Achtung Schlaglöcher!

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Ein neues Buch über Massenmedien für Lehrer wartet mit einer Fülle von Daten auf.

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Ein neues Buch über Massenmedien für Lehrer wartet mit einer Fülle von Daten auf.

Kinder werden heute in eine Multimediawelt hineingeboren, von der man sie nicht fernhalten kann und mit der sie umgehen lernen müssen. Wie man den ,Schlaglöchern auf der Datenautobahn' ausweicht, soll Teil eines zeitgerechten Unterrichts sein", stellt Johann Günther, Leiter der Abteilung Telekommunikation, Information und Medien der Donau-Universität Krems, fest. Gemeinsam mit Clemens Hüffel, Leiter der Mediengruppe im Bundesministerium für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten legt er ein neues Buch, "Die Massenmedien in unserer Gesellschaft", vor.

Das Buch ist in erster Linie für Lehrer gedacht, denn die Vermittlung von Kommunikations- und Medienkompetenz an Jugendliche erachten die Autoren als wesentliche Aufgabe der Schule: "Wenn die Schule diese neue Qualifikation nicht fördert, und damit den Jugendlichen auf einen wesentlichen Teil seines Lebens nicht optimal vorbereiten kann, kann sie einen wichtigen Bildungsauftrag nicht erfüllen", unterstreichen die beiden Medienexperten im Vorwort des Buches die Wichtigkeit des Themas.

Der Untertitel des Buches sagt viel über dessen Inhalt aus: "Zahlen - Daten - Fakten". Der Band ist in erster Linie eine Auflistung von Statistiken, die - vor allem im ersten Drittel - recht wahllos zusammengewürfelt sind. Etwa, wenn knapp aufeinanderfolgend Daten zur Mediennutzung der Drei- bis Fünfjährigen, zum Konsumverhalten der über 40jährigen, zum Freizeitverhalten und zur Steuermoral der Österreicher zusammengestellt werden.

Etwas ausführlicher behandelt werden die Themen "Die Medienlandschaft in Österreich" und "Neue Medien". Informationen erhält der Leser etwa über die Eigentumsverhältnisse der Medien und Mediennutzung durch verschiedene gesellschaftliche Gruppen. Zahlreiche Grafiken und Diagramme geben unter anderem einen Einblick in die Höhe der Presseförderung, Reichweiten, Werbung in Massenmedien, Entwicklung und Nutzung des Internets.

Zwei grundlegende Probleme bezüglich Statistiken und Zahlenangaben über neue Medien haben die Autoren selbst erkannt, wenn sie schreiben: "Aber jede Zahlenangabe ist im Grunde genommen falsch; einerseits, weil es keine zentrale Registrierungsstelle gibt, die wissen könnte, wieviele Teilnehmer wirklich im Netz sind, andererseits weil die Entwicklung so rasch weiter geht, daß jede gedruckte Zahl bei Drucklegung schon wieder überholt ist." Auf die Frage, warum das Buch nicht über das moderne und vor allem schnellere Medium Internet zugänglich ist, meinte Günther bei der Präsentation des Bandes, daß die Zielgruppe eben Lehrer seien, und diese bräuchten mehrheitlich noch Unterlagen der konventionellen Art.

Abgesehen von der teilweise nicht nachvollziehbaren Logik der Datenzusammenstellung und den schnell veraltenden Zahlen enthält das Buch interessante Informationen, etwa daß die höchsten Internetzuwachsraten in Amerika bei den über Siebzigjährigen verzeichnet werden. Mit dieser Angabe wird der Leser allerdings wiederum alleingelassen, eine Begründung oder Interpretation des Sachverhalts fehlt.

Auch andere Fragen werden im Buch zwar aufgeworfen, nicht aber beantwortet: "Wie soll der einzelne mit den Medien umgehen? Hat er eine Chance, aus der ungeheuren Informationsfülle tatsächlich jene Information zu filtern, die er wirklich will (oder braucht)? Ist der einzelne überhaupt in der Lage, Informationen auf ihre Richtigkeit, auf Seriosität hin zu überprüfen? Verlieren wir gar den Bezug zum richtigen Leben?"

Die Medienexperten lassen es dabei bewenden und stellen fest, daß diese Fülle wichtiger Fragen teilweise nur schwer, vielleicht auch gar nicht beantwortet werden kann.

Die Massenmedien in unserer Gesellschaft. Zahlen, Daten, Fakten. Von Johann Günther und Clemens Hüffel. Edition Jugend und Medien (Donau-Universität Krems/Österreichischer Buchklub der Jugend), Krems/ Wien 1999. 129 Seiten, öS 160,-/E 11,63

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