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KÖNIG HUSSEIN VON JORDANIEN / ARABISCHER ALLEINGANG

König Hussein, der zu Beginn dieser Woche mit Premier Wilson konferierte, um seine ehemals guten Beziehungen mit Großbritannien in den Dienst einer Lösung im Nahen Osten zu stellen, hat das Abenteuer des Israelkrieges, in das ihn Nasser hineinzog, teuer bezahlt: die Armee seines Königreiches mit ihrem Kern, der berühmten Arabischen Legion, wurde praktisch liquidiert, die fruchtbarere Hälfte seines Staates ist von israelischen Truppen besetzt, der ständige Flüchtlingsstrom stellt das Land vor nahezu unlösbare wirtschaftliche Probleme. Schwierig gestaltet sich auch Husseins Verhältnis zu Ägypten, Syrien und dem Irak, die den diplomatischen Alleingang Jordaniens leicht als „Verrat an der arabischen Sache“ deklarieren könnten — Vorwürfe, die König Hussein nicht zum erstenmal hört. Seine Sympathien für den Westen waren mehr als einmal Vorwand für Verschwörungen, Putsche, Attentate, deren Drahtzieher in Kairo und Damaskus saßen.

Bekanntschaft mit Attentaten machte Hussein ibn Talal ibn Abdullah el Hachim aus dem Geschlecht der Haschemiten, das seine Abstammung auf Mohammed zurückführt, schon mit 16 Jahren — als sein Großvater, der von den Engländern eingesetzte König Abdullah, in Jerusalem erschossen wurde. Zwei Jahre darauf, am 3. Mai 1953, bestieg der junge Hussein, der seine Studienjahre in England verbracht hatte, den jordanischen Thron. (Sein Vater Talal war wegen Geisteskrankheit abgesetzt worden.) Herrscher in einem Land, das mehr als zur Hälfte aus Wüste besteht, mit einer Bevölkerung, in der einem Drittel Beduinen, die heute noch als Nomaden leben, rund zwei Drittel zivilisierte Bewohner des früheren Palästina gegenüberstehen, war Hussein von Anfang an auf fremdes Kapital angewiesen. Jahrelang hatte das Land von den britischen Subsidien — der Gegenleistung für britische Militärstützpunkte in Jordanien — gelebt. Unter dem Druck arabisch-nationali&tischer Kreise kündigte Hussein jedoch 1956 den Vertrag mit Großbritannien auf und setzte die Engländer vor die Tür. Der geplante Beitritt zum Bagdadpakt fand nicht statt; Hussein mußte sich nach neuen Geldgebern umsehen.

Umworben von Ost und West, von den USA, die das Land finanziell unterstützten, und dem panarabischen Imperialismus Nassers, versuchte Hussein, einen mittleren Kurs zu steuern und die Selbständigkeit seines Landes zu erhalten. Im Gegensatz zu seinem ermordeten Vetter, König Feisal von Irak, entging Hussein zwar einer Serie von Attentatsversuchen, sein Land geriet jedoch immer heftiger ins Kreuzfeuer der panarabischen Propaganda.Hussein zog die gefährliche Existenz im Palast von Amman dem freiwilligen Exil vor: „Was immer geschehen mag, ich werde in meinem Land bleiben und für Jordanien leben oder, wenn es so bestimmt ist, sterben.“ Die wichtigste Stütze seines Regimes war lange Zeit die Armee, deren Soldaten zunächst bedingungslos hinter dem jungen König standen. Der ägyptischen Propaganda gelang es allmählich, immer stärker auch die höchsten Ränge mit Anhängern Nassers zu durchsetzen — eine Tatsache, die das Verhalten Husseins im Israelkrieg zum Teil erklärt.

In den 14 Jahren seit seiner Thronbesteigung ist aus dem „netten, kleinen König“, wie ihn die Engländer nannten, aus dem fürstlichen Playboy, der Rennwagen und Frauenaffären sammelte, ein maßvoller Politiker geworden. Der Krieg mit Israel hat Hussein viel von diesem seinen Prestige gekostet. Mit den gegenwärtigen diplomatischen Initiativen sowohl \n der arabischen als auch in der angelsächsischen Welt versucht Hussein, seinen früheren politischen Kurs zu verfolgen — arobische Solidarität mit der Loyalität dem Westen gegenüber zu vereinen.

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