
Heinz Nußbaumer: Der Ermutiger
Vor gut drei Wochen habe ich das letzte Mal mit Heinz Nußbaumer telefoniert. Es ging um Moldaus Staatspräsidentin Maia Sandu, die ihren Abwehrkampf gegen prorussische Kräfte doch noch gewonnen hatte; um die zugespitzte Krise am österreichischen Medienmarkt; und um seine eigene Gesundheit. Angeschlagen war diese immer schon gewesen. Doch nun hatte sich sein Mobilitätsradius nochmals drastisch verengt.
Darunter litt der Weitgereiste sehr, schließlich war er als Außenpolitikchef des Kurier und als Pressechef der Bundespräsidenten Kurt Waldheim und Thomas Klestil auf der ganzen Welt unterwegs gewesen: vom Kreml bis ins Weiße Haus, vom Zelt (mit Gaddafi) bis zum Kloster (mit dem Dalai Lama), von orientalischen Palästen bis zur Wiener Hofburg. Auch in seiner Zeit als Co-Herausgeber der FURCHE (2003–2023) war er omnipräsent. Jemanden um Hilfe zu bitten, meinte er in unserem letzten Gespräch, das falle ihm eben schwer.
Ende einer journalistischen Ära
Nun ist Heinz Nußbaumer 82-jährig im Kreis seiner Familie gestorben. Und man kann wohl sagen, dass mit ihm auch eine Ära endet. Wie sein „Lebensmensch“ Hugo Portisch verstand er Journalismus vor allem als Bildungs- und Informationsauftrag. Und er selbst kam dem wie kaum ein anderer nach.
Ab 2008 hat er uns in der Kolumne „Nußbaumers Welt“ mit welthistorischen Miniaturen beschenkt. Sein unendlicher Schatz an Begegnungen, von dem er begnadet erzählen konnte, ließ uns staunen. Ebenso seine Neugier und Offenheit gegenüber anderen Religionen und Kulturen.
„Österreich mit Weltwissen durchlüften“
Zugleich wusste er, dass sich die Zeiten geändert hatten. „Also möchte ich mein Zeitfenster zur Ermutigung jener nützen, die bei ihren Lesern, Hörern und Sehern für mehr Weltwissen und für die Durchlüftung unserer österreichischen Heimat zu sorgen haben“, sagte er 2018, als er vom Presseclub Concordia den Lebenswerk-Preis erhielt.
Fünf Jahre später, bei seinem Abschied als FURCHE-Herausgeber, schien ihm die Welt zunehmend fremd zu werden. „Die Erde unter unseren Füßen bebt gewaltig – selbst in den großen Vorzeigedemokratien“, schrieb er 2023. Auch die Medien seien „vom Sturmwind eines riskanten Zeitenwechsels erfasst“. Der klassische Auftrag – zu schreiben, was ist – sei durch Datenflut, Populismen, Tech-Giganten und „künstliche Intelligenz“ schwieriger denn je geworden. Auch eigene Fehler und Versäumnisse sind wohl in der Branche dabei. Die Folge: Ein massiver Verlust von Vertrauen und das drohende Ende einer gemeinsamen Öffentlichkeit.
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