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Wirtschaft

Führung mit Weitblick

1945 1960 1980 2000 2020

Das 11. Drucker-Forum in Wien beschäftigt sich mit der Reform der Führung in Konzernen. Der geistige Vater der Lehre vom Management, Peter F. Drucker, wäre heuer 110 Jahre alt geworden.

1945 1960 1980 2000 2020

Das 11. Drucker-Forum in Wien beschäftigt sich mit der Reform der Führung in Konzernen. Der geistige Vater der Lehre vom Management, Peter F. Drucker, wäre heuer 110 Jahre alt geworden.

Vor 110 Jahren, am 19. November 1909, wurde in Wien Peter F. Drucker geboren. Der 2005 in den USA verstorbene „Erfinder“ des modernen Managements war nicht nur vielgefragter Berater großer Unternehmen und Organisationen, sondern vor allem Autor weltweit verbreiteter „Klassiker“ zu Fragen kluger, verantwortungsvoller Unternehmensführung. Sein lebenslanger Kampf gegen den verbreiteten Irrglauben, dass ungebildet sei, wer sich verständlich ausdrückt, brachte ihm nicht nur viel Anerkennung ein, sondern auch einigen akademischen Neid ob der Tatsache, dass sich seine wichtigsten Werke bis heute in den Bestseller-Listen halten.

Druckers Vater war hochrangiger Beamter im Finanzministerium, seine emanzipierte Mutter wirkte als Ärztin, zu einer Zeit, in der das Medizinstudium für Frauen gerade erst zugänglich wurde. Ihre jüngste Schwester war mit Hans Kelsen, dem Schöpfer der österreichischen Bundesverfassung, verheiratet. Bei allwöchentlichen Gesellschaften in dem von Josef Hoffmann entworfenen Haus am Kaasgraben in Wien-Grinzing traf sich die intellektuelle Elite von damals, von Sigmund Freud über Ökonom Joseph Schumpeter bis zum Komponisten Egon Wellesz.

Vertriebenen-Schicksal

Schon mit 20 Jahren verließ Peter F. Drucker Wien in Richtung Frankfurt, wo er zunächst als Journalist wirkte. 1933 vertrieb ihn das mit der Machtergreifung Hitlers einsetzende antisemitische Kesseltreiben nach London. Von dort aus besuchte er regelmäßig die Seminare des Nationalökonomen John Maynard Keynes in Cambridge. 1939 veröffentlichte er sein erstes Buch und zugleich sein einziges, das sich mit Politik befasste: „The End of Economic Man“. Diese hellsichtige Analyse des in Nationalismen und Faschismen zerfallenden Europa gilt bis heute als Standardwerk der Totalitarismus-Theorie. Winston Churchill verfasste darüber – ein Jahr bevor er englischer Premierminister wurde – eine Rezension, in der er würdigte, dass der Autor „nicht nur eigenständigen Geist besitzt, sondern auch die Gabe, bei anderen Menschen geistvolle Gedankengänge in Bewegung zu setzen“.

Aus seiner in den Dreißigerjahren gewonnenen Erkenntnis, dass Wertschöpfung und erfolgreiches Wirtschaften ohne rechtsstaatlichen Rahmen und Verantwortung für das soziale Ganze nicht funktionieren kann, erklärt sich Druckers lebenslanges Engagement für Management mit Maß. Die ­finanzkapitalistischen Entgleisungen ab den Achtzigerjahren konnte er nicht gutheißen und überzogene Spitzengehälter lehnte er ab. Der durch maßlose Aktienrückkäufe überzogene Kult des „Shareholder-Value“ an den Börsen von heute wäre ihm vermutlich auch zu weit gegangen.

„Freie Marktwirtschaft kann nicht damit gerechtfertigt werden, dass sie gut für die Wirtschaft ist, sie kann nur damit gerechtfertigt werden, dass sie gut für die Gesellschaft ist“: Dieser viel zitierte Satz steht für seine Überzeugung, dass es im Unternehmen eben nicht nur darum geht, alles richtig zu machen, sondern vor allem darum, das Richtige zu tun.

Vor 110 Jahren, am 19. November 1909, wurde in Wien Peter F. Drucker geboren. Der 2005 in den USA verstorbene „Erfinder“ des modernen Managements war nicht nur vielgefragter Berater großer Unternehmen und Organisationen, sondern vor allem Autor weltweit verbreiteter „Klassiker“ zu Fragen kluger, verantwortungsvoller Unternehmensführung. Sein lebenslanger Kampf gegen den verbreiteten Irrglauben, dass ungebildet sei, wer sich verständlich ausdrückt, brachte ihm nicht nur viel Anerkennung ein, sondern auch einigen akademischen Neid ob der Tatsache, dass sich seine wichtigsten Werke bis heute in den Bestseller-Listen halten.

Druckers Vater war hochrangiger Beamter im Finanzministerium, seine emanzipierte Mutter wirkte als Ärztin, zu einer Zeit, in der das Medizinstudium für Frauen gerade erst zugänglich wurde. Ihre jüngste Schwester war mit Hans Kelsen, dem Schöpfer der österreichischen Bundesverfassung, verheiratet. Bei allwöchentlichen Gesellschaften in dem von Josef Hoffmann entworfenen Haus am Kaasgraben in Wien-Grinzing traf sich die intellektuelle Elite von damals, von Sigmund Freud über Ökonom Joseph Schumpeter bis zum Komponisten Egon Wellesz.

Vertriebenen-Schicksal

Schon mit 20 Jahren verließ Peter F. Drucker Wien in Richtung Frankfurt, wo er zunächst als Journalist wirkte. 1933 vertrieb ihn das mit der Machtergreifung Hitlers einsetzende antisemitische Kesseltreiben nach London. Von dort aus besuchte er regelmäßig die Seminare des Nationalökonomen John Maynard Keynes in Cambridge. 1939 veröffentlichte er sein erstes Buch und zugleich sein einziges, das sich mit Politik befasste: „The End of Economic Man“. Diese hellsichtige Analyse des in Nationalismen und Faschismen zerfallenden Europa gilt bis heute als Standardwerk der Totalitarismus-Theorie. Winston Churchill verfasste darüber – ein Jahr bevor er englischer Premierminister wurde – eine Rezension, in der er würdigte, dass der Autor „nicht nur eigenständigen Geist besitzt, sondern auch die Gabe, bei anderen Menschen geistvolle Gedankengänge in Bewegung zu setzen“.

Aus seiner in den Dreißigerjahren gewonnenen Erkenntnis, dass Wertschöpfung und erfolgreiches Wirtschaften ohne rechtsstaatlichen Rahmen und Verantwortung für das soziale Ganze nicht funktionieren kann, erklärt sich Druckers lebenslanges Engagement für Management mit Maß. Die ­finanzkapitalistischen Entgleisungen ab den Achtzigerjahren konnte er nicht gutheißen und überzogene Spitzengehälter lehnte er ab. Der durch maßlose Aktienrückkäufe überzogene Kult des „Shareholder-Value“ an den Börsen von heute wäre ihm vermutlich auch zu weit gegangen.

„Freie Marktwirtschaft kann nicht damit gerechtfertigt werden, dass sie gut für die Wirtschaft ist, sie kann nur damit gerechtfertigt werden, dass sie gut für die Gesellschaft ist“: Dieser viel zitierte Satz steht für seine Überzeugung, dass es im Unternehmen eben nicht nur darum geht, alles richtig zu machen, sondern vor allem darum, das Richtige zu tun.

Erst langsam beginnt sich der einseitig am Aktionärsnutzen ausgerichtete Tunnelblick globaler Konzerne zu weiten.

Peter F. Drucker war Schule-bildend, er prägte die Haltung ganzer Generationen von Führungskräften und fand im gesamten ­angloamerikanischen wie asiatischen Raum auch universitär bleibende Verankerung. In seiner Tradition zu stehen, gilt – noch immer und wieder – als Auszeichnung, gerade angesichts der neuen Fragestellungen im Zusammenhang mit Globalisierung, Digitalisierung und den mehr als vier Jahrzehnte nach Erscheinen des ersten Berichtes des „Club of Rome“ weniger denn je bestreitbaren Grenzen des Wachstums.

Tunnelblick der Führungskräfte

Erst sehr langsam beginnt sich der vor allem im angloamerikanischen Raum allzu einseitig am Aktionärsnutzen ausgerichtete Tunnelblick der Führungskräfte globaler Konzerne zu weiten. Dass sich führende Köpfe der größten amerikanischen Unternehmen im August dieses Jahres dazu durchgerungen haben, ein gemeinsames Bekenntnis zur Mitverantwortung des Managements für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und die gesamte Gesellschaft abzugeben, wird als sichtbares Zeichen für erste Ansätze von Einsicht gewertet.

Der aktuelle Entwicklungsstand zu Fragen verantwortlicher Unternehmensführung lässt sich dank der privaten Initiative des langjährigen IBM-Managers Richard Straub beim kommenden „Global-Peter-Drucker-Forum“ besichtigen. Genügten zu Beginn vor elf Jahren noch die Räumlichkeiten der Indus­triellenvereinigung am Schwarzenbergplatz, füllen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt heute die Hofburg. Angesehene Medien wie das Harvard Business Review und der Economist verschaffen dem Forum die verdiente internationale Aufmerksamkeit.

Die mit der Globalisierung verbundene Beschleunigung nicht nur der wirtschaftlichen, sondern auch der gesellschaftlichen Veränderungen, erfordert ganz im Sinn von Peter F. Drucker mehr denn je, dass Verantwortung für Unternehmen auch als Verantwortung für die Gesellschaft als Ganze verstanden wird. Nur wenn dieser sozialethische Imperativ ernst genommen wird, kann es eine funktionierende Allianz von wirtschaftlicher Wertschöpfung, sozialer Inklusion und ökologischer Vernunft geben.

Global Drucker Forum

The Power of Ecosystems
Management in a Networked World
Hofburg, Wien, 21./22. Nov. 2019
https://www.druckerforum.org