Judenstein_Anderl2 - © Wikimedia  -  Ritualmordlegende: Darstellung der vermeintlichen Ermordung des Anderl von Rinn in der Kirche am Judenstein in Rinn/Tirol (1961 entfernt)

Karfreitagsfürbitte "für" die Juden: Vorwärts, wir gehen zurück!

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Nach Jahrzehnten des Gesprächs wird ein theologischer Dialog der freundlichen Oberflächlichkeit schlicht langweilig und überflüssig. Zornige jüdische Anmerkungen zum - derzeitigen - Verhältnis zur katholischen Kirche.

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Nach Jahrzehnten des Gesprächs wird ein theologischer Dialog der freundlichen Oberflächlichkeit schlicht langweilig und überflüssig. Zornige jüdische Anmerkungen zum - derzeitigen - Verhältnis zur katholischen Kirche.

Ich wurde in Innsbruck geboren. Meine Eltern hatten die letzten beiden Jahre des Krieges oberhalb der Schneegrenze in den Ötztaler Alpen überlebt. Nahe Innsbruck liegt Judenstein, das eine Geschichte erzählt, die aufs engste mit einer Theologie des Karfreitags verbunden ist, wie sie nun einmal in der katholischen Kirche bis zum Schock von Auschwitz beheimatet war.

Es ist eine Ritualmordlegende. In grausamsten Bildern und Personengruppen wurde die Ermordung des armen Tagelöhnerknaben Andreas (Anderl) von Rinn illustriert. Ein Jude reckt das Messer hoch, ein anderer hält den Kelch, um das Blut aufzufangen, und der gedruckte Kirchenführer - der erste, de nach dem Dritten Reich erscheinen darf - klärte mit bischöflicher Imprimatur versehen den Besucher auf, dass durchreisende jüdische Kaufleute das Kind der Tagelöhnerfamilie aus Hass auf Christus gemartert und getötet hätten. In dieser Region wurde ich geboren! Die Wirkung dieser Legende war so stark, dass meine Eltern aus dem schönen Tirol flüchten mussten, als meine Einschulung nahte.

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