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Syrischer Kreuzweg

St. Demtrios Aleppo - © ICO
Religion

Vielfältiges Christentum

1945 1960 1980 2000 2020

Vor 2011 lebten in Syrien 1,5 Millionen Christen. Heute geht man von maximal 500.000 aus – Mitglieder uralter Kirchen und solcher, die die Zeitläufte hierher verschlagen haben.

1945 1960 1980 2000 2020

Vor 2011 lebten in Syrien 1,5 Millionen Christen. Heute geht man von maximal 500.000 aus – Mitglieder uralter Kirchen und solcher, die die Zeitläufte hierher verschlagen haben.

„Der Krieg hat uns Christen zusammengebracht“, erklärt der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Ephrem II., den die Besucher aus Österreich an seinem Sommersitz Saydnaya im Anti­libanon-Gebirge nördlich von Damaskus treffen. Der Patriarch zitiert auch Papst Franziskus, der im Hinblick auf die Gefährdung von Christen im Syrienkrieg von einer „Ökumene des Blutes“ gesprochen hat.

Die syrisch-orthodoxe Kirche leitet sich aus der ersten Christengemeinde in Antiochien (heute: Antakya in der Türkei) ab; nach dem Konzil von Chalzedon 451 kam es zur Trennung von der griechischsprachigen Mehrheitskirche. Bis heute feiern die Christen dieser Kirche ihre Liturgien in westsyrischem Ritus, teilweise auf Aramäisch. Hierzulande ist wenig bekannt, dass es in den Endzügen des Osmanischen Reiches nicht nur einen Genozid an den Armeniern, sondern auch an den syrischen Christen gab, dem bis zu 500.000 zum Opfer fielen.

Heute residiert der syrisch-orthodoxe Patriarch in Damaskus. Es gibt auch eine mit Rom unierte syrisch-katholische Ostkirche mit einem Patriarchen in Beirut, die viel kleiner ist als die syrisch-orthodoxe Kirche, deren Zahl Patriarch Ignatius Ephrem II. mit etwa 150.000 Gläubigen angibt.

Wie viele Christen gibt es noch?

Die Zahlenangaben über die Christen sind aber sehr schwer zu überprüfen, da im Zug der Kriegsereignisse gerade viele Christen das Land verlassen haben. Schätzungen sprechen von maximal einer halben Million Christen. Vor dem Krieg sollen noch 1,5 Millionen Christen in Syrien gelebt haben.

„Der Krieg hat uns Christen zusammengebracht“, erklärt der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Ephrem II., den die Besucher aus Österreich an seinem Sommersitz Saydnaya im Anti­libanon-Gebirge nördlich von Damaskus treffen. Der Patriarch zitiert auch Papst Franziskus, der im Hinblick auf die Gefährdung von Christen im Syrienkrieg von einer „Ökumene des Blutes“ gesprochen hat.

Die syrisch-orthodoxe Kirche leitet sich aus der ersten Christengemeinde in Antiochien (heute: Antakya in der Türkei) ab; nach dem Konzil von Chalzedon 451 kam es zur Trennung von der griechischsprachigen Mehrheitskirche. Bis heute feiern die Christen dieser Kirche ihre Liturgien in westsyrischem Ritus, teilweise auf Aramäisch. Hierzulande ist wenig bekannt, dass es in den Endzügen des Osmanischen Reiches nicht nur einen Genozid an den Armeniern, sondern auch an den syrischen Christen gab, dem bis zu 500.000 zum Opfer fielen.

Heute residiert der syrisch-orthodoxe Patriarch in Damaskus. Es gibt auch eine mit Rom unierte syrisch-katholische Ostkirche mit einem Patriarchen in Beirut, die viel kleiner ist als die syrisch-orthodoxe Kirche, deren Zahl Patriarch Ignatius Ephrem II. mit etwa 150.000 Gläubigen angibt.

Wie viele Christen gibt es noch?

Die Zahlenangaben über die Christen sind aber sehr schwer zu überprüfen, da im Zug der Kriegsereignisse gerade viele Christen das Land verlassen haben. Schätzungen sprechen von maximal einer halben Million Christen. Vor dem Krieg sollen noch 1,5 Millionen Christen in Syrien gelebt haben.

Die Zahlenangaben über die Christen sind aber sehr schwer zu überprüfen, da im Zug der Kriegsereignisse gerade viele Christen das Land verlassen haben.

Melkitische Kathedrale Homs - Melkitische Kathedrale "Maria Entschlafung" in Homs - war niedergebrannt und wurde nach 2014 wiederaufgebaut. - © ICO
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Melkitische Kathedrale "Maria Entschlafung" in Homs - war niedergebrannt und wurde nach 2014 wiederaufgebaut.

Syrisch-orthodoxes Patriarchat Saydnaya - Reliquie mit dem Gürtel Mariens, Sommersitz des syrisch-orthodoxen Patriarchats, Saydnaya. - © ICO
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Reliquie mit dem Gürtel Mariens, Sommersitz des syrisch-orthodoxen Patriarchats, Saydnaya.

Die größte christliche Kirche in Syrien machen mit etwa 47 Prozent die Griechisch-Orthodoxen aus, deren Patriarchat von Antiochien sich ebenfalls in Damaskus befindet. Größte katholische Ostkirche sind mit ca. 15 Prozent der Christen die Melkiten: Unter dieser Benennung werden die griechisch-katholischen Gläubigen des arabischen Raums subsumiert. Sie feiern ihre Liturgien in arabischer Sprache aber nach dem byzantinischen Ritus (daher „griechisch“-katholisch). Die Trennung der Melkiten vom griechisch-orthodoxen Patriarchat von Anti­ochien erfolgte im 17. Jahrhundert: Die arabischsprachigen Christen erhofften von einer Union mit Rom mehr Freiheiten und eben auch Arabisch als Liturgiesprache, während die Griechisch-Orthodoxen zunächst das Griechische und weiter den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel als ihr Ehrenoberhaupt beibehielten. Heute feiern aber auch die Griechisch-Orthodoxen ihre Liturgie meist auf Arabisch.

Ähnlich groß wie die Melkiten und die Syrisch-Orthodoxen sind die Angehörigen der armenisch-apostolischen Kirche, die wie die Syrisch-Orthodoxen 451 nach dem Konzil von Chalzedon die römische Reichskirche verließen. Die Anwesenheit der Armenier in Syrien stammt zum einen aus dem 11. Jahrhundert, als sie sich im südtürkischen Kilikien niederließen. Vor allem nach dem Genozid des Jahres 1915 konnten sich viele Armenier etwa nach Aleppo retten. Oberhaupt der Kirche ist der Katholikos von Kilikien, der heute im libanesischen Antelias residiert.

Neben den bisher genannten Konfessio­nen gibt es auch kleinere Gruppen wie die Angehörigen der katholischen Ostkirche der Maroniten, deren meisten Angehörigen (und auch ihr Patriarch) im Libanon zu finden sind oder Angehörige der chaldäisch-katholischen Kirche, die in der ostsyrischen Tradition stehen. In Aleppo befindet sich der Bischofssitz dieser Kirche, der derzeitige Bischof Antoine Audo (siehe auch Seite 3 dieser FURCHE) zählt zu den markanten kirchlichen Persönlichkeiten Syriens.

Die kleine lateinische Kirche mit etwas über 10.000 Katholiken im Land ist als Apos­tolisches Vikariat Aleppo organisiert. Über Syrien hinaus bekannt ist das Engagement katholischer Ordensgemeinschaften und von Repräsentanten derselben rund um die Kriegsereignisse – etwa die der Franziskaner in Aleppo unter P. Ibrahim Alsabagh, der eine Anlaufstelle für unmittelbare Hilfe für die notleidende Bevölkerung – Christen wie Muslime – war und ist. Alsabagh hat über seine Erfahrungen ein Buch veröffentlicht, das auch auf Deutsch vorliegt („Hoffnung in der Hölle. Als Franziskaner in Aleppo“, Herder 2017).

Martyrium im umkämpften Homs

In Homs war der Jesuitenkonvent während der gesamten Belagerung der Stadt, zwischen islamistischen Milizen und den Regierungstruppen, ein Ort der Hoffnung mitten in der Hoffnungslosigkeit. Vor allem die Bemühungen des Jesuitenpaters Frans Van der Lugt, der in Homs unter der muslimischen Zivilbevölkerung ausharrte und der Anfang 2014 via YouTube eindringlich auf die prekäre Lage der Menschen in der Stadt aufmerksam machte, gehören zu den bewegendsten christlichen Zeugnissen jener Tage. Van der Lugt wurde im April 2014 von einem Angehörigen der Al-Nusr-Front, des syrischen Al-Kaida-Ablegers, mit zwei Kopfschüssen getötet, sein Grab befindet sich heute im Hof der Jesuiten in Homs.

Doch nicht alle Christen sind bei den Kirchen in Syrien willkommene Mitstreiter. Der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatius Ephrem II., der vor seiner Wahl viele Jahre in den USA gewirkt hat, nennt gegenüber den Reisenden aus Österreich „wiedergeborene“ Christen aus den USA, die auch in Sy­rien missionieren würden: „Diese Evangelikalen bringen nicht Muslime zum Übertritt, sondern andere Christen.“ Gedeihliche ökumenische Zusammenarbeit sieht anders aus, findet der Patriarch.