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Papst verspricht: Missbrauch darf nicht mehr vorkommen

* Zum Abschluss des Priesterjahres entschuldigte sich der Papst in Rom erneut für die Missbrauchsaffären. In Österreich und Deutschland bleibt das Thema auf dem Tapet.

A ls spirituelle Erneuerung und Selbstvergewisserung hatte Benedikt XVI. das „Jahr des Priesters“ gedacht, das am vergangenen Freitag zu Ende ging. Doch die Missbrauchsaffären von Irland und den USA bis nach Mitteleuropa machten diese Intention zunichte. Beim Abschlussgottesdienst auf dem Petersplatz in Rom sprach Benedikt XVI. in Anwesenheit von 15.000 Priestern in weißer Albe das Thema erneut an – ein symbolträchtiger Ort, hatte doch am Ostersonntertag Kardinaldekan Angelo Sodano hier Empörung ausgelöst, weil er die Missbrauchsdebatte als „Geschwätz“ apostrophiert hatte. Der Papst sagte hingegen: „Wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen .“

Mit dem Priesterjahr habe, so der Papst, die Kirche um „Arbeiter in der Ernte Gottes bitten“ wollen. Aber: „Es war zu erwarten, dass dem bösen Feind dieses neue Leuchten des Priestertums nicht gefallen würde, das er lieber aussterben sehen möchte, damit letztlich Gott aus der Welt hinausgedrängt wird. So ist es geschehen, dass gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums die Sünden von Priestern bekanntwurden – vor allem der Missbrauch der Kleinen, in dem das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen in sein Gegenteil verkehrt wird“, predigte Benedikt. Am Abend zuvor hatte der Papst den Pflichtzölibat verteidigt. Dieser sei ein zentraler Bestandteil des Priesterseins. Ungläubige würden den Zölibat vielleicht als „Skandal“ sehen. Er sei aber „ein Akt des Vertrauens und der Treue zu Gott“.

Auch Thema der Bischofskonferenz

Auch die Österreichische Bischofskonferenz wird sich in ihrer Sommersession vom 21. bis 23. Juni in Mariazell mit dem Thema Missbrauch befassen. Im März hatten die Bischöfe eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Wiener Generalvikars Franz Schuster eingesetzt, welche gesamtösterreichische Richtlinien zum kirchlichen Umgang mit Missbrauchsvorwürfen erarbeiten soll. Grundlage dabei sind die bereits für die Erzdiözese Wien gültigen Regelungen . Auch das Zueinander der diözesanen Ombudsstellen und die Zusammenarbeit mit den Orden, die ja nicht der Jurisdiktion der Bischöfe unterstehen, wird thematisiert werden. Auch die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferschutzanwältin Waltraud Klasnic nimmt an den Beratungen der Bischofe teil.

Die Diözese Graz-Seckau hat derweil zwei Suspendierungen von Priestern im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen wieder aufgehoben, wie eine Erklärung der Diözese bestätigt. Die beiden Pfarrseelsorger waren vor zwölf bzw. 20 Jahren straffällig geworden, eine Kommission, der u.a. Psychologen und Juristen angehören, habe aufgrund eines Gutachtens festgestellt, dass ein Rückfall in traffälligkeit nicht zu erwarten sei und in beiden Fällen es sich außerdem nicht um eine pädophile Neigung handle. Die Erklärung nimmt auch darauf Bezug, dass die Dienstfreistellung in den Pfarren dieser Priester heftig kritisiert und eine „Kultur des Verzeihens“ eingefordert wurde.

In der bayerischen Diözese Augsburg hingegen flammte der Konflikt um Walter Mixa neu auf, weil der demissionierte Bischof wieder ins bischöfliche Palais zurückgekehrt war. Mixa war wegen physischer Gewaltvorwürfe an Kindern eines Waisenhauses und missbräuchlicher Verwendung von Stiftungsgeldern in scharfe Kritik geraten. Ein Anfang Mai geäußerter sexueller Missbrauchsvorwurf wurde von der Staatsanwaltschaft hingegen nicht weiter verfolgt. Die ultrakonservativen Internetseiten keuz.net und kath.net ergehen sich seither in Verschwörungstheorien und berichten, dass Mixa bereits wenige Tage nach seinem Rücktrittsgesuch an den Papst vom 21. April dieses wieder zurückgenommen habe. Rom jedoch hatte den Rücktritt am 8. Mai angenommen, wodurch Mixa keine Diözesanfunktion mehr innehat und auch kein Wohnrecht im bischöflichen Palais. In Augsburg herrscht ob der Entwicklungen, übereinstimmenden Brichten zufolge, ziemliche Aufregung.

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