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„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse …“

FOKUS
Mahatma Gandhi - © Foto: imago / United Archives International

Gandhi: Ein planetarer Gentleman

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Er war der Vater der indischen Unabhängigkeit und erscheint heute als das Gesicht einer anderen Globalisierung: zum 75. Todestag von Mahatma Gandhi.

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Er war der Vater der indischen Unabhängigkeit und erscheint heute als das Gesicht einer anderen Globalisierung: zum 75. Todestag von Mahatma Gandhi.

Ein magerer, kahlköpfiger Pilger schreitet voran, gefolgt von einer Gruppe teils bloßfüßiger Männer und Frauen. Spärlich eingehüllt in traditionelle Tücher, marschiert er mit Stock und Sandalen. Die monumentale Skulptur in Neu-Delhi erinnert an den „Salzmarsch“, eine Protest­aktion, die Mohandas Karamchand Gandhi 1930 weltweite Aufmerksamkeit bescherte. Sie richtete sich gegen die Kolonialsteuern aus dem britischen Salzmonopol in Indien. Gandhi hatte seinen Landsleuten erklärt, dass Salz so lebensnotwendig sei wie Luft und Wasser. Somit müsse jeder Inder und jede Inderin das Recht haben, dieses selbst herzustellen – steuerfrei.

Der Fußmarsch führte rund 400 Kilometer von Gandhis Aschram in Sabarmati zum Küstenort Dandi am Arabischen Meer. In den Dörfern auf dem Weg wurden der Freiheitskämpfer und seine 78 Begleiter begeistert empfangen; immer mehr Menschen schlossen sich an. Bei der Ankunft war der damals 60-Jährige von zehntausenden Anhängern umringt. Indem er aus dem Meerwasser salzhaltigen Schlamm siedete, forderte er die Massen auf, es ihm gleichzutun. Die Aktion wurde zu einem PR-Coup, wie man heute sagen könnte. Das amerikanische Time-Magazine machte Gandhi 1930 zum „Mann des Jahres“.

Bewegung der Verwundbaren

Sein Auftreten war bereits damals ein Markenzeichen: Dass der Rechtsanwalt in Sandalen ging, sich das Kopfhaar schor und sich in simpelsten Stoff hüllte, war geschickte Strategie und politisches Statement. Der Mann mit den selbstgesponnenen Baumwollkleidern gab sich bescheiden und verletzlich und unterlief die Klischees antikolonialer Anführer, die sich zu jener Zeit meist modern, maskulin und soldatisch in Szene setzten. Er exponierte sich und präsentierte eine äußere Schwäche, die in Wirklichkeit innere Stärke war. Denn er wusste: Verzicht macht unbestechlich.

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