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Auf dem Weg in eine Zukunft kranker Greise?

Beginnen wir mit der guten Nachricht: Auf den medizinischen Fortschritt scheint Verlass zu sein. Beträgt die Lebenserwartung in Österreich bei 2012 geborenen Kindern rund 80 Jahre (exakt 83,3 Jahre bei Mädchen bzw. 78,3 bei Buben), so setzt sich dieser Trend zur Methusalem-Existenz auch weiterhin fort. Laut einer Prognose von James Vaupel, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, wird die (höchste) Lebenserwartung von Frauen im Jahr 2050 bereits 96,8 Jahre betragen, 2100 sogar 108,9 Jahre. Das allein wäre überaus erfreulich - wenn nicht zugleich die Zahl der Kinder sinken würde. So wird nach Berechnungen der Eurostat-Prognostiker bis zum Jahr 2060 der Anteil der über 65-Jährigen in der EU von heute 18 auf dann 30 Prozent steigen.

Droht der Pensions-Kollaps?

Eine gewisse Herausforderung für das Pensionssystem -zumal das Pensionsantrittsalter mit der Lebenserwartung nicht zwingend nach oben klettert: Allein seit 1970 verbringen die Frauen und Männer der OECD-Länder sieben Jahre länger in Pension. Tendenz steigend. Auch die mittleren Jahreseinkommen der Pensionistinnen und Pensionisten nehmen stetig zu: 2012 betrugen sie in Österreich für Männer 20.956 Euro netto, bei Frauen 14.845 Euro.

So groß der Unterschied beim Einkommen ist, so deutlich verändert sich das generelle Geschlechterverhältnis mit steigendem Alter: Kommen derzeit in Österreich auf 644.411 Männer über 65 Jahre bereits 882.846 Frauen, so beträgt das Verhältnis bei den Über-85-Jährigen fast eins zu drei (56.472 Männer gegenüber 147.228 Frauen). Das Alter, so scheint es, ist weiblich.

Und es geht fast immer mit Krankheiten einher. Laut "Österreichischer Gesundheitsbefragung" der Statistik Austria von 2006/07 leiden bei den Über-75-Jährigen 91,5 Prozent an mindestens einer chronischen Krankheit (93,3 Prozent sind es bei den Frauen, 88 Prozent bei den Männern). 21,2 Prozent leiden (oder litten bislang) an Diabetes, 42,3 Prozent an Grauem Star, 52,3 Prozent an Bluthochdruck, 16,4 Prozent an Tinnitus, 48,3 Prozent an Arthrose oder Gelenksrheumatismus, 50,5 Prozent an Wirbelsäulenbeschwerden, 22 Prozent an Osteoporose, 27,2 Prozent an Harninkontinenz und 15,1 Prozent an chronischen Angstzuständen oder Depressionen. Insgesamt gaben die Über-75-Jährigen durchschnittlich vier Krankheiten an.

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