Krisen  - © Illustration: iStock/alashi (Farbanpassung: Rainer Messerklinger

Agiles Management: Die schöpferische Kraft des Risikos

1945 1960 1980 2000 2020

Wenn die einzige Sicherheit die Unsicherheit ist: Überlegungen zu einem agilen Management, das die Zukunft miteinkalkuliert, „als wäre sie bereits eingetroffen“. Kurzessay von Richard Straub zum diesjährigen Drucker-Forum in Wien.

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Wenn die einzige Sicherheit die Unsicherheit ist: Überlegungen zu einem agilen Management, das die Zukunft miteinkalkuliert, „als wäre sie bereits eingetroffen“. Kurzessay von Richard Straub zum diesjährigen Drucker-Forum in Wien.

Das Paradoxe an Krisen ist, dass sie neben den Schäden, die sie verursachen, immer auch als Turbo für Fortschritt und Innovation wirken. Covid war da keine Ausnahme – denken wir nur an die rasche Bereitstellung von RNA-Messenger-Impfstoffen oder die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden. Was die Wirtschaft betrifft, so hat das uns aufgezwungene Experiment die Kommunikationstechnologie global geboostert. Bemerkenswert war darüber hinaus das hohe Maß an Resilienz und Einfallsreichtum, mit dem viele Unternehmen überlebten.

Doch das ist Vergangenheit. Der Krieg in der Ukraine katapultiert uns in eine Realität, die diese Herausforderungen, vor die uns die Pandemie stellte, wie eine Generalprobe erscheinen lassen. Zu einer Verschärfung von Umwelt- oder Flüchtlingskrisen gesellen sich eine außer Kontrolle geratene Inflation, eine unsichere Ernährungslage, die laut Welternährungsprogramm 44 Millionen Menschen in 38 Ländern in eine Hungersnot stürzen könnte, und Sanktionen im Energiesektor, die das Herz der europäischen Industrie bedrohen. Über all dem schwebt das Gespenst der Rezession inklusive wirtschaftlicher und sozialer Verwerfungen.

Dringliche Lösungssuche

„Performance that matters“: Den Titel des diesjährigen Global Peter Drucker Forum in Wien legten wir lange vor Ausbruch des Kriegs in Europa fest. Unter den veränderten Voraussetzungen erscheint die Beschäftigung mit Leistung, auf die es ankommt, sogar noch dringlicher: Wird es uns gelingen, auch diese Krise zu meistern? Zweifellos werden wir unser Management erneuern müssen, um weiterhin Leistung zu erzielen – aber reicht das? Management, das etwas taugt, ermöglicht Institutionen und Organisationen, ihren Daseinsgrund zu erfüllen und die Gesellschaft mit Wertschöpfung in Gang zu halten, wie Peter Drucker stets betonte.

Sowohl die Covid-Krise als auch der Krieg in Europa stellen die bisherigen Grundprinzipien wirtschaftlichen Handelns infrage. Bisher hatte die Effizienz Vorrang gegenüber Resilienz, Versorgungssicherheit, strategischer Unabhängigkeit und manchmal Wahrung der Menschenrechte. Ein Nährboden, auf dem sich die Globalisierung entwickelt hat. Doch nicht nur Letztere stellen wir nun infrage. Tatsächlich wurde die Managementpraxis, der wir noch immer anhängen, für das Industriezeitalter entwickelt. Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, ist eine Neubewertung auf allen Ebenen notwendig – in der Politik, im öffentlichen Sektor, in der Privatwirtschaft, in gemeinnützigen Organisationen und NGOs.

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