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Ausstellung

Ägypten, ein Farbenrausch

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Bildband über Museums-Schätze setzt neue Maßstäbe. .

1945 1960 1980 2000 2020

Ein Bildband über Museums-Schätze setzt neue Maßstäbe. .

Wir fahren nicht mehr voll der Neugierde, was wir sehen werden, in die großen Museen, sondern sind vorher über alles informiert und kommen gut vorbereitet. Und das ist gut, denn was dabei an Spontaneität verloren geht, wird durch die Vertiefung der Eindrücke und durch den gezielten Blick auf Einzelheiten mehr als aufgewogen. Ganz abgesehen von wichtigen Objekten, die dem Unvorbereiteten in Hektik und Gedränge oft ganz einfach entgehen.

Von diesem Trend leben die Museumsbücher. Trotz der Fülle dessen, was auf diesem Gebiet erscheint, sticht nun der Band über das Ägyptische Museum in Kairo ganz stark aus der Menge heraus. Er fällt schon durch sein schieres Volumen auf. Nimmt, schlägt man ihn auf, für Stunden gefangen. Einerseits kein Wunder angesichts der Objekte, die kein Meister fotografieren muss, damit sie wirken. Nun aber sehen wir die in Kairo versammelten ägyptischen Altertümer mit dem Blick eines einzigen Fotografen. Das Ergebnis ist ein Quantensprung der Darstellung. Wer sich vor einem Besuch des Museums diesen Bildern hingibt, wird es wie einen Tempel betreten. Der es ja ist.

Bis vor kurzem sah der Museumsbesucher oft weniger als auf einem guten Foto. Vor kurzem wurde die Beleuchtung der Objekte verbessert, mit welchem Ergebnis, wissen wir nicht. Die beste Abbildung kann nie den Augenschein ersetzen, zeigt aber vieles deutlicher. Vor allem bei kleinen Objekten wie Schmuckstücken in den von Besuchern belagerten (und seit neuestem schussfesten) Vitrinen. In diesem Werk sind die Schmuckstücke aus dem Grab des Tutanchamun in höchster Qualität vergrößert abgebildet. Vergleicht man sie mit späteren Objekten, etwa aus dem Schatz von Tanis, erkennt man erst das volle Ausmaß der Verluste, welche die Grabräuber aller Epochen der Menschheit zugefügt haben. Heute wird Edelmetall aus ausgeraubten Gräbern wenigstens nicht mehr eingeschmolzen, sondern gelangt auf den schwarzen Kunstmarkt.

Die Meisterschaft der Goldschmiede in der Zeit Tutanchamuns (er herrschte von 1333 bis 1323 vor Christus) wurde in Ägypten kaum je wieder erreicht, übertroffen wurde sie in späteren Dynastien nie. Es muss zumindest gleichwertige Gräber gegeben haben, denn ein bedeutender Herrscher war der in jungen Jahren in seinen 110 Kilogramm schweren Sarg aus massivem Gold Gebettete ja nicht.

Den bedeutenderen Ramses II., der ein Menschenalter nach Tutanchamun höchstwahrscheinlich ebenfalls in einem Goldsarg beigesetzt worden war, bettete man später in den Holzsarg eines anderen Königs, um ihn im Mumienversteck von Deir el-Bahari vor den Grabräubern in Sicherheit zu bringen. Der Grabraub war die Kehrseite des prunkvollen Totenkults.

Ein Band, der dem Genre der Bücher über Museumsschätze neue Maßstäbe setzt, über eine geheimnisvolle Kultur, die seit Jahrhunderten fasziniert. Kleinobjekte und gewaltige Statuen mit gleicher Meisterschaft fotografiert und von einer Riege ausgewiesener Experten interpretiert. Sehr preiswert angesichts des Gebotenen, ein Geschenk, das sich sehen lassen kann.

Die Schatzkammer Ägyptens Die berühmte Sammlung des Ägyptischen Museums in Kairo. Von Francesco Tiradritti (Hg.) und Araldo De Luca (Fotos). Frederking & Thaler, München 2000. 416 Seiten, durchgehend in Farbe, Großformat, Schuber, bis 31.12. öS 934,-/e 67,88, dann öS 1080,-/e 78,49

Wir fahren nicht mehr voll der Neugierde, was wir sehen werden, in die großen Museen, sondern sind vorher über alles informiert und kommen gut vorbereitet. Und das ist gut, denn was dabei an Spontaneität verloren geht, wird durch die Vertiefung der Eindrücke und durch den gezielten Blick auf Einzelheiten mehr als aufgewogen. Ganz abgesehen von wichtigen Objekten, die dem Unvorbereiteten in Hektik und Gedränge oft ganz einfach entgehen.

Von diesem Trend leben die Museumsbücher. Trotz der Fülle dessen, was auf diesem Gebiet erscheint, sticht nun der Band über das Ägyptische Museum in Kairo ganz stark aus der Menge heraus. Er fällt schon durch sein schieres Volumen auf. Nimmt, schlägt man ihn auf, für Stunden gefangen. Einerseits kein Wunder angesichts der Objekte, die kein Meister fotografieren muss, damit sie wirken. Nun aber sehen wir die in Kairo versammelten ägyptischen Altertümer mit dem Blick eines einzigen Fotografen. Das Ergebnis ist ein Quantensprung der Darstellung. Wer sich vor einem Besuch des Museums diesen Bildern hingibt, wird es wie einen Tempel betreten. Der es ja ist.

Bis vor kurzem sah der Museumsbesucher oft weniger als auf einem guten Foto. Vor kurzem wurde die Beleuchtung der Objekte verbessert, mit welchem Ergebnis, wissen wir nicht. Die beste Abbildung kann nie den Augenschein ersetzen, zeigt aber vieles deutlicher. Vor allem bei kleinen Objekten wie Schmuckstücken in den von Besuchern belagerten (und seit neuestem schussfesten) Vitrinen. In diesem Werk sind die Schmuckstücke aus dem Grab des Tutanchamun in höchster Qualität vergrößert abgebildet. Vergleicht man sie mit späteren Objekten, etwa aus dem Schatz von Tanis, erkennt man erst das volle Ausmaß der Verluste, welche die Grabräuber aller Epochen der Menschheit zugefügt haben. Heute wird Edelmetall aus ausgeraubten Gräbern wenigstens nicht mehr eingeschmolzen, sondern gelangt auf den schwarzen Kunstmarkt.

Die Meisterschaft der Goldschmiede in der Zeit Tutanchamuns (er herrschte von 1333 bis 1323 vor Christus) wurde in Ägypten kaum je wieder erreicht, übertroffen wurde sie in späteren Dynastien nie. Es muss zumindest gleichwertige Gräber gegeben haben, denn ein bedeutender Herrscher war der in jungen Jahren in seinen 110 Kilogramm schweren Sarg aus massivem Gold Gebettete ja nicht.

Den bedeutenderen Ramses II., der ein Menschenalter nach Tutanchamun höchstwahrscheinlich ebenfalls in einem Goldsarg beigesetzt worden war, bettete man später in den Holzsarg eines anderen Königs, um ihn im Mumienversteck von Deir el-Bahari vor den Grabräubern in Sicherheit zu bringen. Der Grabraub war die Kehrseite des prunkvollen Totenkults.

Ein Band, der dem Genre der Bücher über Museumsschätze neue Maßstäbe setzt, über eine geheimnisvolle Kultur, die seit Jahrhunderten fasziniert. Kleinobjekte und gewaltige Statuen mit gleicher Meisterschaft fotografiert und von einer Riege ausgewiesener Experten interpretiert. Sehr preiswert angesichts des Gebotenen, ein Geschenk, das sich sehen lassen kann.

Die Schatzkammer Ägyptens Die berühmte Sammlung des Ägyptischen Museums in Kairo. Von Francesco Tiradritti (Hg.) und Araldo De Luca (Fotos). Frederking & Thaler, München 2000. 416 Seiten, durchgehend in Farbe, Großformat, Schuber, bis 31.12. öS 934,-/e 67,88, dann öS 1080,-/e 78,49