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Assads Heimkehr

In der Schlacht urn die Palästinenserlager von Schatila und Burdsch al-Baradschnen ging es um nicht weniger als die Durchsetzung der neuen arabischen Einheitsfront an Israels Nord-und Ostflanke. Dieser Allianz König Husseins mit Präsident Hafez Assad haben sich inzwischen auch Libanons Drusen angeschlossen. Das Zusammengehen von Am-

man mit Damaskus richtet sich gegen den schiitischen Führungsanspruch in Syriens libanesischer Besatzungszone und Einflußbereich sowie gegen jedes „Comeback“ der PLO Yassir Arafats.

Diesem Ziel der Aufrechterhaltung eines schiitisch-palästinensischen Gleichgewichts in Libanons vorwiegend islamischen Gebieten und der Etablierung von Drusenführer Walid Dschum-blatt als Zünglein an der Waage, haben jetzt in Damaskus die intensiven Gesprächsrunden von Vizepräsident Omar Chaddam gedient. Nur vordergründig waren dabei mit den Vertretern von Schuten, Palästinensern und Drusen die Mittel und Wege zur Beendigung der akuten Feindseligkeiten das Hauptthema.

Der Fastenmonat Ramadan war ja nur oberflächlich eine Ruhepause in den hektischen politischen und militärischen Auseinandersetzungen zwischen östli-

chem Mittelmeer und Golf region. Zwar ist die spätestens Ende Mai erwartete große Ramadan-Offensive der Iraner gegen den Irak bisher ausgeblieben.

Umso mehr hat sich Ayatollah Chomeinis designierter Kronprinz Ali Montazeri hingegen auf den Ausbau Libanons zum ersten Ableger seiner Islamischen Republik außerhalb der iranischen Grenzen konzentriert. Seit seiner Ramadan-Konferenz mit führenden schiitischen, aber auch sunnitischen Geistlichen aus Libanon bemüht sich Teheran um die Bildung einer „Allislamischen Libanesischen Front“ mit dem Ziel der totalen Machtergreifung und der Umwandlung Libanons in einen totalitären islamistischen Staat. Sein Sprachrohr ist schon jetzt die - noch von Iran aussendende — „Stimme der Islamischen Revolui-tion in Libanon und Palästina“.

Der Vorstoß von Ayatollah Montazeri bedroht aber erstmals auch die 1976 etablierte und seitdem nicht einmal durch Israel mehr in Frage gestellte oder gar militärisch angetastete syrische Vorherrschaft über weite Teile von Libanon. Dazu kommt in Syrien selbst die Gefahr einer Unterstützung Irans für die sunnitische Opposition gegen das säkulare Regime von Präsident Assad.

Diese Entwicklung, für die schon 1985 die nordlibanesische Allianz von Schiiten und sunnitischen, anti-syrischen Fundamentalisten der „Fauhid“-Bewegung ein Fanal gewesen war, hat inzwi-

sehen weit mehr zum Abrücken der Syrer, von ihren bisherigen Teheraner Verbündeten beigetragen als die Einstellung der iranischen Erdöllieferungen an Damaskus.

Zwar hat die von König Hussein und seinem Regierungschef Ali Rifai im bisherigen innerarabischen Spannungsdreieck Amman-Damaskus-Bagdad betriebene Geheimdiplomatie noch nicht zu dem angestrebten Versöhnungstreffen zwischen Assad und Syriens Staatsfeind Nummer eins geführt, dem irakischen Staatschef Saddam Hussein. Das neue Einverständnis zwischen Syrien, Jordanien und dem Irak dürfte aber nur mehr eine Frage kurzer Zeit sein.

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