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Mars - © Foto: Pixabay

NASA-Mars-Rover: Trockenübungen für den Roten Planeten

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Die NASA will mit einem unbemannten Mars-Rover den Roten Planeten erforschen.

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Die NASA will mit einem unbemannten Mars-Rover den Roten Planeten erforschen.

"Space is the place", schmetterte der exzentrische Jazz-Künstler Sun Ra in einer seiner endlosen Improvisationen: Es war der bedröhnende Soundtrack zu einem Science-Fiction-Film der 1970er-Jahre, in dem der schwarze Musiker mit seiner Crew auf einem fremden Planeten landet, um dort unterprivilegierte Afroamerikaner anzusiedeln. Das Transportmittel für dieses utopische "Resettlement" ist die Musik. Die Idee, auf einem anderen Planeten zu landen, ist heute schon viel weniger "out of space". Der exzentrische Unternehmer Elon Musk glaubt, bereits im Jahr 2022 einen ersten bemannten Mars-Flug anbieten zu können. Die langwierige Reise -im günstigsten Fall sind es 56 Millionen Kilometer -werden sich dann aber wohl nur sehr betuchte Amerikaner leisten können.

Routen für den Mars-Rover

Zuvor jedenfalls will die NASA mit einem unbemannten Mars-Rover den Roten Planeten erforschen. Um 2020 dort landen zu können, benötigt das Fahrzeug ein sicheres Areal: horizontal, eben und staubfrei muss es sein. Dann soll es eine Landschaft mit magmatischen Felsen erkunden. Vielleicht liefert die NASA-Mission Hinweise auf Wasser, Rohstoffe oder auch auf außerirdisches Leben. Denn zumindest in früheren Zeiten könnten die Bedingungen für die Entstehung von Mikroorganismen gut gewesen sein -als der Mars klimatisch noch weniger lebensfeindlich war.

Um einen guten Landeplatz für den Mars-Rover zu finden, bedarf es eines großen Komitees von Ingenieuren und Wissenschaftern. Diese benötigen meist mehrere Jahre, bis sie dafür Orte identifizieren, die aus wissenschaftlicher Sicht interessant, aber auch sicher sind. Viele Faktoren sind zu beachten: Vielleicht ist das Gelände zu steil zum Aufsetzen oder es gibt dort zuwenig Sonnenlicht für die Solarpaneele des Fahrzeugs. Für diese schwierige Suche werden alle Daten der letzten Mars-Missionen ausgewertet. Forscher am renommierten "Massachusetts Institute of Technology"(MIT) haben nun eine Software entwickelt, die den Experten ihre Entscheidungen stark erleichtern könnten.

"Die Suche wird effizienter, da man rasch mit verschiedenen Szenarien spielen kann", sagt Victor Pancratius, der das Computer-Programm mitentwickelt hat. Ausgehend von Daten über Gelände und Geologie kartografiert die Software mittels "Fuzzy Logic" günstige Landeplätze quer über den Planeten. Das Ergebnis: Eine nach Wahrscheinlichkeiten eingefärbte Karte -dunklere Regionen haben ungünstige, hellere Areale günstige Bedingungen. Auch mögliche Routen und Wegzeiten des Mars-Rovers werden so ausgeschildert.

Künftig könnte diese Technik in autonomen Fahrzeugen zum Einsatz kommen, hofft Pancratius. Dann wäre es rascher möglich, sich auf kritische Situationen einzustellen. Denn die Kommunikation könnte zu lange dauern, wenn die Fahrzeuge stets von der Erde aus gesteuert werden: Zumindest zwanzig Minuten benötigen die Funksignale, um vom Mars auf die Erde und wieder retour zu gelangen. Und sechs bis acht Monate dauert der Marsflug von der Erde, wenn die Distanz zwischen den beiden Umlaufbahnen gering ist. Deshalb ist es wichtig, dass die technischen Geräte vor Ort reibungslos funktionieren.

Eintauchen in virtuelle Realität

Auch an der Universität Bremen beschäftigt man sich mit dem großen Thema Mars-Mission. Forscher entwickeln dort eine detailgetreue Simulation von 40 Quadratkilometern Mars-Oberfläche. Die vorbereitende Studie für das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) hat das Ziel, in einer künftigen Mission die "Mariner-Täler" auf dem Mars zu erkunden. Mit einer Ausdehnung von 4000 Kilometern und einer Tiefe von bis zu 10.000 Metern bilden diese das größte Canyon-Geflecht des ganzen Sonnensystems.

Hinweise auf primitives Leben vermuten die Forscher am ehesten in den schwer zugänglichen Nischen des Canyons. Ein ganzer Schwarm autonom organisierter Roboter soll daher zum Einsatz kommen und sich fahrend, fliegend oder laufend den Weg bahnen. Zu Testzwecken bauen die Bremer Forscher einen großen Teil der Marslandschaft im virtuellen Raum nach und programmieren Schnittstellen zu den autonomen Robotersystemen. Mithilfe einer "Virtual Reality"-Brille kann man in das Szenario einsteigen.

Auch das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) probt auf der Erde. Die Mars-Simulationen werden vorzugsweise in Wüsten durchgeführt, zuletzt im Frühjahr im Oman. Bisher haben die Analog-Astronauten im Raumanzug "Aouda" ihre Tests durchgeführt.

Nun wird mit "Serenity" ein neuer Prototyp entwickelt. Bei einer Mars-Simulation im Jahr 2020 soll er erstmals zum Einsatz kommen, wie ÖWF-Chef Gernot Grömer kürzlich berichtete. Bis zu drei Stunden dauerte es, bis "Auoda" in einer mehrstufigen Prozedur angelegt war. Mit dem neuen Modell soll es nur noch halb so lange dauern, denn nun kann man von hinten in den Anzug steigen. Die Astronauten docken den Anzug außen am Habitat an, um durch eine Schleuse hineinzuschlüpfen, so Grömer: "Die gewonnene Zeit kann für Experimente genutzt werden." Sun Ra, der 1993 verstorbene Künstler, hätte wohl seine futuristische Freude gehabt.

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