#Pius XII.

Pius XII.

Religion

Die bis heute quälende Frage um Pius XII.

1945 1960 1980 2000 2020

Warum hat Pius XII. geschwiegen? Warum wurde das Volk der Bibel allein gelassen?

1945 1960 1980 2000 2020

Warum hat Pius XII. geschwiegen? Warum wurde das Volk der Bibel allein gelassen?

Rolf Hochhuths Schauspiel "Der Stellvertreter" erschien erstmals 1963. Der Vorspann lautete: "Zum Gedenken. Pater Maximilian Kolbe. Häftling Nr. 16670 in Auschwitz. Prälat Bernhard Lichtenberg. Dompropst zu St. Hedwig, Berlin." Zwei Jahre später erschien Saul Friedländers "Pius XII. und das Dritte Reich. Eine Dokumentation. Mit einem Nachwort von Alfred Grosser". Vorspann: "Dem Gedenken meiner in Auschwitz ermordeten Eltern."

Schon 1963 erschien die von Fritz Raddatz herausgegebene Dokumentation ,Summa iniuria oder Durfte der Papst schweigen? Hochhuths Stellvertreter in der öffentlichen Kritik", eine Sammlung von Stellungnahmen zu Hochhuths Stellvertreter von Friedrich Luft, Carl Zuckmayer, Martin Walser, Ludwig Marcuse, Martin Niemöller, Carl Amery, P. Robert Leiber SJ, Friedrich Heer, Rolf Hochhuth, August Maria Knoll, Otto Dibelius, Helmut Gollwitzer, Sebastian Haffner und anderen, eine Sammlung von Kritik und Verteidigung der Haltung Papst Pius' XII. zur Vernichtung europäischen Judentums durch Hitler-Deutschland.

Rolf Hochhuths Schauspiel "Der Stellvertreter" erschien erstmals 1963. Der Vorspann lautete: "Zum Gedenken. Pater Maximilian Kolbe. Häftling Nr. 16670 in Auschwitz. Prälat Bernhard Lichtenberg. Dompropst zu St. Hedwig, Berlin." Zwei Jahre später erschien Saul Friedländers "Pius XII. und das Dritte Reich. Eine Dokumentation. Mit einem Nachwort von Alfred Grosser". Vorspann: "Dem Gedenken meiner in Auschwitz ermordeten Eltern."

Schon 1963 erschien die von Fritz Raddatz herausgegebene Dokumentation ,Summa iniuria oder Durfte der Papst schweigen? Hochhuths Stellvertreter in der öffentlichen Kritik", eine Sammlung von Stellungnahmen zu Hochhuths Stellvertreter von Friedrich Luft, Carl Zuckmayer, Martin Walser, Ludwig Marcuse, Martin Niemöller, Carl Amery, P. Robert Leiber SJ, Friedrich Heer, Rolf Hochhuth, August Maria Knoll, Otto Dibelius, Helmut Gollwitzer, Sebastian Haffner und anderen, eine Sammlung von Kritik und Verteidigung der Haltung Papst Pius' XII. zur Vernichtung europäischen Judentums durch Hitler-Deutschland.

Was hat Pius XII., was hat die katholische Kirche für die Juden getan?

Seitdem sind viele Bücher zum Thema "Katholische Kirche und Holocaust" erschienen. Zuletzt, 2002, das umfangreichste, wissenschaftlichste und deshalb wohl auch das schärfste von Daniel Jonah Goldhagen "Die katholische Kirche und der Holocaust. Eine Untersuchung über Schuld und Sühne".

Dabei geht es immer um die Frage: Was hat Pius XII., was hat die katholische Kirche für die Juden getan? Pater Maximilian Kolbe ist mit jüdischen Kindern in die Gaskammer gegangen, viele Priester, Nonnen und Laien haben Juden geholfen, ihnen das Leben gerettet. Als Rom von der Deutschen Wehrmacht besetzt war, wurden Juden in der Vatikanstadt versteckt.

Papst Pius XlI. hat Hunderte von Protestnoten nach Berlin wegen Verletzung des Reichskonkordats von 1933 geschickt. Sie blieben unbeantwortet, aber man kann sie in der mehrbändigen Edition von vier Jesuiten, Italienern und Deutschen, nachlesen. Ein Protest gegen den Holocaust, über den der Papst und die meisten Bischöfe informiert waren, findet sich nicht darunter. Das ist das zentrale Problem, das Juden, Katholiken und Wissenschafter bis heute beschäftigt.

Die vermutlich zutreffendste Antwort ist, dass der Papst die Kirche und die Katholiken schützen wollte, die in der NS-Zeit verfolgt wurden und deren Vernichtung nach dem ,Endsieg" beschlossene Sache war. Pius XII. war nach dem Ersten Weltkrieg Nuntius in Bayern gewesen, er hat die Deutschen geschätzt und schließlich zweifelsohne den Bolschewismus mehr gefürchtet als den Nationalsozialismus.

Kardinal Innitzer hat sich in Wien verzweifelt um Visa für Juden bemüht, hat im Erzbischöflichen Palais eine Hilfsstelle für konvertierte Juden eingerichtet, viele Bischöfe und Priester in ganz Europa haben Juden geholfen, viele österreichische Priester haben allerdings noch in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts erklärt, sie hätten vom NS-Massenmord an den Juden nichts gewusst. Verzweiflung damals, Hass bis heute erfüllt viele Juden wegen des Schweigens des Papstes, des "Stellvertreters" Christi, über die Vernichtung von Millionen Juden, allein in Österreich über 65.000.

Die Verfasserin dieser Zeilen hat von ihren zwei besten Freundinnen, beide so genannte "Mischlinge" und vor einigen Jahren gestorben, gewusst, was mit den in den Osten deportierten jüdischen Verwandten geschehen ist - sie wurde beschworen, darüber zu schweigen. Im anderen Fall wären die Familien ihrer Freundinnen und sie selbst in höchste Gefahr geraten.

Der spätere Papst Johannes XXIII., damals Nuntius in der Türkei, hat Juden gerettet. Pius XII. hat während der deutschen Besatzung Roms Juden in Klöstern verstecken lassen, aber öffentlich schwieg er. Antisemit, wie in neuester kritischer Literatur behauptet wird, war er - zumindest nach der Überzeugung der Verfasserin - nicht. Der jetzige Papst Johannes Paul II. nimmt nach den Berichten des früheren Europa-Direktors von B'nai Brith, Ernst Ludwig Ehrlich, besonderen Anteil am Schicksal der Juden. Ob ein öffentlicher Protest Pius' XII. die Juden gerettet hätte, ist wohl nicht anzunehmen. Dennoch bleibt die nicht nur Katholiken bis heute noch quälende Frage: Warum hat Pius XII. geschwiegen? Warum wurde das Volk der Bibel allein gelassen?