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Beschäftigung verdoppeln

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Kosten für das Gesundheits- und das Sozialwesen steigen weiterhin drastisch an. Das hat teils strukturelle, allerdings auch demographische Ursachen, wie Daten zeigen.

Erst in jüngster Zeit hat das Sozialministerium unter Ressortchef Rudolf Hundstorfer zum Fachseminar geladen: "Gefährdet die demographische Entwicklung den Sozialstaat?“ Tatsächlich ergibt ein Blick in die Daten von Statistik Austria, Wirtschaftsforschungsinstitut, Sozialministerium, Sozialversicherung und Hauptverband sowie Eurostat und EU-Kommission ein nachdenklich machendes Bild für Österreich:

• Während in den nächsten 10 Jahren alle Altersgruppen ("5-Jahres-Kohorten“) unter 49 Jahren in absoluten Zahlen abnehmen, werden die Kopfzahlen der Altersgruppen über 50 (bis 95 plus) deutlich anwachsen.

• Noch ausgeprägter ist die Prognose bis zum Jahr 2050. Die Altersgruppen "Jugend“ und "Erwerbsfähige“ stagnieren bzw. gehen kopfzahlmäßig zurück, wohingegen sich die Altersgruppe "Pensionisten“ bis 2050 nahezu verdoppelt.

• Das bedeutet schwere Verantwortung für die Kosten durch die Erwerbsfähigen: Die "demographische Abhängigkeitsquote“, also die Relation zwischen der Zahl der Menschen im Erwerbsalter und der Menschen im Pensionsalter, beträgt heute 100 zu 26. Noch kritischer ist die "ökonomische Abhängigkeitsquote“, das Verhältnis der Zahl der tatsächlich Erwerbstätigen (also der Beitragszahler) zur Zahl der Sozialleistungsbezieher: Dieses Verhältnis liegt heute sogar schon bei 100 zu 61, Tendenz steigend.

• Während die Sozialkosten pro Kopf durchschnittlich 10.100 Euro pro Jahr betragen, belaufen sich diese in der Altersgruppe 65 plus im Schnitt auf 32.420 Euro.

• Die steigende Zahl der älteren Menschen und die (im Vergleich zur Altersgruppe der Erwerbstätigen) um das Sechsfache höheren Sozialstaatskosten (Pensionen, Gesundheit, Pflege) pro älteren Menschen erfordern schon jetzt jährlich im Durchschnitt ca. 550 Millionen Euro an zusätzlichen Mehraufwendungen für unsere Sozial- und Gesundheitssysteme.

• Die Dynamik gerade der Gesundheits- und Pflegekosten zeigt sich auch darin, dass 70 Prozent der Ausgaben für die medizinische Versorgung in den letzten drei Lebensmonaten des Menschen anfallen.

• Die Sozialquote, also der Anteil der Sozialausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung (BIP), ist in der vergangenen Dekade von 28,4 auf 30,5 Prozent angewachsen.

• Laut Bevölkerungsprognose wird die Anzahl der Personen im Alter von über 65 Jahren bis 2030 um 660.000 bis 680.000 zunehmen, die der 20 bis 64 Jahre alten nur um rund 20.000. Die Anzahl der unter 19 Jahre alten sinkt um 30.000. Die Sozialquote, die mittels Wirtschaftsleistung erst verdient werden muss, steigt dann auf 34%.

• Diesen Zuwachs an Sozialausgaben von den Erwerbstätigen alleine finanzieren zu lassen, wird schwierig, denn die Beschäftigungsquote (alle unselbständig und selbständig Beschäftigten im Verhältnis zur Wohnbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren) ist in Österreich im internationalen Vergleich niedrig: Mit 42,4 Prozent liegt sie unter Durchschnitt von 15 EU-Staaten (48,4 Prozent) und auch unter dem Durchschnitt aller 27 EU-Mitglieder (46,3 Prozent). Nur Griechenland, Rumänien, Slowakei, Polen und Malta weisen niedrigere Beschäftigungsquoten auf als Österreich.

• Im Vergleich des tatsächlichen Pensionsantrittsalters liegt Österreich unter 30 OECD-Staaten an vorletzter Stelle. Zugleich klafft hier, ebenfalls im Vergleich dieser Staaten, die zweitgrößte Lücke zwischen dem faktischen und dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter.

• Die OECD kritisierte Österreich erst im Juli des heurigen Jahres neuerlich, dass die Pensionen "weit generöser sind als in den meisten anderen Staaten“. Die Nettoersatzraten liegen in Österreich zwischen 78 und 85 Prozent, abhängig vom Verlauf des Einkommens über die für die Bemessungsgrundlage herangezogenen Jahre. Diese Werte befinden sich signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 70 Prozent.

• Damit zum Versuch einer Antwort auf die im Titel des Fachseminars angedeutete Frage, ob denn diese und andere zusätzlichen Kosten der demographischen Veränderung von der aktiven und der erwerbstätigen Bevölkerung aufgefangen, in irgendeiner Weise getragen werden können? Berechnungen zeigen: Wenn dem prognostizierten Anstieg der Bevölkerung 65+ um 660.000 Menschen bis 2030 ein gleich hoher Anstieg der Beschäftigung gegenüberstehen soll, müsste die Beschäftigungsquote von derzeit 42,4 auf 80 Prozent steigen. Das ist nahezu eine Verdoppelung und führte zur Frage: Ist das realistisch?

Die Kosten für das Gesundheits- und das Sozialwesen steigen weiterhin drastisch an. Das hat teils strukturelle, allerdings auch demographische Ursachen, wie Daten zeigen.

Erst in jüngster Zeit hat das Sozialministerium unter Ressortchef Rudolf Hundstorfer zum Fachseminar geladen: "Gefährdet die demographische Entwicklung den Sozialstaat?“ Tatsächlich ergibt ein Blick in die Daten von Statistik Austria, Wirtschaftsforschungsinstitut, Sozialministerium, Sozialversicherung und Hauptverband sowie Eurostat und EU-Kommission ein nachdenklich machendes Bild für Österreich:

• Während in den nächsten 10 Jahren alle Altersgruppen ("5-Jahres-Kohorten“) unter 49 Jahren in absoluten Zahlen abnehmen, werden die Kopfzahlen der Altersgruppen über 50 (bis 95 plus) deutlich anwachsen.

• Noch ausgeprägter ist die Prognose bis zum Jahr 2050. Die Altersgruppen "Jugend“ und "Erwerbsfähige“ stagnieren bzw. gehen kopfzahlmäßig zurück, wohingegen sich die Altersgruppe "Pensionisten“ bis 2050 nahezu verdoppelt.

• Das bedeutet schwere Verantwortung für die Kosten durch die Erwerbsfähigen: Die "demographische Abhängigkeitsquote“, also die Relation zwischen der Zahl der Menschen im Erwerbsalter und der Menschen im Pensionsalter, beträgt heute 100 zu 26. Noch kritischer ist die "ökonomische Abhängigkeitsquote“, das Verhältnis der Zahl der tatsächlich Erwerbstätigen (also der Beitragszahler) zur Zahl der Sozialleistungsbezieher: Dieses Verhältnis liegt heute sogar schon bei 100 zu 61, Tendenz steigend.

• Während die Sozialkosten pro Kopf durchschnittlich 10.100 Euro pro Jahr betragen, belaufen sich diese in der Altersgruppe 65 plus im Schnitt auf 32.420 Euro.

• Die steigende Zahl der älteren Menschen und die (im Vergleich zur Altersgruppe der Erwerbstätigen) um das Sechsfache höheren Sozialstaatskosten (Pensionen, Gesundheit, Pflege) pro älteren Menschen erfordern schon jetzt jährlich im Durchschnitt ca. 550 Millionen Euro an zusätzlichen Mehraufwendungen für unsere Sozial- und Gesundheitssysteme.

• Die Dynamik gerade der Gesundheits- und Pflegekosten zeigt sich auch darin, dass 70 Prozent der Ausgaben für die medizinische Versorgung in den letzten drei Lebensmonaten des Menschen anfallen.

• Die Sozialquote, also der Anteil der Sozialausgaben an der gesamten Wirtschaftsleistung (BIP), ist in der vergangenen Dekade von 28,4 auf 30,5 Prozent angewachsen.

• Laut Bevölkerungsprognose wird die Anzahl der Personen im Alter von über 65 Jahren bis 2030 um 660.000 bis 680.000 zunehmen, die der 20 bis 64 Jahre alten nur um rund 20.000. Die Anzahl der unter 19 Jahre alten sinkt um 30.000. Die Sozialquote, die mittels Wirtschaftsleistung erst verdient werden muss, steigt dann auf 34%.

• Diesen Zuwachs an Sozialausgaben von den Erwerbstätigen alleine finanzieren zu lassen, wird schwierig, denn die Beschäftigungsquote (alle unselbständig und selbständig Beschäftigten im Verhältnis zur Wohnbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren) ist in Österreich im internationalen Vergleich niedrig: Mit 42,4 Prozent liegt sie unter Durchschnitt von 15 EU-Staaten (48,4 Prozent) und auch unter dem Durchschnitt aller 27 EU-Mitglieder (46,3 Prozent). Nur Griechenland, Rumänien, Slowakei, Polen und Malta weisen niedrigere Beschäftigungsquoten auf als Österreich.

• Im Vergleich des tatsächlichen Pensionsantrittsalters liegt Österreich unter 30 OECD-Staaten an vorletzter Stelle. Zugleich klafft hier, ebenfalls im Vergleich dieser Staaten, die zweitgrößte Lücke zwischen dem faktischen und dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter.

• Die OECD kritisierte Österreich erst im Juli des heurigen Jahres neuerlich, dass die Pensionen "weit generöser sind als in den meisten anderen Staaten“. Die Nettoersatzraten liegen in Österreich zwischen 78 und 85 Prozent, abhängig vom Verlauf des Einkommens über die für die Bemessungsgrundlage herangezogenen Jahre. Diese Werte befinden sich signifikant über dem OECD-Durchschnitt von 70 Prozent.

• Damit zum Versuch einer Antwort auf die im Titel des Fachseminars angedeutete Frage, ob denn diese und andere zusätzlichen Kosten der demographischen Veränderung von der aktiven und der erwerbstätigen Bevölkerung aufgefangen, in irgendeiner Weise getragen werden können? Berechnungen zeigen: Wenn dem prognostizierten Anstieg der Bevölkerung 65+ um 660.000 Menschen bis 2030 ein gleich hoher Anstieg der Beschäftigung gegenüberstehen soll, müsste die Beschäftigungsquote von derzeit 42,4 auf 80 Prozent steigen. Das ist nahezu eine Verdoppelung und führte zur Frage: Ist das realistisch?