Die Männer-Krise in Zahlen

Ob Gesundheit, Bildung oder Kriminalität - ein Blick in die Statistik zeigt, dass Männer mit vielen sozialen Problemen deutlich häufiger zu kämpfen haben als Frauen. Laut Männergesundheits-Bericht des Sozialministeriums sterben Männer in Österreich im Schnitt um knapp sechs Jahre früher als Frauen.

Sie sind überproportional häufig von vermeidbaren, stark lebensstilbedingten Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Lungenkrebs wie auch von Unfällen und Verletzungen betroffen. Bei den unter 65-Jährigen ist die Sterblichkeit der Männer sogar mehr als doppelt so hoch wie jene der Frauen. Insgesamt tendieren Männer dazu, körperliche und psychische Symptome nicht wahrzunehmen oder zu verharmlosen. Weiters pflegen sie generell einen ungesünderen Lebensstil: Männer achten zu 20 Prozent seltener auf eine gesunde Ernährung. Unter den chronischen Alkoholikern sind 80 Prozent Männer. Obwohl diese im Schnitt körperlich aktiver sind, sind sie häufiger übergewichtig. Dennoch fühlen sich Männer laut Gesundheitsbefragung gesünder als Frauen - und gehen seltener zum Hausarzt.

Der überwiegende Teil der Männer verbringt etwa zwei Drittel seines Lebens im Erwerbsleben, wodurch berufliche Belastungen für die männliche Gesundheit von entscheidender Bedeutung sind. So fühlen sich Männer durch Stress, Zeitdruck, schwere körperliche Arbeit oder Konflikte am Arbeitsplatz häufiger gesundheitlich belastet als Frauen. Wirft man einen Blick auf die arbeitsbezogenen Gesundheitsprobleme, so leiden Männer mehr als doppelt so oft unter Herzproblemen wie Frauen.

Probleme mit männlichen Jugendlichen

Bei Kindern unter fünf Jahren übersteigt die Sterblichkeit der Buben jene der Mädchen um nahezu ein Drittel. Leistungsprobleme und Normen-Übertretungen treten bei männlichen Scheidungskindern häufiger auf, so das Ergebnis der Studie "Folgen von Vaterentbehrung“. Auch in punkto Bildung schneiden Burschen durchwegs schlechter ab als Mädchen (siehe Text oben). Obendrein sind männliche Jugendliche fast vier Mal so oft alkoholabhängig wie weibliche.

"Männer sind das Gewaltgeschlecht. Als Täter - und als Opfer“, so der Befund einer Studie zur Burschenarbeit in Österreich. 90 Prozent der Delikte gegen Leib und Leben und 86 Prozent aller insgesamt strafbaren Handlungen werden in Österreich von Männern verübt. Weil sie öfter schwerere Delikte begehen, stellen Männer 94 Prozent aller Gefängnisinsassen. Unter den Jugendlichen wurden 15 Prozent der Burschen bereits verurteilt,, aber nur zwei Prozent der Mädchen .

Weiters begehen Männer mit höherer Wahrscheinlichkeit Selbstmord als Frauen - insgesamt 74 Prozent aller Selbstmorde werden von Männern verübt. Sie bilden die Mehrheit der Opfer im Straßenverkehr und bei schweren Arbeitsunfällen. 90 Prozent der an alkoholbedingten Verkehrsunfällen beteiligten Autofahrer sind Männer. Auch der Großteil der wohnungslosen Menschen - 78 Prozent - ist männlich.

Die österreichischen Männerberatungsstellen verzeichnen seit einigen Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs an Klienten. In den letzten Jahren haben Männer immer öfter therapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Doch nur rund ein Drittel der Männer wendet sich freiwillig an eine Beratungsstelle. 41 Prozent wurden von der Partnerin oder anderen dazu motiviert.

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