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Wirtschaft

Weltwirtschaft und Corona: Neue Alternativen

1945 1960 1980 2000 2020

Wie soll sich die Weltwirtschaft von der Coronakrise erholen. Die Schäden sind enorm und steigen immer noch an. Aber wenn man es  langfristig sieht, war die Wirtschaft schon vor der Pandemie schwer krank. Ein neues Buch entdeckt Alternativen.

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Wie soll sich die Weltwirtschaft von der Coronakrise erholen. Die Schäden sind enorm und steigen immer noch an. Aber wenn man es  langfristig sieht, war die Wirtschaft schon vor der Pandemie schwer krank. Ein neues Buch entdeckt Alternativen.

Die Versuchung ist groß, nach der Eindämmung des Virus die Wirtschaft einfach wieder hochzufahren, wie bei einem Computer einfach die „Reset“Taste zu drücken. Doch die Probleme, die bereits vor der Coronakrise bestanden, insbesondere der ökologische Raubbau, sind durch das Virus nicht verschwunden. Wir brauchen Neuansätze des Wirtschaftens und Konsumierens. Um im Bild zu bleiben – wir brauchen neue Betriebssysteme und Softwares. Anregungen dazu bietet ein Buch mit dem Titel „All You Need Is Less“ – in bewusster Anspielung auf den Slogan der 1968er Jahre und den Beatles-Song „All You Need Is Love“.

Nach seiner breit rezipierten Streitschrift „Befreiung vom Überfluss“ und dem differenzierten Streitgespräch mit dem mittlerweile verstorbenen SPD-Vordenker Erhard Eppler „Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution …“ hat Niko Paech nun ein Buch mit einem weiteren Kollegen verfasst, und zwar mit dem Buddhismus-Experten Manfred Folkers. „All You Need Is Less“ spürt, wie der Untertitel des Bandes zeigt, einer „Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht“ nach. In zwei getrennten Teilen legen Folkers und Paech jeweils ihre Sichtweisen dar. Zwei Interviews am Anfang und Ende des Buches geben den beiden die Möglichkeit zum direkten Dialog.

Gemeinsame Überzeugungen

Das Verbindende der Autoren ist die Überzeugung, dass es so nicht weitergehen kann und der Weg in eine Postwachstumsökonomie zu beschreiten sei. Folkers argumentiert mit menschlichen Haltungen und Einstellungen, die hinter den Problemen wie Klimawandel, Artensterben oder dem Auseinanderklaffen von Arm und Reich liegen. Gier und der Drang nach immer mehr, Konkurrenz und das Einander-Ausspielen sowie schließlich die Verleugnung der Folgen unseres Tuns nennt er als zentrale Ursachen. Diese zu überwinden und zu ersetzen durch die Werte der Kooperation, Achtsamkeit und Wachsamkeit sei der Anfang zur Umkehr.

Solange wir den Fokus allein auf die zerstörerischen Folgen unseres Wirtschafts- und Lebensstils richten oder abstrakt auf ein zerstörerisches System, und nicht auf die Ursachen, würden wir keine Veränderung erreichen, so Folkers: „Wer sich dieses System als ,Kapitalismus‘ vorstellt und definiert, reduziert die Beteiligten zu Objekten eines nach mathematischen Regeln funktionierenden Kreislaufs aus Waren und Werten“ (S. 58). Ein Ausweg sei nur in Sicht, „wenn sich viele einzelne Menschen entschließen, ihr Alltagsverhalten zu überprüfen, es neu auszurichten und entsprechend zu verwirklichen“ (S. 86). Jeder und jede sei wichtig: „Weil jeder einzelne Mensch ein Teil der Probleme ist, ist er auch Teil der Lösungen.“ Folkers fordert zwar von den Wirtschaftswissenschaften die Entwicklung einer Ökonomie, die sich an den Antriebskräften „Verantwortung, Solidarität und Streben nach Glück“ ausrichtet (was der Ansatz der Gemeinwohlökonomie bereits tut, Anm. HH), im Zentrum müsse jedoch die Veränderung durch Menschen, wenn auch im gemeinsamen Handeln, stehen: „Alternative Wirtschaftsmodelle und deren Begründungen enthalten zwar jede Menge Vorschläge für mögliche Aus- wege – entscheidend bleibt aber deren reale Umsetzung durch viele Einzelne beziehungsweise letztlich alle Menschen. Der Auftrag lautet dabei für alle gleich: üben, üben, üben.“