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"Nervöse Wissenschafter"

Österreichs Scientific Community fürchtet, dass es starke Kürzungen beim Forschungsbudget geben wird. Trotz guter Argumente hat es die relativ kleine Akademiker-Schar nicht leicht, gehört zu werden.

Mit einer zweifelhaften News-Meldung schaffte es die heimische Scientific Community vergangenen Donnerstag in die Schlagzeilen des renommierten britischen Wissenschaftsmagazins Nature: "Nervöse Österreichische Wissenschafter" fürchteten um ihre Forschungsmittel. Es herrsche "Ungewissheit darüber, ob das diesjährige Forschungsbudget um 40 Prozent zusammengekürzt werde". Zurzeit "würden keine neuen Forschungsprojekte bewilligt werden".

Die heimische Situation ist tatsächlich höchst ungewöhnlich: Dem FWF etwa - der der wichtigste Finanzierer von Grundlagenforschung in Österreich ist - gehen "de facto dieses Jahr 70 bis 80 Millionen Euro ab". Das beklagt FWF-Präsident Christoph Kratky bereits seit Längerem (siehe FURCHE 4/09). Kämpferisch und lautstark melden sich seit Kurzem auch vermehrt die Wissenschafter zu Wort: Die Träger des Wittgenstein-Preises (der auch als "Austro-Nobelpreis" bekannt ist) forderten vergangene Woche in einem offenen Brief an Wissenschafts- und Finanzwissenschafter eine Garantie für ein gesichertes FWF-Budget und formulierten ihre Haltung so: "Viele meinen, in einer Situation wie der jetzigen müsse man eben reduzieren. Dem halten wir entgegen, dass gerade in einer Krisensituation mit allgemein reduziertem Budget eine klare und kompetitive Finanzierung von Forschung essenziell und sowohl mittel- wie langfristig zukunftsorientiert ist."

Daneben sammeln die Forscher mit diversen Petitionen Stimmen für die Sicherung des Wissenschaftsstandorts Österreich. Klare Worte finden sich etwa in der Aktion "Forschung ist Zukunft", die von heimischen Top-Wissenschaftern - etwa vom Genetiker Josef Penninger und Quantenphysiker Anton Zeilinger - mitgetragen wird: "Die derzeitigen Budgetpläne der Bundesregierung stehen in eklatantem Widerspruch zu ihrer eigenen Regierungserklärung, wonach, Forschung … eine der wesentlichen Schlüsselfaktoren für die wirtschaftlichen Chancen des Landes darstellt'".

Und weiters heißt es warnend: "Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise muss durch vermehrte Investitionen in die Forschung die Zukunft des Landes gesichert werden. Andere Länder habe das begriffen und investieren heute massiv in die Forschung. Ein Abkoppeln Österreichs von dieser Entwicklung hätte katastrophale Folgen." Zumindest dem Wissenschaftsminister Johannes Hahn bräuchte man das nicht zu erklären. Im Gespräch mit der FURCHE (siehe auch das Interview unten) argumentierte er ganz ähnlich: Die Grundlagenforschung ginge heute fließend in die angewandte Forschung über. Und auf Basis der angewandten Forschung würden ständig neue Unternehmenszweige entstehen.

Bunte Forschungslandschaft

Und so Hahn: "Im internationalen Vergleich ist Österreich mit einer breiten Forschungspalette - von erneuerbaren Energien über Krebsforschung bis Quantenoptik - relativ konservativ aufgestellt. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das durchaus ein Vorteil. Die Iren etwa, die besonders stark auf Informations- und Kommunikationstechnologien gesetzt haben, und deshalb lange Zeit als Vorbild galten, leiden jetzt besonders." Die Forderung, jetzt bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht zu sparen, scheint dennoch nicht leicht vermittelbar. Bei einer vom Standard in Auftrag gegebenen Telefonumfrage wurde kürzlich die Bevölkerung gefragt, welches Ministerium in der jetzigen Situation für die Entwicklung Österreichs wichtig sei. Das Wissenschaftsministerium landete (vor dem Verteidigungsministerium) auf dem zweitletzten Platz. Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, das angewandte Forschung fördert, auf dem drittletzten.

Ob die Regierung hier anderer Meinung ist, wird sich demnächst weisen. Über das Gesamtbudget wird offiziell ab dem 16. Februar verhandelt. Zu hoffen bleibt für die Forschung, dass Hahn mit seiner Aussage über die Dauer der Budget-Gespräche im Sinne der Wissenschaft Recht behält. Er meinte: "Wir beginnen jetzt in der Faschingszeit und enden in der Fastenzeit. Das darf aber nicht für das Ergebnis gelten."

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