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Off limits fur die Herren der Schopfung

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Wir Frauen sind die geborenen Verlierer. Wir sind immer abhängig: entweder in der Ehe von Mann und Kind, oder im Alleinsein vom Verdienst, vom Chef, vom Warten auf die Karriere; frustriert, weil wir keinen Mann gekriegt haben, einsam. Es folgt also der Schrei nach der berühmten Emanzipation: Befreiung! Frauen demonstrieren, machen Frauenzeitungen, Frauencafes, Frauenbanken und schaffen sich so ein „gemütliches“ Frauengetto. Dann fühlen sie sich emanzipiert. Frei vom Mann. Aber: frei wofür? Ich möchte den Damen Schwarzer und Kolleginnen hier gar nicht entgegentreten, ich möchte nur ei nen anderen, sehr altmodischen, sehr neuen und bald lebenswichtigen Standpunkt des Frauseins heute darstellen.

In den „nichtkapitalistischen“ Ländern ist es auch für eine Mutter beinahe eine Schande, nicht berufstätig zu sein (allerdings nicht wegen des Aspektes der Persönlichkeitsentfaltung) und so verlieren sie ihre Kinder an Krippen, Horte, Heime und Ganztagsschulen. Wen wundert es, daß diese Kinder, die keine unauswechselbare Bezugsperson haben, die keine Zärtlichkeit erlebt haben, keine Zuwendung zu ihnen als einzige und einmalige Person; wenn diese Kinder zu harten, cleveren, unsicheren und gefährdeten Menschen werden? Aber - und das sollte uns Frauen doch sehr betroffen machen - nicht nur in diesen Ländern steigt die Jugendkriminalität, der Alkohol- und Drogenkonsum, die Selbstmordrate, neigen diese Kinder zur viel zu frühen Bindung an einen Partner, von dem man Sicherheit und Geborgenheit erwartet und der doch selber noch ein unsicheres und gefährdetes Kind ist.

Hier leuchtet die gefährliche Umkehrung für uns Frauen im Westen auf: Unsere Kinder haben alles, die pädagogischen Spielzeuge, die besten Schulen, genug Taschengeld und doch (- auch bei uns steigt die Jugendkriminalität, der Alkohol- und Drogenkonsum, die Selbstmordrate der Jugendlichen, die allzu frühe sexuelle Betätigung.

Es gibt keine Ausrede für uns Frauen, wenn wir nicht das Unsere zum Leben beitragen. Wissen Sie, daß ein Kind, das nur die ersten Wochen seines Lebens ohne Mutter - egal, ob es die leibliche oder eine „fremde“ Mutter ist - verbringen muß, schon ein geschädigtes Kind ist? Ein Kind, das nur mehr sehr mühsam Zärtlichkeit und Vertrauen lernt? Kinder wollen die Mutter, ungeteilt und ganz, sie stellen ihren berechtigten Anspruch.

Apropos „fremde“ Mutten für die alleinstehenden Frauen unter uns, die ihr Frausein nicht erfüllt sehen, gäbe es schon Möglichkeiten: sich eines gar nicht so kleinen, gar nicht süßen und herzigen Kindes, aber eines einsamen Kindes in einem Heim anzunehmen. Gerade diese Kinder stellen ihren Anspruch an das Leben, an unsere Verantwortung und Liebe.

Diesen Anspruch an Liebe, Zuwendung, Zärtlichkeit, Vertrauen, dürfen eigentlich alle Menschen an uns Frauen stellen. Denn wir Frauen: wir sind für das Leben gemacht. Wirhaben die Antennen, an denen sich jeder Sender orientieren kann - Kind, Mann, Partnerin Frau -. Wir sind dazu da, Leben zu empfangen, zu geben, zu schützen, verwischt sind die Grenzen zwischen der Frau in der Ehe und im bewußten Alleinsein: als Ledige, Geschiedene, Klosterfrau.

Warum sind wir nicht stolz darauf, eine Frau zu sein? Gott hat uns schon emanzipiert gemacht, stark und selbstbewußt und leidenschaftlich, getragen von dem Wissen um das Leben. „Stärke und Hoheit sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft“ lesen wir schon im Alten Testament (Spr. 31, 10 ff.). Damit aber hat uns Gott auch die Stärke gegeben, verlieren zu können. Er gibt uns die Kraft zur Demut. Leben wir doch unser Frausein: stark und voller Freude. Demütig, um andere in voller Kraft zu sehen; Schwach, um andere stark zu machen. Unsere äußerste Stärke hegt in der äußersten Hingabe.

Wenn uns Frauen Solidarität gelingt, dann ist es eine Solidarität der Mütter. Maria, die exemplarische Frau - im totalen Vertrauen zu Gott, lebte sie Liebe und Demut, Hingabe und Schmerz. Sicher hat sie ihren Sohn in seiner Radikalität nicht immer verstanden, aber sie hat akzeptiert und gelitten und gehebt. Sie war Mutter - lernen wir von ihr? Im Gegründetsein in Gott, in jedem Alter, in jedem Stand - Frau sein ist immer Mutter sein.

Die „Randbemerkungen eines engagierten Christen“ geben die Meinung des Autors wieder. Diese muß sich nicht mit der Meinung der Redaktion decken.

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