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Theolympia: Berufen, Hoffnung zu schenken

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Menschen, die Hoffnung haben, können fröhlicher in den Tag gehen – und mit ihrer Freude Mitmenschen anstecken. Mit ihrem Text über die Hoffnung belegt Elisabeth Mikota den 3. Platz der heurigen „Theolympia“, dem Preis für theologische Essays im Religionsunterricht.

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Menschen, die Hoffnung haben, können fröhlicher in den Tag gehen – und mit ihrer Freude Mitmenschen anstecken. Mit ihrem Text über die Hoffnung belegt Elisabeth Mikota den 3. Platz der heurigen „Theolympia“, dem Preis für theologische Essays im Religionsunterricht.

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Es ruft uns das Evangelium auf, ja es verlangt gerade dazu von uns, »Nächste« der Geringsten und Verlassenen zu sein. Ihnen eine konkrete Hoffnung zu geben. Nicht nur zu sagen: »Nur Mut, habt Geduld…!« Die christliche Hoffnung ist kämpferisch, mit der Beharrlichkeit dessen, der auf ein sicheres Ziel zugeht. (Papst Franziskus)

Wir schreiben den Anfang des Jahres 2023. In einem europäischen Land ist Krieg. Das alltägliche Leben wird immer teurer, sodass sich viele Menschen jene Dinge, die sie zum Leben brauchen – etwa Lebensmittel, eine Wohnung oder die Heizkosten – nicht oder nur mehr schwer leisten können. Die Pandemie, die Ende 2019 begonnen hat und die das gesellschaftliche Leben weltweit auf den Kopf gestellt hat, ist immer noch nicht vollkommen zu Ende. Die Klimakrise weltweit wird schlimmer und mit Dürrekatastrophen, Unwettern und dem steigenden Meeresspiegel werden schon jetzt ihre Auswirkungen sichtbar. Durch den vielen Müll, den unsere Wohlstandsgesellschaft produziert, werden Meere verschmutzt, und ganze Landstriche werden zu riesigen Müllbergen. Während viele Menschen Nahrungsmittel im Überfluss haben, leiden und sterben Menschen – oft Kinder – in anderen Teilen der Welt, weil sie nichts zu essen haben. Noch immer müssen viele Menschen in Staaten leben, die nicht demokratisch organisiert sind; müssen Angst haben, ihre Meinungen, ihre Kritik und ihre politischen Visionen offen zu äußern. Aufgrund von Schicksalsschlägen oder Krankheiten haben viele Menschen Angst, in die Zukunft zu schauen. Und sieht man sich allein Statistiken aus Österreich an, so weiß man, dass die meisten Menschen keine oder nur wenig Hoffnung für die Zukunft haben. Wenn man sich überlegt, wie viele Probleme die Menschen persönlich, unsere Gesellschaft und die Welt als Ganze gerade beschäftigen, könnte man eigentlich fast sagen, sie hätten allen Grund dazu.

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Trotz all dieser Probleme, die es naheliegend machen, keine oder kaum Hoffnung zu haben, ist Hoffnung die zentrale Botschaft des Christentums. Liest man zum Beispiel in der Bibel, so findet man eine Geschichte der Hoffnung von Menschen, die gemeinsam mit Gott durch die Zeit gehen. In allen Schwierigkeiten – etwa in Krieg, Unterdrückung, Hoffnungslosigkeit, oder in Situationen, in denen sich die Menschen von ihrem Gott abwenden oder an ihm zweifeln – werden sie von ihm nicht allein gelassen. Zugleich werden die Menschen von Anfang an von Gott immer wieder zu Taten der Nächstenliebe und zum gegenseitigen Helfen ermutigt, was auch anderen Hoffnung geben soll. Der Weg Gottes mit den Menschen erreicht seinen Höhepunkt in Geburt, Leben, Tod und Auferstehung Jesu. In seiner Geburt als kleines, hilfloses Baby im Stall von Bethlehem zeigt sich, dass sich Gott so klein machen will, dass er den Menschen wirklich auf Augenhöhe begegnen kann. Gott zeigt hier, wie ernst es ihm mit seinem Menschsein wirklich ist. Als Erwachsener verkündet Jesus noch einmal deutlich die Liebe und Nähe Gottes zu den Menschen sowie die Aussicht auf ein kommendes, ewiges Leben im Reich Gottes. Gleichzeitig ruft er erneut dazu auf, für andere einzutreten und ihnen durch helfendes Handeln beizustehen. Komplett wird die Hoffnungsbotschaft der Bibel in Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, wodurch endgültig klar wird, dass alles Leid dieser Welt im Letzten keine Macht über Gottes Liebe hat. Später sendet Jesus seine Jünger*innen mit der Botschaft, sich nicht zu fürchten, hinaus in die Welt, um dort die Hoffnungsbotschaft Gottes zu verkünden – in Worten und in Taten der Nächstenliebe. In den Gottesdiensten, die heute vielen Christ*innen als Inspirations- und Hoffnungsquelle für ihr Leben dienen, wird bis heute an diese biblischen Hoffnungsereignisse erinnert, die zugleich Hoffnungsaufgaben sind. Die „alten“ Geschichten der Bibel sind also nicht bloß schöne Erzählungen, sondern Ereignisse, die Menschen immer wieder aufs Neue ermutigen und zum Handeln auffordern.

Wenn schon die Erzählungen, aus denen das Christentum wurzelt, auf dem Grundprinzip Hoffnung aufgebaut sind und in diesen auch aufgefordert wird, dem Nächsten beizustehen und ihm dadurch Hoffnung zu schenken, so ist das Weitergeben der Hoffnung eine christliche Grundaufgabe. Wie aber kann das geschehen? Zunächst einmal ist es nötig, die verheißene Hoffnung, und die Aufgabe, diese weiterzutragen, begriffen zu haben – denn wer nicht um die eigene Hoffnung weiß, kann diese auch nicht weitergeben. Erst dann ist möglich, das zu tun, was unter anderem Papst Franziskus als eine Grundaufgabe des christlichen Glaubens sieht: „»Nächste« der Geringsten und Verlassenen zu sein. Ihnen eine konkrete Hoffnung zu geben.“. Diese Werke der Nächstenliebe können auf viele verschiedene Weisen geschehen. Hoffnung kann geschenkt werden, indem man etwa Menschen zuhört, wenn sie über etwas reden möchten, das sie belastet; wenn Menschen in Trauer oder in einer schwierigen Situation getröstet und begleitet werden; wenn einsame, besonders alte Menschen besucht werden. Manchmal reicht es auch schon, einem Menschen, dem man im Alltag begegnet, ein Lächeln zu schenken, um der Person so den Tag zu verschönern. Vielfach organisieren sich auch Menschen in größere Gruppen, um gemeinsam Gutes zu tun – etwa bei der Sternsingeraktion oder bei anderen Sammlungen für Menschen in Not. Hoffnung kann auch gegeben werden, wenn sich Menschen politisch engagieren, etwa für die Erhaltung unserer Natur und die Linderung der Klimakatastrophe, für Flüchtlinge, für mehr Gerechtigkeit, für die Wahrung der Menschenrechte oder für den Frieden auf der Welt.

Vielleicht könnte man sagen, dass dies die Berufung einer jeden Christin und eines jeden Christen ist: Hoffnungsträger*in in dieser Welt zu werden.

Es gibt viele Beispiele für Menschen, die in der Vergangenheit christliche Hoffnung in einer besonders herausragenden Art und Weise gelebt haben. Zwei besonders faszinierende Menschen, die in der Zeit der NS-Diktatur in Deutschland und Österreich gelebt haben und die aufgrund ihres Einsatzes für Gerechtigkeit umgebracht wurden, seien hier genannt: Zum einen der deutsche, evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer. Aus seiner Zeit im Gefängnis ist das Gedicht „Von guten Mächten treu und still umgeben“ überliefert, der heute ein bekanntes Kirchenlied ist. In diesem Text zeigt Bonhoeffer seine Hoffnung auf Gott, welche ihn auch in der Zeit der Gefangenschaft und des Wartens auf seinen Tod nicht verlassen hat. Ein anderes Beispiel für christliche Hoffnung ist die österreichische Schwester Maria Restituta Kafka, die wegen des Aufhängens von Kreuzen und der Vervielfältigung eines regimekritischen Liedes verhaftet wurde. Von ihr ist überliefert, dass sie in der Zeit ihrer Gefangenschaft all ihren Mitgefangenen – egal, aus welchen Religionen oder politischen Richtungen diese stammten – mit Wertschätzung zuhörte, ihnen half und sie ihre christliche Grundhoffnung trotz allem nie verlor. Diese Beiden – Sr. Maria Restituta und Dietrich Bonhoeffer - sind nur zwei von unzähligen Menschen, die in ihrem Leben christliche Hoffnung gelebt haben.

Schon die vorhergehenden Beispiele zeigen, dass christliche Hoffnung nicht nur eine Ermutigung für andere Menschen sein kann, sondern auch eine Erleichterung für das persönliche Leben. Menschen, die Hoffnung haben, können fröhlicher in den Tag gehen – eine Freude, mit der sie durchaus andere anstecken und so auch diesen Zuversicht schenken können. Sie lassen sich nicht so leicht von Schicksalsschlägen entmutigen und sind trotz Schwierigkeiten eher bereit, weiterzumachen.

Hoffnungsvolle Menschen sehen einen Sinn in ihrem Dasein; sie haben Pläne und Ziele, die es ihnen erleichtern, Orientierung zu behalten. So zeigt sich: Hoffnung ist durchaus eine große Erleichterung im eigenen Leben.

Wenn Menschen Hoffnung haben und diese auch an andere weitergeben, zeigen sie, dass diese Welt nicht verloren ist, sondern besser werden kann und wird. Für sie ist es trotz aller Hoffnungslosigkeiten in dieser unserer Welt keine Option, einfach aufzugeben. Christ*innen wissen, dass sie bei dem Einsatz für ihren Nächsten nicht allein gelassen sind, da sie sich immer von Gott begleitet wissen dürfen. Und sie dürfen auch darauf vertrauen, dass ihre Hoffnung – wie Papst Franziskus sagt – auf ein Ziel zugeht. In einem berühmten Text aus der Offenbarung, der oft bei Begräbnissen vorgelesen wird, heißt es, dass Gott eines Tages einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, in denen es kein Leid und keinen Tod mehr gibt. Schon die Auferstehung Jesu Christi zeigt, dass Gott am Ende stärker ist als Leid und Tod. Im Vertrauen darauf, dass diese Verheißung von einer neuen Welt einmal wahr werden wird, und sie auch schon jetzt in ihrem Handeln nicht allein sind, können und sollen Christ*innen der Welt Hoffnung geben – allen Gründen und Problemen dieser Welt zum Trotz, die scheinbar dagegensprechen. Vielleicht könnte man sagen, dass dies die Berufung einer jeden Christin und eines jeden Christen ist: Hoffnungsträger*in in dieser Welt zu werden.

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