Rußmann - © Foto: Pamela Rußmann
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Maria Pernegger: „Wir schließen Frauen von vornherein aus“

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„Media Affairs“-Geschäftsführerin Maria Pernegger im Gespräch über Spitzenpolitikerinnen,  die Sichtbarkeit von Frauen in österreichischen Medien und einseitige Rollenbilder.

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„Media Affairs“-Geschäftsführerin Maria Pernegger im Gespräch über Spitzenpolitikerinnen,  die Sichtbarkeit von Frauen in österreichischen Medien und einseitige Rollenbilder.

Immer mehr Frauen steigen in Österreichs Politik auf, öffentlich sichtbar sind aber dennoch vor allem Männer. Die Studienautorin Maria Pernegger analysiert jährlich wer Politik in österreichischen Medien repräsentiert. Ein Gespräch über männliche Strukturen, einzementierte Rollenbilder und #MeToo.

DIE FURCHE: Österreich hat seine erste Bundeskanzlerin. Was sagen Sie dazu?
Maria Pernegger: Das ist wirklich eine Premiere. Die letzte Frau, die Österreich regiert hat, war Kaiserin Maria Theresia. Es war also hoch an der Zeit, dass eine Frau wieder an die Macht kommt. Dass Kanzlerin Bierlein nicht gewählt ist und ob die Gesellschaft schon so weit wäre, eine Frau an die Spitze zu wählen, das ist eine andere Sache. Aber grundsätzlich ist es ein wichtiges und notwendiges Zeichen: Auch Frauen können Verantwortung für die Republik übernehmen.

DIE FURCHE: Wie sind Frauen in Österreichs Politik repräsentiert?
Pernegger: 2017 waren Frauen noch stark unterrepräsentiert. Obwohl sie durchaus politische Ämter innehatten, etwa als Ministerinnen oder im Nationalrat. Im vergangenen Jahr hat sich hier einiges verändert. Die Politik ist in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich weiblicher geworden. Zusätzlich wurde in der zweiten Jahreshälfte 2018 die Leitung der Opposition von Frauen übernommen. Und eines zeigt sich: Dort, wo Frauen an die Spitze kommen, wirkt sich das auf ihre Sichtbarkeit aus. Aber auch wenn der Frauenanteil gestiegen ist, hat sich die mediale Repräsentanz der Frauen bei Weitem nicht in diesem Ausmaß erhöht. Das heißt, wenn wir Medien öffnen oder uns generell mit Politik beschäftigen, dann sind wir viel stärker mit Männern konfrontiert.

DIE FURCHE: Können Sie ein Beispiel nennen?
Pernegger: Ich zeige es anhand von Parteien: In der ÖVP gibt es einen Frauenanteil im Nationalrat von 36 Prozent, aber die Partei wird in den Medien nur zu 18 Prozent durch Frauen repräsentiert. Ich würde es nicht als eine One-Man-Show bezeichnen, aber es sind nur einige wenige Männer, die das Gesicht nach außen darstellen. In der SPÖ ist es ähnlich. Die Sozialdemokratie hat zwar im Nationalrat fast eine Geschlechterparität und zusätzlich zumindest in den letzten Monaten 2018 mit Pamela Rendi-Wagner eine Frau als Parteichefin. Trotzdem ist die Partei in der medialen Wahrnehmung nur zu einem Drittel weiblich. Es gibt also ein starkes Gefälle zwischen dem messbaren Frauenanteil und der Wahrnehmung dieser Frauen in der Öffentlichkeit.

DIE FURCHE: Warum ist das so?
Pernegger: Gerade in den großen Parteien gibt es oft Kulturen und gewachsene Strukturen, die Männer in irgendeiner Art und Weise begünstigen. Die Macht wird von Männern auf Männer übertragen. Und für Frauen ist es schwierig, in Spitzenpositionen zu gelangen. Auch wenn sie ein Mandat im Nationalrat bekommen, bleiben die wirklich wichtigen Positionen in Männerhand. Hier gibt es noch sehr viel Aufholbedarf. Die Neos sind ein gutes Beispiel, wie es funktionieren kann. Man hat vielleicht gar nicht erwartet, dass Beate Meinl-Reisinger einen sehr offensiv kommunizierenden Matthias Strolz nicht nur gut ersetzen kann, sondern auch ihren eigenen Weg innerhalb der Partei geht. Gemeinsam mit anderen Frauen an der Spitze, Irmgard Griss und Claudia Gamon zum Beispiel. Die alten Traditionsparteien tun sich hier etwas schwerer.

DIE FURCHE: Warum kommt diese Veränderung nur langsam voran?
Pernegger: Man tut schon auch was in den traditionell gewachsenen Parteien, aber das ist oft intern nicht so leicht umzusetzen. Jede Frau, die eine hochrangige Position bekleidet, ersetzt in gewisser Weise ja einen Mann. Aber ich denke, die Politik hat gemerkt, dass sie etwas ändern muss und will mit gutem Beispiel vorangehen. Denn sie steht schon auch unter Druck. Die Medien beobachten, wie sich der Frauenanteil verändert. Gleichzeitig hat es 2018 auch einige Premieren gegeben: Beispielsweise eine Ministerin, die ein Baby bekommt und im Amt bleibt, eine Chefin einer Oppositionspartei, die trotz oder mit Kind in der Spitzenpolitik bleibt. Und wir hatten auch einen Vizekanzler, der in Papamonat gegangen ist. Das sind alles Zeichen, dass sich etwas bewegt und das wurde auch medial wahrgenommen. Zwar gibt es von manchen Seiten noch Widerstand gegen solche Veränderungen, aber irgendwann wird man sich an dieses Bild gewöhnen und dann ist es normal. Und erst dann haben Frauen die gleichen Chancen.

DIE FURCHE: Auch die Symbolik kann also etwas bewirken. Aber wie sieht es mit tatsächlicher Frauenpolitik aus? Wieviel Raum bekommen diese Themen in den Medien?
Pernegger: Seit vielen Jahren stehen an der Spitze der medial diskutierten Frauenpolitik immer Themen, die polarisieren. Ob das jetzt das Binnen-I ist, die Debatte über die Töchter in der Hymne oder wie in den vergangenen Jahren das Kopftuch und die Burka. Es ist problematisch, dass diese wenigen Themen politisch ausgeschlachtet und in den Medien hochgespielt werden, obwohl sie in Wahrheit nur einen kleinen Teil der Bevölkerung betreffen. Die Themen, die für eine breite Masse von Frauen interessant wären, bleiben völlig unterrepräsentiert. Dazu würde ich die Debatte über Frauenpensionen und Altersarmut zählen, beispielsweise wie sich Teilzeitarbeit auswirkt. Auch Themen wie finanzielle Unabhängigkeit und die Lohnsituation am Arbeitsmarkt würden viele Frauen weiterbringen.

DIE FURCHE: Hat sich auch die #MeToo-Bewegung in der medialen Debatte niedergeschlagen?
Pernegger:
Die #MeToo-Debatte ist 2017 aus den USA nach Österreich übergeschwappt und hat viel bewegt, was die Bewusstseinsbildung betrifft. Plötzlich gibt es eine Sensibilität für Themen, die zwar immer existiert haben, nämlich Abwertung von Frauen, strukturelle Ausgrenzung, sexuelle Belästigung und auch Gewalt an Frauen. Aber sie wurden bisher nicht in dem Ausmaß sichtbar gemacht. #MeToo hat bewirkt, dass diesen Themen eine Bühne geboten wurde und dass dadurch in der Gesellschaft, aber auch in der Politik eine gewisse Sensibilisierung eingetreten ist. Das geschah vor allem auch durch Druck in den Medien.