Jahr die blaue Moschee in Istanbul. Aber das Gebetshaus daheim um die Ecke? Da setzt man keinen Fuß hinein.

Wer denkt schon daran, dass die demonstrative Religiosität moslemischer Gruppen auch Schiene für die Sichtbarmachung ihres Daseins ist. Welche Chancen haben sie denn sonst? Auch viele Moslems von Traun (meist Türken) fühlen sich nicht akzeptiert, arbeiten in niederen Jobs, sind nicht integriert in die dortige Gesellschaft. Auch sie klammern sich an die Religion, ziehen sich in die enge Gemeinschaft des Glaubens zurück.

Aber was glauben die eigentlich, diese Moslems? Nicht Empörung, sondern Interesse und Neugier sollten im Vordergrund stehen. Wir sind immer so gierig nach neuen Informationen, aber wer fragt nach den Inhalten dieser Religion? Oder gar nach Gemeinsamkeiten mit unserer eigenen? Dabei könnte man viel voneinander lernen.

Bisher ging es hauptsächlich nur darum, möglichst unberührt nebeneinander einherzuleben und Toleranz zu predigen. Das ist aber zu wenig. Toleranz heißt nur Duldung und nicht, sich füreinander zu interessieren oder gar, einander zu mögen. Es wäre schon sehr hilfreich, den Begriff endlich von dieser ständigen Harmonieaufforderung zu befreien, die ohnehin nur zu einer romantisierenden Laxheit verführt. Es muss Raum geschaffen werden, für Streit und Auseinandersetzung. Ohne Konflikte offen zu benennen oder auszutragen, kann eine Gesellschaft sich nicht darüber verständigen, was geht und was nicht, wo Grenzen sind und es Differenzen gibt.

Aus dem Islam muss etwas entstehen, das die Österreicher als etwas Natürliches und nicht Feindliches ansehen. Das heißt aber auch, dass die Moslems ermutigt werden müssen, sich für die Werte und Regeln unseres Landes zu interessieren. Es muss klargemacht werden, dass sie mit ihrem Verhalten manchmal (unsichtbare) Grenzen überschreiten, die zu Irritationen führen. Und - man muss ihnen sagen: Wenn ihr anerkannt werden wollt, dann bitte denkt doch auch nach, wie ihr euch den (andersgläubigen, andersdenkenden) Mitmenschen verständlich machen könnt. Und sagt nicht gleich: Es hört uns eh keiner zu. Bei jeder Gelegenheit außerdem die Rassismus- und Ausländerfeindlichkeitskeule zu schwingen, ist billig. Und es bringt niemanden weiter. Abbau von Angst, Unwissenheit und Unsicherheit vor der jeweils anderen Religion und Mentalität ist ein mühsamer und langwieriger Prozess. Aber er kann nur durch beiderseitige Anstrengungen gelingen.