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Wieder so stabil wie der Schilling?

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Die Geburt des "real existierenden Euro"wird vermutlich schwieriger werden als erwartet. Vor allem die psychologischen Barrieren sind groß.

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Die Geburt des "real existierenden Euro"wird vermutlich schwieriger werden als erwartet. Vor allem die psychologischen Barrieren sind groß.

Jetzt wird es ernst. In wenigen Monaten werden wir in Österreich wie in elf weiteren Mitgliedstaaten der Europäischen Union nur noch Euro erhalten und in Euro bezahlen können. Lediglich Großbritannien, Schweden und Dänemark bleiben vorerst bei ihren nationalen Währungen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern infolge fehlender Akzeptanz durch das Volk.

Auch wenn die Haltung einer großen Mehrheit der österreichischen Bevölkerung zum Euro positiv ist und die Zahl der Skeptiker nach Umfragen der EU-Vertretung in Österreich abnimmt, dürfen das Unbehagen und die Anfangschwierigkeiten bei der Umstellung selbst und die Sorge bei der Einschätzung der mittel- und langfristigen Auswirkungen, die eine gemeinsame Währung mit sich bringt, nicht beiseite geschoben werden.

Um das Wichtigste an die Spitze zu stellen: Eine vor allem in der älteren Generation verbreitete Angst, der Umtausch würde zu einem Geldwertverlust führen, ist jedenfalls völlig unbegründet. Diese Gefahr besteht nicht.

Was Anfang 2001 erfolgt, unterscheidet sich in nichts von dem, was vor jeder Auslandsreise geschieht: Man wechselt Geld, kauft fremde Währung zu einem festgelegten Kurs. Die Einführung des Euro ist keine "Währungsreform", wie wir sie in Österreich nach den beiden Weltkriegen zweimal (1923 und 1947) leidvoll erleben mussten, sie ist eine "Währungsumstellung". Währungsreformen vernichten Geldvermögen, um eine galoppierende Inflation in den Griff zu bekommen; sie ist der einzige Weg, um zu einer stabilen Währung zurückkehren und die Bewirtschaftung lebenswichtiger Güter aufgeben zu können. Galoppierende Inflation - wie etwa im heutigen Jugoslawien - entsteht, wenn der Geldmenge kein entsprechendes Warenangebot mehr gegenübersteht. Das ist in keinem Land der Europäischen Union der Fall. Der Euro ist die gemeinsame Währung hochentwickelter EU-Mitglieder mit funktionierender Marktwirtschaft und außerordentlich niedriger Teuerungsrate.

Wie aber sieht es mit der Stabilität des Euro in der Zukunft aus?

Dass diese Frage gerade in Österreich mit Nachdruck gestellt wird, ist verständlich. Schließlich gehörte der Schilling viele Jahre lang mit der D-Mark, dem Hollandgulden und dem Schweizer Franken zu den stärksten Währungen der Welt. Das gilt, wie die Kursentwicklung seit der Einführung der gemeinsamen europäischen Währung zeigt, für den Euro nicht mehr. Tatsächlich hat der Euro etwa gegenüber dem Dollar um nahezu ein Viertel seines Werts verloren. Zwar glauben viele Experten, dass der Kurs des Euro in absehbarer Zeit von derzeit 88 bis 90 Cent auf einen Dollar steigen könnte, doch sicher ist das nicht. Die Schwäche des Euro seit seiner Einführung ist neben europäischen Versäumnissen in der Struktur-, Sozial- und Budgetpolitik vor allem auf die Stärke der Wirtschaft der USA zurückzuführen, deren seit vielen Jahren ungewöhnlich hohes Wirtschaftswachstum erst jetzt wieder rückläufig ist.

Die Auswirkungen des Außenwerts des Euro auf das letztlich ausschlaggebende Preisniveau sind aus zwei Gründen gering: Erstens wird der weitaus größte Teil des Warenverkehrs innerhalb der Eurozone abgewickelt. Zweitens werden höhere Importpreise etwa aus dem Dollarraum durch Angebote aus EU-Ländern ausgeglichen, die durch den verstärkten Wettbewerb infolge fortschreitender Integration preisgünstiger werden.

Die Geburt des "real existierenden Euro" wird vermutlich schwieriger sein als viele erwarten. Der Gewöhnungsbedarf ist groß, die psychologische Barriere gegenüber dem neuen Geld hoch. Jeder, der längere Zeit im Ausland lebte weiß, wie lange es dauert, bis man in einer bisher ungewohnten Währung zu rechnen gelernt hat. Dazu kommt, dass der Umrechnungsschlüssel gerade für Österreich kompliziert ist ( 100 Schilling = 7,27 Euro, 100 Euro = 1.376 Schilling). Lästig ist auch die kommende Flut an Euromünzen, die kleinste Banknote hat einen Nominalwert von fünf Euro, also über 70 Schilling. Ein dicker Geldbeutel mit wenig Geld wird sich nur durch bargeldlosen Einkauf (Kontokarten) vermeiden lassen. Auch hier ist Flexibilität beim Konsumenten wie bei der Wirtschaft gefordert. Die Einführung des Euro ist mit hohen, allerdings nur einmal anfallenden Kosten verbunden. Der gesamte Aufwand wird auf 12 bis 14 Milliarden Schilling geschätzt. Die Hälfte davon entfällt auf die Banken.

Ganz ohne Ärger wird die Umstellung also nicht zu erwarten sein.

Die Vorteile einer einheitlichen Währung sind nicht nur bei Reisen in Euroländer gegeben - kein Umtausch in Valuten und Devisen ist mehr notwendig. Vor allem Klein- und Mittelbetriebe profitieren vom Euro. Sie konnten - anders als die Transnationalen Konzerne - nicht das bisher bestehende Wechselkursrisiko durch eine weltweite Differenzierung ihrer Produktstandorte und Absatzmärkte vermindern.

Auf der Importseite erleichtert der Euro den Einkauf im Ausland und macht Vormaterialien billiger. Der Wettbewerb und das Kostenbewusstsein des Konsumenten, nicht staatliche Kontrollen werden dafür zu sorgen haben, dass diese Preisvorteile an ihn weiter gegeben werden.

Details: Ein Gewicht wie der Eiffelturm Die organisatorischen Anforderungen der Währungsumstellung sind gewaltig. So müssen - um ein Beispiel zu nennen - 700.000 Einkaufswagen der Supermarktketten, 150.000 Verkaufsautomaten und 40.000 Kaffeeautomaten umgerüstet werden. Nicht weniger stark ist das gesamte Rechnungswesen betroffen.

Der Erstbedarf an Euro-Banknoten liegt in Österreich bei 340 Millionen Stück, insgesamt werden bis 2002 etwa 1,5 Milliarden Euro-Münzen für Österreich zur Verfügung stehen. Alleine das Gesamtgewicht aller österreichischen Euro- und Cent-Münzen entspricht dem der Stahlkonstruktion des Eiffelturms in Paris.

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