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Die große Sehnsucht der Väter

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Auch Männer bemühen sich zunehmend, "gute Väter" zu sein. Wie sie das tun, beschreiben zehn Autoren im neuen Buch "Vatergefühle".

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Auch Männer bemühen sich zunehmend, "gute Väter" zu sein. Wie sie das tun, beschreiben zehn Autoren im neuen Buch "Vatergefühle".

Vieles wurde schon geschrieben über die Sorgen, Wünsche und Sehnsüchte junger Mütter oder auch solcher, die schon länger "im Amt" sind. Soweit es den zweiten Elternteil betrifft, hört man jedoch meist nur Schlagworte wie "vaterlose Gesellschaft" oder man beklagt deren negative Folgen.

Selten haben sich Autoren noch bewusst mit der Vaterrolle auseinandergesetzt, sich Gedanken über "Vatergefühle" gemacht und schon gar nicht über das konkrete Erleben eines Vaters geschrieben. Zehn Männer erzählen in zehn Beiträgen über ihre Erfahrungen. Nur einer von ihnen ist selbst kein Vater, als Sozialpädagoge jedoch in der Väter- und Männerarbeit tätig, in deren verschiedenen Bereichen auch die anderen neun Autoren des Buches durchwegs arbeiten.

"Wir wollten wissen, was Männer an den wichtigsten Stationen einer Vaterbiographie erleben: Was brauchen Väter und wozu können Kinder ihre Väter brauchen? Wie geht es einem Mann, der gerade erfahren hat, dass er Vater wird?"

Ende des Schweigens Gleich zu Beginn verraten uns die Herausgeber, mit welchen Vorhaben das Buch geschrieben wurde und was dabei entstanden ist: "... zehn zum Teil sehr persönliche Berichte, in denen das Schweigen der Männer durchbrochen wird." Ein Schweigen, das den Männern eine Last sein kann und mit dem sich zumindest die Autoren des Buches nicht abfinden wollen. Sind es doch zum Teil die medienwirksam aufgearbeiteten Themen wie "Beruf und Kind unter einen Hut bringen" oder "Kind und Karriere", die immer wieder durch die Medien geistern und durch ihre frauenspezifische Aufarbeitung den Mythos der "vaterlosen Gesellschaft" nur untermauern. Die meisten Berichte sind nämlich ganz auf Mutter und Kind beschränkt und eben mit dieser Tradition bricht das Buch.

Andreas Borter etwa bricht das Schweigen gleich in zweierlei Hinsicht: Er ist Vater zweier Kinder, eines davon ist behindert. Er berichtet sehr persönlich und ehrlich darüber, was es heißt, Vater zu sein und ein behindertes Kind zu versorgen. "Lieber Christoph!" schreibt er an seinen Freund, der vor kurzem selbst Vater eines behinderten Kindes geworden ist. "Ich halte wenig von all den schönen Beschreibungen von Vätern und Müttern, die in rosigen Worten davon berichten, wie sie die Geburt ihres behinderten Kindes endgültig akzeptiert und ,verarbeitet' hätten ... Ich wünsche dir, Christoph, deshalb den Mut und die Kraft, ... durchaus auch die Zumutung zu benennen, die dich überrollt hat, und die Gefühle der Ohnmacht und der Wut aufkommen zu lassen."

Glaubwürdig, ergreifend und ermutigend für alle Väter sind schließlich nach diesen ehrlichen Worten die folgenden: "Was haben wir dabei nicht alles gelernt: vom Erfinden aller möglichen Hilfsmittel für den häuslichen Alltag mit unseren Kindern über Verhandlungsstrategien mit Ärzten und Behörden bis hin zum Eingestehen unserer eigenen Grenzen und Möglichkeiten. Wenn wir beginnen, aus einer solchen Sicht unser ,Profil' als Väter zum Thema zu machen, werden wir nicht nur mit einem gestärkten Selbstbewusstsein unsere Vaterschaft leben, sondern wir leisten ... einen Beitrag zur gesellschaftlich längst fälligen Debatte über die Anerkennung von familiären Kompetenzen."

Wenn es eng wird...

"Wenn es eng wird im Bett": Hubert Kößler nimmt sich eines weiteren Themas an, dass nur allzugern von vielen Medien ausgeschlachtet wird, vor allem weil es auch alle jungen Eltern kennen. Einfühlsam versucht der Autor in seinem Beitrag darzustellen, wie sich die physische Erschöpfung besonders von Eltern kleiner Kinder auf das Sexualleben der Ehepartner auswirkt und wie die Männer mit "der Sexualität unter erschwerten Bedingungen" umgehen. "Nach der Geburt eines Kindes intensivieren sie ihr berufliches Engagement manchmal sogar noch mehr." Nicht nur, um "den dreckigen Windeln und dem Babygeschrei zu entkommen", meint der Autor, sondern weil sie meist keine Alternativen haben.

Schwangerschaft und Geburt aus der Sicht eines Mannes, Vater bleiben nach einer Scheidung und die Beziehung zwischen Vater und Sohn sind weitere Themen, denen sich die Autoren widmen. Dabei zeigen die "neuen Väter", dass es keineswegs nur die Frauen sind, die die Welt der Gefühle für sich gepachtet haben. Zurecht heißt es im Nachwort: "Es sind Berichte von tiefen Gefühlen, von Trauer und Freude, von Stolz und Enttäuschung, von Wut und Liebe."

Vatergefühle. Männer zwischen Rührung, Rückzug und Glück. Herausgegeben von Hubert Kößler und Armin Bettinger, Kreuz-Verlag, Stuttgart, 2000, 180 Seiten, öS 218,-/e 15,84

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