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US-Bischofskonflikt mit Obama wird zu Kampf um die Einheit

Von Anfang an rief Präsident Obamas Gesundheitsreform den Widerstand der katholischen Bischöfe des Landes hervor. Aber nicht alle Katholiken sind darüber glücklich, dass das Thema Abtreibung dabei so dominant ist.

Die von US-Präsident Barack Obama initiierte Gesundheitsreform erhitzt nach wie vor die Gemüter der religiösen und politischen Führer in den USA. Obama hatte am 20. Jänner verkündet, dass die neuen staatlich vorgeschriebenen Versicherungsleistungen für Angestellte auch alle Formen der Empfängnisverhütung und Abtreibung beinhalten müssten. Damit solle sowohl die Rate der ungewollten Schwangerschaften gesenkt, als auch allen Frauen ein freier Zugang zu deren Abbruch ermöglich werden. Ausgenommen davon waren durch die Trennung von Kirche und Staat zunächst nur rein religiöse Einrichtungen, wie etwa Kirchen. Jedoch kirchlich betriebene Institutionen wie Krankenhäuser und Universitäten, müssten in den Versicherungen ihrer (auch nicht-katholischen) Angestellten Abtreibung und Verhütung gebührenfrei inkludieren.

Überraschend schnelle Reaktion

Das Resultat war ein Aufschrei der katholischen Bischöfe: Nur Stunden nach Obamas Rede reagierte Timothy Dolan, Erzbischof von New York und Vorsitzender der US-Bischofskonferenz auf die neue Regelung. "Noch nie zuvor“, so Dolan, der am 18. Februar 2012 zum Kardinal kreiert wurde, "hat die Regierung Bürgern und Institutionen Dinge aufgezwungen, die ihrem Gewissen widersprechen!“ Die rasche Antwort der katholischen Kirche war bemerkenswert: Als 1973 der Supreme Court entschied, dass Schwangerschaftsabbruch nicht staatlich verboten werden kann, benötigten die Bischöfe Monate, um eine gemeinsame Stellungnahme abzugeben. Doch 2012 war man für solch moralische Herausforderung gerüstet. Per Video auf der bischöflichen Homepage in Washington informierte Dolan medienwirksam die Öffentlichkeit. Dieser weiter: "In einem Land, in dem die freie Religionsausübung in der Verfassung festgeschrieben ist, dürfen solche Vorschreibungen nicht passieren.“ Auch andere bischöfliche Würdenträger beklagten daraufhin öffentlich, dass die Religionsfreiheit mit dieser Regelung verletzt werde. Selbst wenn Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Katholiken die Meinung der Kirchenleitung in Sachen Sexualmoral (Abtreibung, Empfängnisverhütung) nicht teilt, bleiben die Bischöfe bei ihrer Meinung. "Wir werden“, so Militär-Erzbischof Timothy Broglio, "und können uns niemals nach diesem ungerechten Gesetz richten.“

Die Reaktion der Bischöfe paarte sich mit der Stimme von Politikern der republikanischen Partei, die darin wohl auch eine Chance sehen, die konservativen Wähler in der Präsidentschaftswahl 2012 auf ihre Seite zu bringen: Sarah Palin nannte die Regelung einen "verletzenden Angriff auf die Religionsfreiheit“. Ebenso stellte sich Rick Santorum, streng-katholischer Kandidat in der republikanischen Vorwahl, persönlich hinter die Bischöfe. Er sei als konservativer Katholik einer Meinung mit den Bischöfen, fügte jedoch hinzu, dass "Frauen grundsätzlich Zugang zu Abtreibung - jedoch nicht staatlich vorgeschrieben - erhalten sollen“. Auch Newt Gingrich und Mitt Romney, Santorums Gegenspieler um die republikanische Kandidatur, wetterten gegen Obamas Gesetzesentwurf und nannten ihn "radikalen, politischen Missbrauch der Regierung“. Neben der politischen hatten die US-Bischöfe auch religiöse Schützenhilfe evangelikaler Kirchen, orthodoxer Christen, wie auch von ultraorthodoxen Juden erhalten.

Diese Front, auch ohne liberale Kirchen, dürfte Wirkung gehabt haben: Am 10. Februar verkündete Obama, dass auch kirchliche Einrichtungen zwar nicht selbst für Abtreibungen ihrer Angestellten zahlen müssten, zumindest jedoch die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruches in Zusammenarbeit mit anderen Versicherungen anzubieten haben.

Schritt in die richtige Richtung?

Die US-Bischofskonferenz reagierte zögerlich: "Man werde die Sachlage prüfen“, so Timothy Dolan. Während katholische Hilfswerke und die katholische Gesundheitskammer der USA den Vorschlag Obamas begrüßten und auch Kleriker ihn bereits als "Schritt in die richtige Richtung“ einschätzten, wurde dieser kurz darauf bischöflicherseits offiziell abgelehnt. Die unzureichende Definition für Einzelfälle ließe zu viele Streitfragen offen, eröffne so einen unmoralischen Handlungsspielraum und stelle damit eine große gesellschaftliche Gefahr dar. "Wir werden deshalb - mit derselben Energie und Dringlichkeit - weiter dagegen kämpfen!“, mahnte Erzbischof Dolan offensiv.

Nach dem ausgeschlagenen Kompromissversuch von Obama stellt sich nun die katholische Kirche in den USA als uneins dar. Während nämlich liberale Gruppierungen die neue Regelung akzeptiert hätten, weigern sich die Bischöfe "auch nur einen Zoll von ihrer Meinung abzuweichen“.

James Salt, Geschäftsführer der liberalen Vereinigung Catholics United, kritisierte die Bischöfe: "Die Meinung der Bischöfe entspricht mehr einer politischen Agenda als den Bedürfnissen der amerikanischen Bevölkerung.“

Anthony Picarello, Chef-Berater der US-Bischöfe, hatte deren Meinung noch als "unbewegbares Objekt“ bezeichnet. Die letzten Ereignisse werfen aber die Frage auf, ob dieses Objekt nun nicht sogar die eigenen Reihen gesprengt hat.

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