7027280-1989_16_13.jpg
Digital In Arbeit

Wer hat Angst vor Bits und Bytes ?

Das Kindesalter der Computerzeit ist in Österreich vorbei. Es scheint, daß wir uns mm der Pubertät nähern, und zwar mit all ihren Schwierigkeiten. Viele kleine und große Betriebe benützen bereits Computer, um rationeller arbeiten zu können. Für viele andere Firmen stellt sich jetzt die Frage: Soll man, oder soll man nicht einen Computer einführen, um die tägliche Routinearbeit zu erleichtern? Viele kaufen zunächst ein Gerät und suchen dann die Anwendung. Genau das ist die verkehrte Vorgangsweise.

Computer - was ist denn das? Zunächst also einmal zur ganz einfachen Frage. Was ist denn überhaupt ein Computer? Vorerst einmal ein „neuhochdeutscher“ Begriff. Ein Name für ein Gerät, das in zunehmendem Maße unsere Welt verändert. Schlicht übersetzt: ein Rechner. Von Elektronengehirn über Roboter bis hin zur InteUigenzmaschine sind alle möglichen Deutungen aus der utopischen Literatur übernommen worden. Am ehesten aber stimmt: ein Datenverarbeiter.

Datenverarbeiter Hier liegt der springende Punkt. Ein Computer verarbeitet Daten. Und das ist ein großer Unterschied zu Information. Daten sind Signale, Fakten, Erscheinungsbilder unserer Umgebung, ein ungeordnetes Material, das imun-terbrochen auf uns einströmt. Sein Informationswert entsteht erst durch Aufnahme, Umsetzung, Analyse und Zuordnimg, also durch intelligente Handlungen.

Lösungen anstelle von Problemen

Hier setzt auch bereits der erste große Fehler an, der uns immer wieder begegnet. Der „unschuldige“ Anwendungsaspirant vermutet im Computer einen Lösungsweg für sein jeweiliges Problem und ist bitter enttäuscht, wenn er anstelle von Lösungen neue Probleme dazubekommt.

Ein Computer ist keineswegs intelligent. Er ist ein Ding, ein Werkzeug. Seine „Intelligenz“ bezieht er von dem Menschen, der ihn erfunden hat, der ihn benützt. Er ist kein Problemloser von sich aus, er kann daher aber auch kein „Blechtrottel“ sein, wie ihn manche nennen, die offensichthch selbst nicht über den Zusammenhang der Dinge nachdenken.

Istzustands-Erhebung

Es geht also um Probleme, die der Anwender sieht und die er gerne gelöst hätte. Nun, darüber muß er sich zuerst eiiunal bewußt sein. Vor der Einführung eines Computers ist es unbedingt erforderUch, eine SoU-Ist-Gegenüberstellung durchzuführen. Zuerst die tatsächlichen Gegebenheiten der Firma, einer Abteilung oder eines Teilbereiches zu analysieren, die Datenmengen und -ablaufe festzuhalten. Das muß gar nicht so kompliziert sein, wie es sich hier liest. Einfach einmal nachdenken und den Zustand zu Papier bringen - das ist oftmals schon genug. In manchen Bereichen kann es aber auch sehr kompliziert sein.

Sollkonzept erstellen

Danach beginnt der angenehme Zustand des Wünschens und Träumens. Meint man zumindest. In Wirklichkeit ist die Erstellung eines Sollkonzeptes meist eine sehr kreative, aber ziemlich mühsame Tätigkeit, die viel Wissen voraussetzt. Dabei ist es sicherlich am besten, sich beraten zu lassen. Ein Unternehmensberater, ein Systemhaus oder eine erfahrene Softwarefirma kommen dafür am ehesten in Frage. Übrigens, die Wirtschaftsförde-rungsinstitute stehen hier ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite, wenngleich sie auch nicht die gesamte Computerberatung übernehmen können. Selbst wenn mehr investiert werden muß, als es so mancher „Hardseller“ vorgaukelt - es gibt in jeder Branche schwarze Schafe -, so ist dies die wichtigste Phase bei der Einführung eines Computers. Und es muß einfach etwas kosten.

Schulung und Einführung

Die in der Nonfood-Abteilung eines Supermarktes über den Ladentisch verkaufte Software, die im „Pfusch“ von einem Studenten erstellte Billigstlösung, die widerrechtlich kopierte Anwendung

— sie alle sind in weiterer Folge viel teurer als eine von einem gewerbeberechtigten Datenverarbeiter ordentlich durchgeführte Computerinstallation. Dazu gehören die Schulung und eine der Problematik entsprechende Einführung - von Handbüchern über Gebrauchsanleitungen und Hinweisen für Störungsbehebungen, sowie schriftliches Material über Zusammenhänge und Organisation. All das kann eben nur der erfahrene Fachmann bieten. Hier

- wie überall - gilt: Wer billig kauft, kauft teuer. Lange Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet haben mich zu dieser Uberzeugung gebracht.

Entgegen der von einigen besonders Geschäftstüchtigen propagierten Meinung kostet EDV immer noch soviel Geld, daß man es sinnvoll einsetzen sollte. Sonst ist es rein zum Fenster hinausgeworfen. Viele zu Spielgeräten für den hoffnungsvollen Sprößling herabgekommene PC’s zeugen davon.

Angst vor dem Computer Angst vor dem Computer ist sinnlos. Er ist ein Hilfsmittel zur Bewältigung von Rationalisierungsproblemen. Angst vor einem Werkzeug kann nur jemand haben, der sich damit nicht genügend auseinandergesetzt hat und nicht gelernt hat, damit umzugehen.

Wir leben aber nun einmal in einer Zeit, in der sich innerhalb einer Generation die Welt so grundlegend verändert, daß das Mitlernen einfach eine Uberlebensfrage für Betriebe geworden ist. So, wie es früher war, daß nach der Meisterprüfung oder ähnlichen Ausbildungswegen die Mittel und Methoden für den Rest des Lebens gleichgebUeben sind, ist es nicht mehr. Der Selbständige im ausgehenden 20. Jahrhundert myß mit der Zeit gehen - sonst muß er mit der Zeit „gehen“.

Aber auch das braucht keine Angst zu erwecken. Die Computer, um eine derart raschlebige Zeit zu bewältigen, sind schon erfunden. Es wird ununterbrochen daran gearbeitet, sie und ihre Anwendung zu verbessern.

Der Autor ist Beruf sęruppen-Obmann der Datenverarbeiter in Wien.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau