Der Papst schreibt, die Bischöfe danken

Nach langem Schweigen erklärt sich Papst Benedikt XVI. und gibt Fehler bei den Vorgängen rund um die Pius-Bruderschaft zu. Die heimischen Bischöfe würdigen den Papstbrief und lassen nichts Konkretes zur Kirchenzukunft in Österreich verlauten.

Wochenlang hatte er zu den Auseinandersetzungen um seine Entscheidung, die vier lefebvrianischen Bischöfe zu begnadigen, geschwiegen. Letzte Woche jedoch erklärte sich Papst Benedikt XVI. in einem Brief an die Bischöfe der Welt: Unumwunden gab der Papst zu, dass es Fehler gegeben hat. Als "für mich nicht vorhersehbare Panne" benannte Benedikt XVI., dass die Aufhebung der Exkommunikation "überlagert wurde vom Fall Williamson". Der "leise Gestus der Barmherzigkeit" gegenüber den vier lefebvrianischen Bischöfen sei vielen als "Absage an die christlich-jüdische Versöhnung" erschienen, "als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt" hatte.

Benedikt XVI. gelobte, künftig besser auf die "Nachrichtenquelle" des Internet zu achten, er konzedierte, dass damit der Fall Williamson hätte vermieden werden können. Gleichzeitig beklagte der Pontifex aber, "dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit" auf ihn eingeschlagen hätten. Um so mehr dankt der Papst "den jüdischen Freunden, die geholfen haben, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen" und eine "Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen".

Im weiteren Verlauf des Schreibens versucht der Papst noch einmal die Gründe darzulegen, warum er die Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe aufgehoben hat.

Bischof Williams Gefallen

Tatsächlich gab es gewichtige jüdische Stimmen, welche den Papst in seinem Bemühen unterstützten, die Angelegenheit zu bereinigen. So bezeichnete einer der führenden jüdischen Exponenten des Dialogs mit der katholischen Kirche, Rabbi David Rosen, den Papstbrief als "bemerkenswert". Rosen war Mitglied einer Delegation des israelischen Oberrabbinats, das letzte Woche von Benedikt XVI. empfangen wurde. Rosen meinte sogar, der den Holocaust leugnende Bischof Richard Williamson hätte dem jüdisch-christlichen Dialog einen Gefallen getan. Rosen: "Wenn jemals die Gefahr bestanden haben sollte, dass die, Pius-Bruderschaft' gleichsam unter dem Radar hindurch zurück in die Kirche kommt, dann wird das nun sicher nicht mehr passieren."

Die jüdisch-katholischen Spannungen sind aber nicht überwunden. So wird Benedikt XVI. auf seiner Israelreise im Mai in der Erinnerungshalle von Yad Vashem an einem Gedenken an die ermordeten Juden teilnehmen, das Museum der Schoa-Gedenkstätte in Jerusalem aber nicht besuchen - wegen einer Bildunterschrift, in der Papst Pius XII. ob seiner Haltung während der Judenverfolgung angegriffen wird. Der Relator des Seligsprechungsverfahrens für Pius XII., der Jesuitenpater Peter Gumpel, hatte wiederholt erklärt, der Papst könne unmöglich nach Israel fahren, solange die Tafel in Yad Vashem hänge. Das nun geplante Besuchsprogramm des Papstes ist ein Kompromiss - ob alle Beteiligten damit leben können, wird sich weisen.

Österreichische Dankadresse

Der Brief Benedikts XVI. an die Bischöfe wurde auch bei der Frühjahrskonferenz der österreichischen Bischöfe, die bis 12. März in Innsbruck stattfand, diskutiert. Die Bischöfe dankten dem Papst für seine Worte und stellten in einer Erklärung fest: Das Schreiben sei "ein eindrucksvolles Zeugnis menschlicher und christlicher Größe".

Die Stellungnahme zum Papstbrief war die einzige - indirekte - Äußerung der Bischofskonferenz zur aktuellen Kirchenlage, weder zu Österreich noch zur Weltkirche gab es weitere Erklärungen. Was die österreichischen Turbulenzen rund um die Bischofsernennung des Windischgarstener Pfarrers Gerhard M. Wagners zum Linzer Weihbischof und dessen Rückzug betrifft, verwies Kardinal Christoph Schönborn in der Pressekonferenz nach dem Bischofstreffen darauf, dass die Bischöfe in ihrem Hirtenbrief vom 16. Februar dazu schon alles Nötige gesagt hätten.

Wie wollen Österreichs Hirten aber die Parteiungen in ihrer Kirche, die zuletzt in den Linzer Vorgängen zutage traten, ins Gespräch bringen? Der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher hatte in der FURCHE den Vorschlag gemacht, dazu wieder einen Katholikentag zu veranstalten. Die Pastoraltheologen Österreichs traten diesem Vorschlag nachdrücklich bei, auch die Katholische Aktion unterstützte ihn. Kardinal Schönborn bestätigte, dass dieser Vorschlag nicht zuletzt von der Katholischen Aktion an die Bischöfe herangetragen worden sei, die Idee sei allerdings "noch nicht ausgereift".

"Ungehindert" und "in Freimut"

Im Gespräch mit der FURCHE wies Schönborn darauf hin, dass es in verschiedenen Teilen der österreichischen Kirche sehr wohl zu Verständigungsprozessen komme, er nannte konkret die Diözese Linz, wo die Ereignisse der jüngsten Zeit in einem Dialogvorgang aufgearbeitet werden sollen. Ganz besonders liegt dem Kardinal aber der Prozess "Apostelgeschichte 2010" in seiner eigenen Erzdiözese Wien am Herzen, im Verlauf dessen es drei Diözesanversammlungen mit Delegierten geben wird. Schönborn verwies auf die letzten Worte der Apostelgeschichte, wo es heißt, dass Paulus das Reich Gottes "ungehindert" und "mit Freimut" verkündet habe.

Genau um diese Begriffe gehe es auch bei "Apostelgeschichte 2010", das "kein synodaler Konsultationsprozess", sondern ein "Perspektivenvorgang" mit einer missionarischen Dimension sein wolle. Schönborn: "Wir wollen viele Menschen, potenzielle Sympathisanten erreichen." Es sei klar, dass "die Kerngemeinden kleiner werden", aber, so der Kardinal, Prozesse wie jener in der Erzdiözese Wien dienten dazu, die "Zukunftszielgruppe" der Kirche in den Blick zu bekommen.

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